Arabische Welt: Achse des Misstrauens

Arabische Welt: Achse des Misstrauens

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Hauptsache Spektakulär. Bauprojekt der Bin-Laden-Gruppe im Wallfahrtsort Mekka

von Hans Jakob Ginsburg

Zehn Jahre nach den Terroranschlägen belastet noch immer großes Misstrauen das Verhältnis zwischen dem Orient und dem Westen. Geschäfte lassen sich so nicht machen.

Ende August fallen zehn Soldaten im Gefecht mit al-Qaida-Kämpfern. Ein Aufständischer beklagt 26 Tote auf der eigenen Seite, rühmt aber die Hartnäckigkeit seiner Truppe, die der verhassten Regierung seit Monaten die Provinzhauptstadt Dschindschibar streitig macht.

Auch das ist arabische Wirklichkeit zehn Jahre nach den Anschlägen Osama Bin Ladens auf die USA. Nur ist der Kriegsschauplatz eine abgelegene Gegend im armen Bürgerkriegsland Jemen, wo die wilden Männer mit dem al-Qaida-Etikett lediglich eine von mehreren gegeneinander kämpfenden Formationen sind. Stark genug, ein schwaches Land zu terrorisieren und von dort gelegentlich Paketbomben in die Welt zu schicken. Aber viel zu schwach, um heute noch die Ereignisse in den Zentren der arabischen Welt von Tunis und Kairo bis Dschidda und Abu Dhabi zu beeinflussen. In Libyen und Syrien ist viel Blut geflossen. Im revolutionären Ägypten und in den unter der Oberfläche unruhigen Öl-Monarchien am Golf können die politischen und ökonomischen Konflikte jederzeit zu gewaltsamen Dramen führen. Aber mit Bin Ladens Idee vom Dschihad, dem Heiligen Krieg gegen innere und äußere Feinde des Islams, hat das wenig zu tun.

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Zufällige Ziele

„Die Dschihadisten des 21. Jahrhunderts“, sagt der Nahostexperte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, „sind in der Lage, groß dimensionierte Anschläge zu verüben, bei denen Hunderte, vielleicht sogar Tausende zu Tode kommen könnten. Damit sind sie in der Lage, Gesellschaften zu erschüttern und zu verändern, nicht aber die Existenz von Staaten zu gefährden.“ Noch nicht einmal die des Irak, wo seit der amerikanischen Invasion Dschihadisten mit Mordanschlägen erst das Chaos und dann den großen Glaubenskrieg herbeibomben wollen.

Die meisten Opfer des Dschihadismus sind Muslime, vor allem im Irak und in Pakistan oft Anhänger von Konfessionen, die den Terroristen verhasst sind, immer wieder aber auch völlig zufällige Ziele wie dieses Jahr zum Beispiel in Marokko und immer wieder im Jemen. Mit dieser Taktik haben sich die Terroristen auch unter sehr frommen und fanatischen Muslimen in der arabischen Welt isoliert. Es ist einfach unangenehm, von der Polizei im eigenen Land und erst recht von den Grenzbeamten in Europa und Amerika nur des Aussehens oder gar des Namens wegen kontrolliert und beschattet zu werden.

Unmittelbar nach Osama Bin Ladens Tod Anfang Mai bat die „New York Daily News“ einen Geschäftsreisenden aus Dubai um eine Stellungnahme. Der äußerte gegenüber dem amerikanischen Reporter natürlich Abscheu gegenüber den Terroristen, sagte dann aber etwas für manche New Yorker Leser Überraschendes: „Bin Laden hat uns die Rede- und Reisefreiheit weggenommen, wegen ihm sind wir verdächtig, zu Hause und vor allem im Ausland.“ Wer je nach 2001 die Grenzkontrolle an einem amerikanischen Flughafen passiert hat, weiß, wovon der Mann spricht. Die „Homeland security“ in den USA hat wahrscheinlich mehr als der Irakkrieg von 2003 das Image Amerikas in den muslimischen Ländern beschädigt – ein notwendiges Übel, um eine Wiederholung des 11. Septembers auszuschließen, aber doch ein Übel: Das Vertrauen zwischen Westen und Orient hat einen schwer heilbaren Riss bekommen. Kontrolle ist gut, aber Misstrauen schadet allen Beteiligten.

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