Anschläge in Indien : Wie sicher ist Indien für ausländische Manager?

Anschläge in Indien : Wie sicher ist Indien für ausländische Manager?

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Das bombardierte Taj Mahal Hotel soll bald wieder in alter Pracht scheinen

Die Terroristen von Mumbai bomben Indien in eine schwere politische Krise. Wie sicher ist das Wirtschaftswunderland für ausländische Manager?

Der heutige Montag hätte ein großer Tag werden sollen für den Wirtschaftsförderer Jochen Landes und das neue German Centre for Industry und Trade im indischen Gurgaon nahe der Hauptstadt Delhi.

Wochenlang hatte Centre-Chef Landes die Eröffnungsfeier vorbereitet. Hochrangige Gäste sollten kommen, sie sollten Reden halten und für schöne Fotos posieren.

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Diese Bilder hätten den indischen Wirtschaftsminister Kamal Nath gezeigt, der mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger feierlich eine Öllampe entzündet, wie es indische Sitte ist. Im Hintergrund wären 120 Mittelständler aus Süddeutschland zu sehen gewesen, die ihre schicken neuen Büros inspizieren.

Doch aus der Feier wird erst mal nichts.

Den Terroranschlag von Mumbai mit 172 Toten und fast 300 Verletzten vor Augen, sagte Oettinger die Reise kurzfristig ab. Sicherheit ginge vor, so der Tenor eines Briefes der Staatskanzlei an die Reiseteilnehmer. Man will einen neuen Termin suchen, "sobald es die Situation vor Ort erlaub".

Das kann dauern.

Niemand vermag im Augenblick verlässlich zu prognostizieren, was nun auf Indien und die ganze Region zukommt. Gibt es Vergeltungsschläge? Spitzt sich der Konflikt mit dem verfeindeten Nachbarn Pakistan weiter zu? Wie sicher ist das Land überhaupt?

Es ist die Art und Weise des Anschlags, die viele ausländische Geschäftsleute beunruhigt.

Diesmal attackierten Fanatiker gezielt die Embleme des indischen Aufschwungs. In den Luxushotels Taj Mahal und Oberoi übernachten internationale Wirtschaftsgrößen und Spitzenpolitiker. Im Traditionscafé Leopold an der Touristen-Meile Colaba Causeway suchen Reisende Zuflucht vor der Hitze der Stadt.

"Mit der Jagd auf Ausländer", sagt der deutsche Indienexperte Tobias Engelmeier, "hat der Terror eine neue Dimension erhalten."

Er betreibt in Delhi das Unternehmen Bridge to India und ist auf den Transfer deutscher Technologie spezialisiert. Auch Engelmeier berichtet von verunsicherten deutschen Unternehmern. In dieser Woche führt der Berater eine deutsche Delegation durch Indien. Zwei Drittel der Manager hätten die Reise vorsichtshalber abgesagt.

Verärgert aber sind viele über das Versagen der Sicherheitskräfte während des Anschlags

Engelmeier glaubt jedoch wie viele andere Experten vor Ort, dass expansionswillige Unternehmen nicht vom Standort Indien abrücken.

Eine Investitionsentscheidung werde durch kurzfristige Ereignisse nicht über den Haufen geworfen. Auch sei das individuelle Risiko nicht signifikant gestiegen, weil das Land seit jeher mit Terror und Gewalt zu kämpfen hat.

Verärgert aber sind viele über das Versagen der Sicherheitskräfte während des Anschlags.

Selbst glühende Indien-Anhänger wie etwa der Chef der deutsch-indischen Handelskammer, Bernhard Steinrücke, üben heftige Kritik an der politischen Führung: Das Land schicke Raketen zum Mond, während seine Polizisten mit Bambusstöcken und Gewehren aus der Kolonialzeit eine Millionen-Metropole gegen Terroristen verteidigen müssten. "Wenn die Regierung nicht endlich aufwacht", sagt Steinrücke, "dann haben wir ein Problem."

Premierminister Manmohan Singh steht unter immensem Druck. Er muss Stärke zeigen, will er die Wahlen im Frühjahr gewinnen. Hinzu kommt, dass der Aufschwung an Kraft verliert. Nach drei Jahren mit durchschnittlich neun Prozent Wachstum rechnen Analysten für das laufende Jahr mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 6,5 Prozent.

Indien versucht nun, die Verantwortung für die Anschläge in Richtung des verfeindeten Bruderstaates Pakistan zu schieben. Der einzig überlebende Attentäter soll aus dem Nachbarland stammen und von der radikal-islamistischen Gruppe Lashkar-e-Toiba (Armee der Reinen) ausgebildet worden sein, behaupten die Inder. Diese Terrorzelle verbreitet vor allem in der Grenzregion Kaschmir Angst und Schrecken. Ihr werden Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst ISI nachgesagt.

Während internationale Spitzendiplomaten fieberhaft zwischen den verfeindeten Atommächten vermitteln, kehrt in Mumbais Straßen der Alltag zurück. Bis aber im zerbombten Taj-Hotel die Spuren des Terrors beseitigt sind, wird einige Zeit vergehen. Dessen Besitzer Ratan Tata kündigte bereits an, „jeden Zentimeter in alter Pracht wieder aufzubauen“.

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