Allianz-Leben-Chef Zimmerer : "Inflation ist Enteignung"

Allianz-Leben-Chef Zimmerer : "Inflation ist Enteignung"

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Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer

von Annina Reimann

Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer über gefährdete Griechenland-Anleihen, sinkende Gewinnbeteiligung von Versicherten, raue Sitten im Vertrieb und mögliche Zukäufe.

Herr Zimmerer, die Finanzmärkte spielen Staatspleite-Szenarien durch, die Anlagerisiken steigen. Wie sichern Sie die Altersvorsorge Ihrer Kunden?

Wir streuen breiter als früher. Durch die Finanzkrise sind Einzelanlagen riskanter geworden. Vor der Krise waren nur gelegentlich Unternehmensanleihen oder schwächer besicherte Anleihen von Banken gefährdet, heute ist selbst die Zahlungsfähigkeit von EU-Staaten an den Kapitalmärkten ein Thema.

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Wie viel Geld Ihrer Versicherten steckt in Staatsanleihen von Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien?

4,3 Milliarden Euro, das sind rund drei Prozent unserer Kapitalanlagen. Zwei Drittel davon entfallen auf Italien, wo ich keine Verschlechterung der Situation aufgrund der Finanzkrise erkennen kann.

Welche Staatsanleihen sind besonders riskant?

Am Kapitalmarkt wird Griechenland kritisch beobachtet. Dort werden 2010 sehr viele Anleihen fällig. Bei der Euro-Einführung hat man sich keine Gedanken darüber gemacht, ob und wie ein Land im Ernstfall die Euro-Zone verlassen kann. Ich denke aber nicht, dass die EU Griechenland hängen lässt und stufe das Land auch nicht als akut rückzahlungsgefährdet ein.

Dann kaufen Sie Griechenland-Anleihen?

Nein. Als konservativer Anleger möchte ich nicht drauf spekulieren, dass es Beistandskredite gibt, auch nicht, wenn es wie jetzt für griechische Anleihen Zinsen von mehr als sechs Prozent gibt. Dies entspricht einem Zinsaufschlag zwischen drei und vier Prozent gegenüber Bundesanleihen, also einem Niveau, wie es sonst eben nur für Anleihen mit hohem Verlustrisiko bezahlt wird.

Wo droht sonst noch Gefahr?

Dort, wo gegen einzelne Länder bewusst spekuliert wird. Das verschärft deren Probleme.

Müssen Sie bald Anlagen abschreiben?

Abschreibungen drohen immer, wenn Kurse unter den Kaufkurs rutschen. Das ist tägliche Praxis, bedeutet aber noch nicht, dass wir Geld verloren haben. Mit Kursschwankungen muss man auch als Langfristanleger leben.

Wo stecken denn Ihre Risiken im Portfolio?

Verglichen mit der Zeit vor fünf Jahren haben wir wenig Risiken. Unsere Aktienquote haben wir stark reduziert, schon bevor die Märkte abgestürzt sind, auf zuletzt 8,4 Prozent. Die Anlagen sind jetzt viel breiter gestreut. Aber, erinnern wir uns an 2008: Das Risiko kann sich täglich ändern, je nachdem, wie stark die Märkte verrückt spielen.

Pfandbriefe zählen zu Ihren wichtigsten Anlagen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat kürzlich vor Turbulenzen am Pfandbriefmarkt gewarnt, das 60 Milliarden schwere Ankaufprogramm der Zentralbank läuft aus. Trifft Sie das?

Im Gegenteil. Die EZB-Stützungsaktion hat nur dazu geführt, dass die langfristigen Zinsen künstlich gedrückt wurden. Wer Geld brauchte, sollte es günstig bekommen. Wir als Lebensversicherer haben kein Interesse daran, dass Pfandbriefe bei 3,6 Prozent rentieren, wenn sie ohne Markteingriffe über vier Prozent bringen könnten.

Der Garantiezins für Neukunden ist mit 2,25 Prozent historisch niedrig. Wie weit fällt er noch?

Nach dem gesetzlich normierten Mechanismus, der sich an der Durchschnittsrendite von Bundesanleihen in den letzten zehn Jahren orientiert, wird sich der Garantiezins für das Neugeschäft in nächster Zeit nicht ändern. Die Zinsen am Kapitalmarkt werden – solange die Wirtschaft nicht stark anzieht – niedrig bleiben. Die Zentralbanken halten die Zinsen durch die hohe Liquidität künstlich unten. Dieses Geld muss möglichst bald wieder abgezogen werden, es birgt Inflationsrisiken. Ich rechne zwar mittelfristig nicht mit hoher Inflation, aber die Zinsen könnten auf bis zu sieben Prozent steigen, weil die Inflation von null kommend auch mal Richtung vier Prozent laufen könnte. Auf Dauer werden die Zinsen also nicht so niedrig bleiben.

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