Afghanistan: Westlicher Selbstbetrug in Afghanistan

KommentarAfghanistan: Westlicher Selbstbetrug in Afghanistan

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Dr. Friedrich Thelen

Der Strategiewechsel der westlichen Mächte in Afghanistan zeigt verblüffende Parallelen zum amerikanischen Trauma in Vietnam und offenbart vor allem den Selbstbetrug des Westens, sagt Friedrich Thelen in einem Gastbeitrag für wiwo.de.

Alle Zeitgenossen, die sich noch an den Vietnam-Krieg erinnern können, greifen sich an den Kopf. Wie können sich Experten in einem relativ kurzem Zeitabschnitt zum zweiten Mal so täuschen oder täuschen lassen? Nach der Londoner Konferenz über Afghanistan ist nun wie einst in Vietnam ein Strategiewechsel angesagt. In Vietnam hieß der Begriff 1970 „Vietnamisierung“. Motto: Die Südvienamesen sollen die Verteidigung ihres eigenen Landes gegen den Norden selbst in die Hand nehmen. Dazu sollten sie mit ausreichendem Waffengerät und Munition versorgt werden. Und gab es natürlich auch Geld in ausreichender Menge, während die Amerikaner planmäßig das Land verließen. 1975 zogen die siegreichen Truppen Ho Chi Minhs in Saigon ein.

In Kabul wird Ministerpräsident Karzai gedrängt, einem ähnlichen Programm zu zustimmen. Und so legen die Amerikaner schon jetzt einen Termin für ihren geplanten Abzug nach 2014 fest. Die US-Alliierten werden da gern mitabziehen. Da brauchen die Talibanführer nur geduldig bis zum Jahre 2014 warten und solange mit gelegentlichen Überfällen nadelstichartig ihre bedrohliche Präsenz nachweisen, damit der westliche Abzugsprozess auch ja nicht ins Stocken gerät.

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Trennung von Al Kaida und Taliban gibt es nicht

Was nun die Taktik angeht, die Taliban in solche mit Al-Kaida-Neigungen sowie -Verbindungen und in solche ohne diese einzuteilen, offenbart nichts weniger als den westlichen Selbstbetrug. Schon der machiavellistische US-Ex-Außenminister Henry Kissinger weiß, die Trennung von Al Kaida und Taliban gibt es gar nicht.

Al Kaida hat den Kampf gegen die angeblichen westlichen Besatzer Afghanistans nicht geführt, um nachher keine Rolle mehr zu spielen - ganz im Gegenteil. So wissen die Geheimdienste ziemlich genau, welche Absichten Osama bin Laden und die Seinen hegen. Sie zielen über das derzeitige politische Afghanistan hinaus auf diejenigen afghanischen Randgebiete, die formal zu Pakistan gehören, aber nicht von Islamabad kontrolliert werden - die sogenannten Tribal Areas. Und damit stellt sich umgehend die Nuklearfrage. Denn Pakistan verfügt über Atomwaffen, an deren Beschaffung einst China beteiligt war, um den asiatischen Gegner Indien einzuhegen. Die Regierung und vor allem die Armee Pakistans ist nicht homogen. In ihren Führungskadern gibt es Elemente, die den Taliban nicht feindlich gesonnen sind - um das Mindeste zu sagen. Waffenbrüderschaft zwischen Taliban und pakistanischen Streitkräften sowie Geheimdiensten gab und gibt es seit den Zeiten des gemeinsamen Kampfes gegen die Sowjetunion nach 1979.

Sicherheitspolitiker können nicht schlafen

Die Vorstellung aber, dass politische Kräfte wie Al Kaida, die aus einem von Taliban beherrschten Land massivere Anschläge als einst den vom 11. September Tower verüben könnten, vertreibt verantwortlichen Sicherheitspolitikern die Nachtruhe - insbesondere in den Regionen Naher und Mitteler Osten. Denn das ist der Unterschied zwischen Staaten wie Iran und militanten fundamentalistischen Sekten wie Al Kaida und Taliban. Eine Nation will überleben und hat daher Angst vor der eigenen Zerstörung durch chemische, biologische oder nukleare Kampfmittel. Die Grundüberzeugung der Taliban-/Al-Kaida-Truppen dagegen wird überdeutlich durch den Ausspruch eines ihrer Kommandeure. Als der auf die mutwillige Zerstörung des eigenen Landes angesprochen wurde, erklärt er: „Das ist doch egal, wir sind ja doch bald alle bei Allah im Paradies.“

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