Arbeitsmarkt: Japans Jugend ohne Jobs

Arbeitsmarkt: Japans Jugend ohne Jobs

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Tokio

Trotz des Aufschwungs fehlen in Japan massenweise Jobs für die junge Generation. Viele Betriebe rekrutieren ihren Nachwuchs im Ausland - oder beschäftigten billige Rentner.

Es tanzten Cheerleader, als sich in der vergangenen Woche über 1000 Studenten in einem Park in Tokio versammelten – doch fröhlich war die Stimmung nicht. Die angehenden Akademiker protestierten gegen ihre schlechten Berufsperspektiven. Bei einer anderen Aktion waren Studenten jüngst mit Megafonen durch Tokios Verwaltungshochburg Shinjuku marschiert. „Stellt uns ein!“, lautete ihr Kampfruf, den sie vor den Firmenzentralen skandierten – pünktlich zum Feiertag der „Danksagung für geleistete Arbeit“ .

Wenn junge Japaner zu dieser westlichen Protestform greifen, liegt wirklich etwas im Argen. Das Klima auf dem Arbeitsmarkt ist für sie so frostig, dass das Wort von der „Super-Eiszeit“ die Runde macht. Im Dezember hatten nur knapp 69 Prozent der Studenten, die im kommenden März ihre Abschlussprüfung absolvieren, einen Arbeitsvertrag in der Tasche, so wenige wie noch nie. 2010 fand jeder fünfte Uni-Abgänger keinen Job. In diesem Jahr wird es noch schlimmer.

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"Verlorene Generation"

Erneut macht der Begriff der „verlorenen Generation“ die Runde. Schon nach dem Platzen der Aktien- und Immobilienblase Anfang der Neunzigerjahre konnten viele Absolventen keine Festanstellung ergattern. Sie landeten im Heer der „Freeter“, eine Wortschöpfung aus „frei“ und „Arbeiter“, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten.

Auf dem Papier steht der Arbeitsmarkt zwar gar nicht so schlecht dar. Unter den OECD-Ländern haben nur die Niederlande, Luxemburg und Österreich eine niedrigere Arbeitslosenrate. Doch mit 4,9 Prozent bewegt sie sich in Japan nahe dem Nachkriegshoch von 5,7 Prozent, das im Juli erreicht wurde. Die Jugendarbeitslosigkeit lag 2010 im Schnitt bei 9,4 Prozent, der Anteil der Langzeitarbeitslosen kletterte auf 40 Prozent.

Dabei ist die Wirtschaft 2010 um stolze 3,9 Prozent gewachsen. Nach einem schlechten Schlussquartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Monaten 2011 wieder deutlich zulegen. Viele Exportfirmen profitieren vom Boom im Nachbarland China; ihre Gewinne dürften sich 2011 dem Rekordniveau vor der Finanzkrise nähern. Doch von einem Job-Wunder wie in Deutschland keine Spur: „In Deutschland haben sich jahrelange Lohnzurückhaltung und die Hartz-Reformen ausgewirkt“, sagt Jesper Koll, Chefanalyst von JP Morgan in Tokio. In Japan jedoch seien die Wachstumsbereiche der Wirtschaft überreguliert. Im Gesundheitssektor etwa fehlen zwar Altenpfleger und Krankenschwestern, doch wehren sich Berufsverbände gegen eine Senkung der Zugangshürden.

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