„Akt des puren Bösen“: USA und EU verurteilen Geiselermordung der Terrormiliz IS

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„Akt des puren Bösen“: USA und EU verurteilen Geiselermordung der Terrormiliz IS

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Peter Kassig: Er wurde zum Opfer der Terrormiliz IS.

Die Terrormiliz IS veröffentlicht ein neues grausames Propagandavideo. Die Aufnahmen zeigen die Enthauptung zahlreicher Gefangener - auch eines Amerikaners. Wieder reagiert der Westen entsetzt.

Die USA und die Europäische Union haben die Ermordung eines Amerikaners als fünfter ausländischer Geisel von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verurteilt. US-Präsident Barack Obama sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Der aus Indianapolis (Indiana) stammende Entwicklungshelfer Peter Kassig habe einen „unzähmbaren Geist des Guten und der Ausdauer“ in sich getragen, erklärte Obama auf seiner Rückreise vom G20-Gipfel in Australien. Seine Entführung durch IS-Terroristen sei ein Akt des puren Bösen gewesen.

Auch Außenminister John Kerry verurteilte die Enthauptung. Verteidigungsminister Chuck Hagel sprach von „rücksichtloser Grausamkeit“. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der für Humanitäre Hilfe zuständige Kommissar Christos Stylianides erklärten, alle Täter bei Menschenrechtsverletzungen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Die EU werde alle möglichen Anstrengungen in diese Richtung unternehmen, hieß es in der am späten Sonntagabend veröffentlichten Erklärung. Die Terrormiliz breche allgemein anerkannte Werte und Rechte.

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„Akt des absolut Bösen“ IS lässt britische Geisel enthaupten

Ein von der Terrormiliz des Islamischen Staats veröffentlichtes Video zeigt offenbar die Enthauptung der britischen Geisel David Haines. Der Brite hatte viele Jahre als Entwicklungshelfer gearbeitet.

Ein Internetvideo zeigt angeblich die Hinrichtung des britischen Entwicklungshelfer David Haines durch IS-Kämpfer. Quelle: dpa

Die USA bestätigten am Sonntag die Echtheit eines im Internet verbreiteten IS-Videos. Die Aufnahme zur Enthauptung Kassigs zeigt auch eine brutale Massenhinrichtung gefangener Soldaten. IS-Extremisten hatten zuvor in den vergangenen Monaten bereits die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie die Briten David Haines und Alan Henning ermordet. Der 26-Jährige Ex-Elitesoldat Kassig arbeitete nach Angaben seiner Eltern als Entwicklungshelfer in Syrien, als er am 1. Oktober 2013 in Dair as-Saur im Osten des Landes entführt wurde. Die Eltern baten die Medien am Sonntag um einen zurückhaltenden Umgang mit dem Video. „Die Familie bittet die Medien, den Geiselnehmern nicht in die Hände zu spielen, indem sie Bilder oder das Video der Entführer veröffentlichen“, teilten Ed und Paula Kassig über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

In dem Video werden auch Enthauptungen syrischer Soldaten gezeigt - vermutlich in Nordsyrien. Ein vermummter Dschihadist richtet in englischer Sprache mit britischem Akzent eine Botschaft an Präsident Obama, in der er sagt, dass Kassig US-Soldat gewesen sei und den US-Truppen ähnliches widerfahren werde. Erneut machte die Terrorgruppe ihre Expansionsansprüche deutlich: auf Saudi-Arabien, Libyen oder auch Europa. Kassig leistete nach Angaben der „Washington Post“ Armeedienst beim bekannten 75. Ranger Regiment. Der Infanterist habe mit seiner Einheit von April bis Juli 2007 im Irak gedient. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee habe Kassig begonnen, Politikwissenschaft zu studieren. Er beteiligte sich an Hilfsprojekten für Syrien. Kassig trat während seiner Gefangenschaft zum Islam über, wie der Sender CNN berichtete.

Fakten zum Terror im Irak

  • Wer verbirgt sich hinter ISIS/IS?

    Die Terrorgruppe ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) ist eine im Syrienkrieg stark gewordene Miliz. Die Gruppe steht seit 2010 unter Führung eines ambitionierten irakischen Extremisten, der unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi bekannt ist. Die USA haben zehn Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt. Ihm ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, aus einer eher losen Dachorganisation eine schlagkräftige militärische Organisation zu formen. Ihr sollen bis zu 10.000 Kämpfer angehören.

    Die Gruppe nannte sich Ende Juni in IS um, da sie die Einschränkung auf den Irak und Syrien aufheben wollte.

  • Was sind die Ziele von ISIS?

    ISIS sind Dschihadisten, Gotteskrieger. Sie kämpfen für eine strikte Auslegung des Islam und wollen ihr eigenes „Kalifat“ schaffen. Ihre fundamentalistischen Ziele verbrämt Isis bisweilen - wenn es in einzelnen Regionen gerade opportun erscheint. „Im Irak gerieren sie sich als Wahrer der sunnitischen Gemeinschaft“, weiß Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak. „In Syrien vertreten sie ihre Ideologie und ihr Projekt weit offener.“ In der syrischen Stadt Rakka beispielsweise setzen die Extremisten ihre strikte Auslegung islamischer Gesetze durch. Aktivisten und Bewohner in der Stadt berichten, dass Musik verboten wurde. Christen müssen eine „islamische Steuer“ für ihren eigenen Schutz zahlen.

  • Welche Taktik verfolgt ISIS?

    Ihre Taktik ist eine krude Mischung von brutaler Gewalt und Anbiederung - alles zwischen Abschreckung durch das Köpfen von Feinden und Eiscreme für die Kinder in besetzen Gebieten. Das alles dient der Al-Kaida-Splittergruppe Isis nur zu einem Ziel: den Islamischen Staat im Irak und Syrien zu bilden, den ihr Name verheißt. Die Gruppe, der bis zu 10.000 Kämpfer angehören sollen, hat diese Woche die irakischen Städte Mossul und Tikrit überrannt und den Marsch auf Bagdad angekündigt.

  • Wie weit ist ISIS damit gekommen?

    Zu Jahresbeginn hatte Isis bereits die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen hat ISIS maßgeblichen Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht. Der einstige Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, den US-Truppen vor ihrem Abzug aus dem Irak 2011 besiegt zu haben meinten, blüht in einer neuen Inkarnation wieder auf. Dabei profitiert Isis von den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, die ihre sunnitische Anhängerschaft radikalisieren.

    Bislang drangen ISIS-Kämpfer bis zur Provinz Dijala knapp 60 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Mittlerweile haben die Kämpfer die Städte Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

  • Wie finanziert sich ISIS?

    Nach dpa-Informationen erbeuteten ISIS-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro. Auch schweres Kriegsgerät soll ISIS erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

  • Welche Auswirkungen hat der Feldzug von ISIS auf die Bevölkerung?

    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

  • Warum ruft der Irak nicht den Notstand aus?

    Ministerpräsident Al-Malikis Versuch, am 12. Juni 2014 den Notstand auszurufen, war am Parlament gescheitert, das eine Abstimmung wegen mangelnder Beteiligung verschob. Seit Monaten zeigt sich Al-Maliki praktisch machtlos gegen den Terror sunnitischer Extremisten im Land. Dieser kostete seit April 2013 Tausenden Menschen das Leben.

  • Bekommt der Irak Unterstützung?

    Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu. Die Nato und Großbritannien schlossen einen militärischen Eingriff aus. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Mittlerweile prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

In einem bewegenden Abschiedsbrief hatte Kassig sich aus seiner Gefangenschaft an seine Eltern gewandt, die das Schreiben Mitte Oktober veröffentlichten. „Wenn ich sterben sollte, findet Ihr wohl wenigstens Trost und Zuflucht in dem Gedanken, dass ich in dem Bemühen davonging, Leid zu lindern und Bedürftigen zu helfen“, schrieb er. Er bedankte sich bei seinen Eltern und schrieb, dass er bei ihnen sei. Kassigs Eltern hatten lange für die Freilassung ihres Sohnes gekämpft.

Der prominente US-Senator Dick Durbin bezeichnete das Video als tragische Erinnerung an die Bestialität der IS-Kämpfer. Trotzdem sei eine Entsendung von US-Kampftruppen am Boden keine Lösung, um dem Konflikt in Syrien beizukommen. Dies wäre ein „ernsthafter Fehler“, sagte der Demokrat am Sonntag im CNN-Interview. Die USA hätten im Irak und in Afghanistan ihre Lektion gelernt. Um IS zu besiegen, seien Kämpfer aus der Region nötig, die ausgebildet, ausgerüstet und mit Luftschlägen unterstützt werden müssten.

Eine von den USA angeführte internationale Allianz fliegt seit Anfang August im Irak und seit Ende September auch in Syrien Luftangriffe gegen die Extremisten. Dennoch stellte eine unabhängige Untersuchungskommission in einem am Freitag veröffentlichten Bericht für den UN-Menschenrechtsrat fest, dass die Kampfkraft des IS in Syrien größer geworden sei.

Weitere Artikel

Die USA wollen eine neue Phase im Krieg gegen den IS einleiten. Am Wochenende besuchte US-Stabschef Martin Dempsey erstmals seit Beginn der internationalen Luftangriffe gegen die Dschihadisten die irakische Hauptstadt Bagdad. Dempsey beriet mit irakischen Politikern und Sicherheitsvertretern über die nächste Etappe zur Niederschlagung des IS.

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