Al-Qaida: Dem Geld der Terroristen auf der Spur

Al-Qaida: Dem Geld der Terroristen auf der Spur

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Ein Mohnbauer in Lashkar Gah, Afghanistan (Archivbild)

von Daniel Rettig, Hans Jakob Ginsburg, Silke Wettach, Henning Krumrey und Annina Reimann

Bin Laden ist tot, die Einnahmequellen des Terrors sprudeln weiter – denn die Geldtransfers sind schwer zu verfolgen. Wie islamische Fundamentalisten ihre Anschläge finanzieren.

Sage keiner, Terroristen hätten keinen Sinn fürs Geld. Als im November zwei Bombenpakete aus dem Jemen, adressiert an US-Synagogen, abgefangen wurden, werteten die Urheber – al-Qaida auf der arabischen Halbinsel – das als Erfolg: Insgesamt 4200 Dollar habe die Sendung gekostet, aber westliche Länder würden nun Milliarden Dollar für neue Sicherheitsmaßnahmen ausgeben.

Massenmord muss nicht teuer sein, und Geld spielt für Attentäter keine Rolle. Denn die Einnahmequellen des globalen Terrorismus sprudeln weiter – auch nach dem gelungenen Ende der "Operation Geronimo" in der vergangenen Woche, die Osama Bin Laden tötete. Alle Demokratien tun sich weiterhin schwer damit, den Staatsfeinden den Geldhahn abzudrehen – und daran wird sich wenig ändern. Zu raffiniert sind die Terroristen, zu schwerfällig die Staaten.

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Vor dem 11. September 2001 war der Kampf gegen die Terrorfinanzierung kein Thema. Zwar hatten die Vereinten Nationen 1999 eine Konvention aufgelegt, doch bis zu den Attacken auf die Twin Towers hatten diese gerade einmal vier Staaten unterzeichnet. Mittlerweile gehören der zuständigen Financial Action Task Force immerhin 34 Staaten an. Verdächtige landen auf einer Liste, ihr Vermögen wird eingefroren. Derzeit stehen darauf 400 Einzelpersonen und Unternehmen.

Lukrativer Drogenhandel

Diese Erfolge weckten die Hoffnung, den islamistischen Terroristen könnte zumindest der monetäre Boden entzogen werden. Ende 2009 sagte David Cohen, Experte des US-Finanzministeriums: "Al-Qaida ist in der schwächsten finanziellen Verfassung seit Jahren." Auch mag die Vermutung stimmen, dass der Millionenerbe Bin Laden in den vergangenen Jahren an Einfluss verlor und zuletzt nur noch etwa zehn Prozent zum Budget von al-Qaida beigetragen hat, wie der Ökonom Friedrich Schneider von der Universität Linz zu wissen glaubt. Er beruft sich für seine Zahlen auf statistische Analysen, in die er eine große Menge öffentlich zugänglicher Daten eingespeist hat.

Doch vor allem die islamistischen Terroristen in aller Welt haben ihr Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren diversifiziert. Die Hälfte des al-Qaida-Vermögens von etwa fünf Milliarden Dollar stamme aus dem Drogenhandel in Afghanistan, schätzt Schneider. Der Rest komme aus dem Diamantenhandel in Afrika, Entführungen, Piraterie, Waffenhandel, Schmuggel oder eigens zu diesem Zweck gegründeten Wohltätigkeitsorganisationen. Niemand weiß, wie viel Geld die Gruppen tatsächlich haben. "Wir kennen die Hauptadern der Geldflüsse, bei den Details tappen fast alle im Dunkeln", sagt Uwe Kranz, Ex-Präsident des Thüringer Landeskriminalamts.

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