Argentinien: Staatsbankrott? Ja, bitte!

KommentarArgentinien: Staatsbankrott? Ja, bitte!

Bild vergrößern

Fußballerisch ist Argentinien in Jubelstimmung - wirtschaftlich eher nicht.

von Malte Fischer

Auch wenn wirtschaftlich nichts mehr geht, einen Bankrott versuchen Regierungen immer zu vermeiden. Warum eine Staatspleite gut sein kann – nicht nur für Argentinien, sondern auch für andere Länder.

Die Fußballkicker aus Argentinien zählen zweifelsohne zur Weltspitze. Von der Wirtschaft des lateinamerikanischen Landes lässt sich das hingegen nicht behaupten. Argentinien, das Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu den reichsten Ländern der Welt zählte, hat viele politische und wirtschaftliche Krisen hinter sich und ist von der ersten in die dritte Liga der Weltwirtschaft abgestiegen. Jetzt steht das Land erneut mit dem Rücken zur Wand. Der Grund: Ein New Yorker Gericht hat Argentinien zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar an US-Hedgefonds verpflichtet.

Diese hatten nach dem Staatsbankrott Argentiniens 2001 zu Billigkursen Anleihen des Landes erworben und sich geweigert, den von Buenos Aires verlangten Forderungsverzicht von 70 Prozent hinzunehmen. Stattdessen verklagten sie Argentinien auf vollständige Tilgung der Bonds. Mit Erfolg. Nun muss das Land zunächst die Ansprüche der Hedgefonds bedienen, bevor es seinen Verpflichtungen gegenüber den anderen Gläubigern nachkommen kann, die das Umschuldungsangebot angenommen hatten. Das ist teuer und könnte Argentinien rund die Hälfte seiner Devisenreserven kosten. Bis Ende Juli hat Buenos Aires Zeit, sich mit den Hedgefonds zu einigen. Andernfalls muss es seinen Schuldendienst einstellen und Bankrott anmelden.

Anzeige

Außenminister-Treffen Schlinge um Argentinien zieht sich zu

Argentinien setzt im Streit mit den US-Hedgefonds auf eine Doppelstrategie. Einerseits erklärt sich das Land verhandlungsbereit. Andererseits will es eine internationale Debatte zur Regulierung staatlicher Umschuldungen.

Argentinien setzt auf Verhandlungen mit Hedgefonds. Quelle: dpa

Diesen Weg aber will Argentiniens Staatspräsidentin Cristina Kirchner um jeden Preis vermeiden. Denn er versperrte der Regierung auf Jahre den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Dabei wäre genau dies gut für Argentinien. Nachdem das Land im Gefolge der scharfen Abwertung seiner Währung 2002 mehrere Jahre Überschüsse im Außenhandel erwirtschaftet hat, ist die Leistungsbilanz wieder in die roten Zahlen gerutscht. Auch im Staatshaushalt klaffen große Löcher, nachdem dieser von 2003 bis 2010 Überschüsse ausgewiesen hatte.

weitere Artikel

Was würde bei einer Staatspleite passieren? Ohne Zugang zum Kreditautomaten des internationalen Kapitalmarktes müsste Argentinien den Gürtel deutlich enger schnallen. Importe auf Pump wären dann nicht mehr möglich, Defizite im Staatshaushalt ohne das Betätigen der Notenpresse nur noch im Umfang der inländischen Ersparnis denkbar. Genau so aber lässt sich die notorische Schuldensucht des Landes therapieren. Daher sollte Buenos Aires ruhig seine Zahlungen an alle Gläubiger einstellen – und Bankrott anmelden.

Dieser ist auch aus moralischen Gründen zu empfehlen. Anders als private Schuldner begleicht der Staat seine Außenstände nicht mit am Markt erwirtschafteten Einkommen, sondern mit immer neuen Schulden und/oder höheren Steuern. Ein Staatsbankrott Argentiniens zwänge das Land daher nicht nur zu einer gesunden Frugalität, sondern schützte die Bürger zudem vor dem gierigen fiskalischen Zugriff der Regierung und ihrer Gläubiger.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%