Afrika: Nicht nur Öl und Metalle

Afrika: Nicht nur Öl und Metalle

Afrika hat das Potenzial zur neuen Boomregion. Unternehmen aus aller Welt entdecken den Kontinent – nur die Deutschen haben bisher wenig davon mitbekommen.

Das große Geschäft machen die anderen. In Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, entsteht derzeit ein riesiger neuer Hotel- und Bürokomplex. Das Münchner Architekturbüro Spacial Solutions hat das Kigali Convention Centre entworfen, und der Kommunikationsspezialist Bau-logis, ebenfalls aus München, sorgt für die Organisation. Den Löwenanteil des Projektes aber, umgerechnet 130 Millionen Euro für den Bauauftrag, sicherte sich die chinesische Beijing Construction Engineering Group.

Das macht die riesige Baustelle ziemlich genau in der Mitte des Kontinents typisch für fast ganz Afrika: Chinesen, aber auch Amerikaner, Engländer und Franzosen, sogar Brasilianer und Inder hängen die Exportnation Deutschland ab. Was viele Deutsche für unwichtig halten: Afrika – das ist doch der „hoffnungslose Kontinent“, wie der Londoner „Economist“ 2000 titelte, das Armenhaus der Welt, gepeinigt von mörderischen Bürgerkriegen, unheilbarer Korruption, Dürren und Epidemien. Nichts für Unternehmer und Kaufleute.

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An diesem Bild stimmt immer noch viel – und es ist trotzdem falsch. Von 2002 bis 2008 verzeichneten die Länder Afrikas südlich der Sahara ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von über sechs Prozent, ausgelöst durch den weltweiten Rohstoffboom. Im internationalen Krisenjahr 2009 gab es dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge immer noch ein Prozent Wachstum, für dieses Jahr glaubt der IWF wieder an vier Prozent Zuwachs, für 2011 schätzt er die Rate auf 5,5 Prozent. Wenn es so kommt, würden die Afrikaner in der zweitstärksten Wachstumsregion der Erde leben.

Kleine Wunder

Natürlich bewegt sich das Plus auf einem niedrigen Niveau, die meisten Afrikaner sind immer noch arm. Südlich der Sahara – die internationalen Finanz- und Entwicklungsorganisationen rechnen die arabisch geprägten Länder am Mittelmeer zu einer anderen Weltregion – leben mehr als 800 Millionen Menschen, die nach Daten der Weltbank heute durchschnittlich im Jahr knapp 2000 Dollar zur Verfügung haben. Es gibt immer noch Gewaltherrscher und Kriege, Malaria, Aids und Analphabetismus. Es gibt aber auch kleine Wirtschaftswunder in so unterschiedlichen Ländern wie Ruanda und Botsuana, Ghana und Äthiopien. Vernünftige Investitionsbedingungen, gute Rechtssysteme und erfolgreicher Kampf gegen die Korruption breiten sich immer weiter aus.

Geholfen hat dabei der umfangreiche Schuldenerlass in den vergangenen Jahren. 2005 beschlossen die Finanzminister der G8-Staaten, den Afrikanern über einen Zeitraum von 40 Jahren insgesamt 55 Milliarden Dollar zu erlassen, der deutsche Anteil an diesem Schuldenerlass wurde damals für die Jahre bis 2015 auf insgesamt 700 bis 950 Millionen Euro geschätzt. Die Industriestaaten knüpften den Schuldenerlass an die Bedingung einer guten Regierungsführung, also Kampf gegen die Korruption und sinnvolle Verwendung der Mittel, beispielsweise für das Bildungs- und Gesundheitswesen. Neben der finanziellen Entlastung hat sich diese Bedingung als Segen für viele afrikanische Länder herausgestellt. Bad Governance, das Gegenteil guter Regierungsführung, ist heute das schmähliche Privileg rohstoffreicher Staaten wie Nigeria, Angola und Gabun, die den Rabatt nicht nötig hatten.

„Nach dem umfangreichen Schuldenerlass haben viele afrikanische Länder jetzt die Chance für einen neuen Start“, sagt Steffen Dyck von Deutsche Bank Research in Frankfurt. Er hält wenig davon, die Abhängigkeit vieler Afrikaner von den Rohstoffmärkten einfach als Fluch zu betrachten: „Das ist eine Frage der institutionellen Rahmenbedingungen, Länder wie Norwegen haben vorgemacht, wie man vernünftig mit solchem Reichtum umgehen kann.“ Außerdem hat Afrika mehr zu bieten als Rohöl, Diamanten und Metalle, sagt Zin Bekkali, Chef der Fondsgesellschaft Silk Invest aus London, der seit Jahren als Investor in Afrika unterwegs ist: „Hier gibt es große Chancen in den verschiedensten Branchen.“

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