Airbus: Die Angst vor härteren Regeln für Rüstungsexporte

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Airbus: Die Angst vor härteren Regeln für Rüstungsexporte

Es steht eine neue Herausforderung an: Airbus fürchtet große Probleme, falls die Bundesregierung die Waffenexporte stärker beschränkt. Der Luft- und Rüstungskonzern steigert aber auch seinen Gewinn.

Auf die deutsche Rüstungsindustrie kommen nach Einschätzung von Airbus große Probleme zu, falls die Bundesregierung die Waffenexporte gemäß dem Wunsch der SPD stärker beschränkt. "Meine vielleicht größte Befürchtung sind erhebliche Einbußen aufgrund einer verschärften Exportpolitik", sagte der Chef der Rüstungssparte Airbus Defence and Space, Bernhard Gerwert, in einem Reuters-Interview am Mittwoch in Berlin. Der SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will Rüstungsausfuhren künftig stärker beschränken. Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur weltweit, Gabriels Ministerium entscheidet über die Genehmigung von Rüstungslieferungen.

"Dieses Thema beschäftigt unsere Industrie massiv", sagte Gerwert. "Einige Kollegen spüren das schon sehr direkt". Abgesehen von den unmittelbaren Auswirkungen würden deutsche Konzerne auch als Partner bei multinationalen Projekten ins Aus geraten. Französische oder britische Unternehmen würden kaum eine Kooperation eingehen, wenn die Gefahr bestehe, dass sie ein gemeinsames Produkt wegen eines verschärften deutschen Ausfuhrregimes nicht exportieren könnten, warnte Gerwert. "Da wird sich keiner drauf einlassen". Gemeinsam mit Partnern aus Großbritannien, Italien und Spanien produziert sein Unternehmen unter anderem den Kampfjet Eurofighter.

Anfällige Flügel Airbus schickt A380 häufiger in Inspektion

Der A380 ist in Tests negativ aufgefallen: An den Flügeln wurde eine ungewöhnlich starke Materialermüdung festgestellt. Die Tragflächen des Jumbo-Airbus müssen nun doppelt so häufig zur Inspektion wie bisher.

Quelle: AP

Eine verschärfte Rüstungsexportkontrolle treffe nicht nur Airbus mit seinen verschiedenen Produktionsstandorten in ganz Europa, sondern womöglich stärker noch die übrige deutsche Rüstungsindustrie. "Für mich ist die Entscheidung relativ klar: Ich werde Produkte dann nicht mehr in Deutschland entwickeln und produzieren, sondern anderswo", sagte Gerwert. Airbus als europäisch aufgestellter Konzern könne mit der Fertigung etwa nach Frankreich oder Großbritannien ausweichen.

Sollte die Bundesregierung Waffenexporte in ganze Regionen wie etwa an den Golf verbieten, werde dies aber auch anderen deutschen Unternehmen schaden, prognostizierte Gerwert. "Wenn man ganze Regionen ausschließt, dann hat das erhebliche Konsequenzen für die Gesamtwirtschaft - diese Länder unterscheiden nicht zwischen Verteidigungs- und anderen Produkten", warnte der Manager. Diese Staaten würden sich dann auch von zivilen deutschen Produkten abwenden: "Es besteht die Gefahr, dass sich Deutschland von den Wachstumsregionen dieser Welt verabschiedet". Zuletzt waren vor allem Waffenexporte nach Saudi-Arabien umstritten, während Ausfuhren in andere Golfstaaten wie Katar gewöhnlich genehmigt wurden.

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Gerwert zeigte sich zuversichtlich, weitere Exportkunden für den Eurofighter zu gewinnen, der im bayerischen Manching hergestellt wird. Das Werk dort ist durch die Kampfjet-Produktion nach seinen Worten noch bis 2017 oder 2018 ausgelastet, nachdem mehrere europäische Staaten den Kauf der letzten Teillieferung des Eurofighter abgesagt haben. "Wir gehen davon aus, dass es zu Exportaufträgen kommen wird", erklärte Gerwert. "Wenn es dazu nicht kommt, können wir einen weiteren Personalabbau nicht ausschließen".

Airbus Defence and Space exportiert den Eurofighter bisher nach Saudi-Arabien, Österreich und Oman. Das Werk in Manching ist außerdem für die Wartung etlicher Bundeswehr-Flugzeuge zuständig, darunter der Tornado und der neue Transporter A400M. Als Kompensation für das entgangene Eurofighter-Geschäft fordert Airbus nach Angaben aus Rüstungskreisen 850 Millionen Euro von der Bundesregierung.

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