Asien: Südkorea gibt sich auf der Hannover-Messe krisenresistent

Asien: Südkorea gibt sich auf der Hannover-Messe krisenresistent

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Wirtschaftszentrum Seoul: Bargeld-Kupons vom Staat sollen Arbeitsplätze sichern

Südkorea will sich auf der gerade eröffneten Hannover-Messe als zukunftsträchtiges Partnerland präsentieren – und als ungebrochen dynamische Exportnation. Das Schlimmste hat das Land hinter sich. Eine Entwicklung finden Koreaner aber unerfreulich.

Wie eine Ballerina tanzt die junge Dame vor der schwarzen Limousine von Herrn Yoo herum. Sie dirigiert den schweren Hyundai grazil ins Parkhaus des Seouler Warenhauses Lotte und verbeugt sich so tief, dass ihr rosa Hütchen fast den Boden berührt. Und zwitschert, es tue ihr leid um die kostbare Zeit, die der hochverehrte Kunde in der Warteschlange verschwenden musste. Yoo Jae-Wook, Chef der Unternehmensberatung Nemo Partners, sieht in der Einpark-Show ein gutes Zeichen: „Jeden Tag der gleiche Andrang. Offiziell haben wir Krise, aber alle gehen einkaufen!“

Südkorea, dieses Jahr offizielles Partnerland auf der Hannover-Messe, will sich der Welt als Hort der Stabilität inmitten der globalen Krise präsentieren. Das ist aber nicht nur Außenwerbung, sondern entspricht ganz der Stimmung im Land selbst. Die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens durchlebt den globalen Schock gelassen und unaufgeregt. Ganz anders als bei der Asienkrise 1997/98, als manche Koreaner sogar ihren Goldschmuck zur Stützung der Volkswirtschaft spendeten. „An ihrer Lebensqualität machen die Seouler keine Abstriche“, konstatiert Kim Nan-Do von der Nationaluniversität in Seoul. Die Koreaner, meint der örtliche Siemens-Chef Josef Meilinger, verstünden die globale Krise als Chance: „Sie schauen, welche Anteile am Weltkuchen sie sich jetzt schnappen können.“

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Krise? Welche Krise?

Welche Krise überhaupt? Die Koreaner kommen nach Hannover voller Selbstvertrauen: „Unsere Wirtschaft wird die globale Krise schneller überwinden als andere Länder“, sagt Cho Hwan-Eik, Präsident der Handelsförderungsgesellschaft Kotra, „wir haben leistungsstarke Produkte, ausgefeilte Marktstrategien und Unternehmen wie Regierung müssen vergleichsweise geringe Schulden mitschleppen.“ Tatsächlich steht Südkorea mit staatlichen Verbindlichkeiten in Höhe von 38,5 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes viel besser da als zum Beispiel Japan mit fast 185 Prozent. Das Land hat die Rezession vor gut einem Jahrzehnt überwunden und ist gegen die neuen Probleme teilweise immunisiert – meinen zumindest viele Koreaner. „Die Asienkrise hat uns offenbar gut trainiert, wir haben überleben gelernt“, sagt Unternehmensberater Yoo.

In den Bereichen Informationstechnologie, Elektronik, Schiffbau und Autoindustrie drängen südkoreanische Unternehmen in die Weltspitze, neuerdings auch im Umweltschutz. Hinzu kommt: Das Bankensystem ist einigermaßen stabil. „Im Vergleich zur großen Asienkrise vor einem Jahrzehnt ist unser Banken- und Finanzsystem heute weniger störanfällig“, glaubt Yi Jong-Goo von der staatlichen Finanzaufsicht FSC. Damals standen viele überschuldete koreanische Konglomerate vor dem Bankrott, mussten die Autohersteller Daewoo und KIA, der Stahlproduzent Hanbo sowie mehrere Banken in die Insolvenz gehen oder ihre Selbstständigkeit aufgeben. Heute dagegen sei die Liquidität der 44 koreanischen Großkonzerne „so hoch, dass diese Unternehmen auch weitere Krisenmonate überleben sollten“, sagt Yi.

Gedämpfterer Optimismus in den Vorstandsetagen

Beruhigend sei auch, so Yi, dass die koreanischen Banken im Durchschnitt weniger als ein Prozent ihres Kreditportfolios als „toxisch“ betrachten – sie haben kaum in komplizierte Derivate investiert. Entsprechend sei die Finanzstruktur derzeit viel gesünder als in Europa oder den USA.

In den Vorstandsetagen der exportabhängigen Konzerne klingt der landestypische Optimismus etwas gedämpfter. 2008 betrug der Exportanteil der Volkswirtschaft etwa 55 Prozent, jetzt drohen angesichts der Krise des Welthandels empfindliche Rückschläge. „Bisher hat uns die rasante Abwertung des Won noch über Wasser gehalten“, sagt Ko Yung-Sang von der Standard Chartered Bank in Seoul. Gegenüber dem Dollar sank der Wechselkurs der koreanischen Währung in den vergangenen zwölf Monaten um fast 30 Prozent. So verlor Koreas größter Autohersteller Hyundai/KIA in den USA nur weniger als ein Zehntel seines Umsatzes, obwohl der Gesamtmarkt dort um 40 Prozent einbrach.

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