Nordkorea droht mit Angriff auf US-Insel Guam

Atom-Konflikt: Trump droht Nordkorea mit „Feuer, Wut und Macht“

, aktualisiert 09. August 2017, 13:48 Uhr
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US-Präsident Trump stellt Nordkorea Feuer und Zorn in Aussicht

Mit ihrem Schlagabtausch fachen Washington und Pjöngjang den Konflikt weiter an. Erst droht Trump indirekt mit militärischer Gewalt. Nordkorea reagiert prompt mit der Androhung eines Raketenangriffs auf die Insel Guam.

Nordkoreas Militär hat den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam gedroht und damit einen der gefährlichsten Konflikte der Welt weiter angeheizt. Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke „ernsthaft in Erwägung“, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Zuvor hatten Berichte über große Fortschritte des kommunistischen Staats bei seinem Atom- und Raketenprogramm das Ausland beunruhigt. Südkorea will sein Militär nun umfassend reformieren - und schlagkräftiger machen. US-Außenminister Rex Tillerson hat derweil moderatere Töne angeschlagen. Er glaube nicht, dass von dem Staat eine unmittelbare Bedrohung ausgehe, sagte er am Mittwoch vor seiner Ankunft auf der US-Pazifikinsel Guam vor Reportern.

Guam

  • Politische Bedeutung

    Guam ist völkerrechtlich gesehen seit 1946 ein amerikanisches Hoheitsgebiet ohne Selbstverwaltung, das heisst, die Insel gilt zwar als amerikanische Territorium, wird aber autonom verwaltet. Kritische Stimmen sagen bis heute, es sei eine amerikanische Kolonie, da die Amerikaner die Insel 1898 eroberten.

  • Militärische Bedeutung

    Auf rund einem Viertel der Inselfläche sind amerikanische Militärbasen. Im Süden liegen vier Atom-U-Boote der amerikanischen Marine. Im Norden befindet sich ein Luftwaffenstützpunkt, wo neben Helikoptern auch Bomber, so etwa sechs vom Typ B52 stationiert sind. Auf der Insel ist außerdem das als THAAD bekannte US-Raketenabwehrsystem stationiert, das auch in Südkorea installiert wurde. Rund 6000 Angehörige der amerikanischen Armee sind auf Guan, damit ist das amerikanische Militär neben dem Tourismus die größte Einnahmequelle.

  • Lage

    Guam ist eine Insel im Westpazifik. Das US-Außengebiet liegt rund 3400 Kilometer von der Koreanischen Halbinsel entfernt. Bis nach Hawaii sind es 6300 Kilometer und 2000 Kilometer bis zur philippinischen Insel Mindanao. Sie gehört zu der Gruppe der Marianen, deren insgesamt 17 Inseln zu Mikronesien gehören.

  • Einwohner

    Auf der Pazifik-Insel Guam leben rund 163 000 Menschen, die allerdings gelassen bleiben. Bereits vor einigen Jahren hatte Nordkorea eine ähnliche Drohung ausgestoßen. Damals habe man darüber gelacht: „Aber ich habe darüber gelacht, weil ich dachte, dass kühle Köpfe in Washington sich durchsetzen würden, es war nur eine leere Drohung“, sagt einer der Einwohner. „Meine Sorge ist, dass sich Dinge in Washington geändert haben und wer weiß, was passieren wird?“

Laut einem Sprecher der nordkoreanischen Armee könne der Plan zum Angriff auf Guam „jederzeit“ ausgeführt werden, sobald Staatschef Kim Jong Un die Entscheidung dazu treffe. Die USA sollten ihre „rücksichtslosen militärischen Provokationen“ unterlassen, sodass man nicht „gezwungen“ sei, eine „unvermeidliche militärische Entscheidung“ zu treffen, sagte ein Armeesprecher laut KCNA.

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Die Stellungnahme aus Pjöngjang kam nur wenige Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump Nordkorea indirekt militärische Gewalt angedroht hatte. Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen „begegnet mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“, sagte Trump am Dienstag.

Die von KCNA zitierten nordkoreanischen Drohungen nehmen direkt Bezug auf die US-Luftwaffenbasis Anderson auf Guam, von der die Vereinigten Staaten immer wieder strategische Bomber des Typs B-1 zu Militärmanövern in Richtung koreanische Halbinsel entsendet haben. Erwogen wird demnach ein Angriff mit ballistischen Raketen des Typs Hwasong-12, um die US-Streitkräfte auf Guam und ihre dort stationierten Bomber in Schach zu halten - schließlich sei die Insel der potenzielle „Ausgangspunkt für eine Invasion in Nordkorea“.

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Kim Jong Un Quelle: AP

Pjöngjang rechtfertigte dies mit einer Mobilisierung des US-Atomwaffenarsenals sowie jüngsten US-Raketentests und Übungen mit Langstreckenbombern über Südkorea. „Solche Militärmanöver der USA könnten in der momentan extrem heiklen Situation auf der koreanischen Halbinsel einen gefährlichen Konflikt provozieren“, hieß es.

Nordkorea habe für die Entwicklung seiner strategischen Waffen „alles riskiert“ und nutze sie „weder als Faustpfand, um Anerkennung von Dritten zu bekommen, noch für irgendeinen Tauschhandel“. Vielmehr seien sie „ein wichtiges militärisches Mittel, um entschlossen den politischen und wirtschaftlichen Druck der USA sowie ihre militärischen Drohungen zu kontern“. Die Frage sei, „ob nur die USA die Option eines von ihnen so genannten „Präventivkriegs“ haben“.

In einer weiteren Stellungnahme kündigte ein nordkoreanischer Militärsprecher laut KCNA an, auf einen möglichen „Präventivkrieg“ der US-Streitkräfte mit einem „grenzenlosen Krieg“ zu reagieren, der „sämtliche Stützpunkte des Gegners ausrotten wird, auch auf dem US-Festland“.

Die Bundesregierung hat von den USA und Nordkorea Mäßigung verlangt. „Die Lage ist wirklich ernst. Ein weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen“, sagte der Sprecher von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), Martin Schäfer, am Mittwoch in Berlin. Ein militärischer Weg könne in dem Konflikt keine Lösung bringen. „Wir rufen deshalb alle Beteiligten zur Mäßigung auf.“ Gemeinsam müssten die diplomatischen Bemühungen fortgesetzt werden. „Nur so kann die Bedrohung durch das völkerrechtswidrige nordkoreanische Atomprogramm eingedämmt werden.“

Die Bundesregierung rief dazu auf, die kürzlich vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) mit Zustimmung Chinas verschärften Sanktionen gegen Nordkorea konsequent umzusetzen. „So können wir den Druck erhöhen, um Pjöngjang zu Gesprächen zu bewegen.“ Aus diesem Grund sei auch das Gesprächsangebot von US-Außenminister Rex Tillerson der richtige Weg, Gespräche mit Nordkorea zu beginnen, sobald das Regime dort auf seine völkerrechtswidrigen Raketentests verzichte, sagte Schäfer.

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Inzwischen ist Nordkorea nach Erkenntnissen der USA und Japans in der Lage, Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken - auch Interkontinentalraketen. Wie die „Washington Post“ am Dienstag unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtete, habe Nordkorea nach Einschätzung des Geheimdienstes DIA (Defence Intelligence Agency) bei seinem Atom- und Raketenprogramm viel schnellere Fortschritte gemacht als bisher angenommen. Nordkorea habe einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur vollwertigen Atommacht getan, berichtete die Zeitung. Ein in Tokio veröffentlichtes Weißbuch des japanischen Verteidigungsministeriums kommt zu dem gleichen Schluss.

Der Konflikt mit dem kommunistisch regierten Land gilt als der derzeit gefährlichste der Welt. Japan und Südkorea sind Verbündete der USA, dem Erzfeind der Führung in Pjöngjang. Beide Länder fühlen sich durch das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas zunehmend bedroht.

In Seoul hat das konkrete Folgen: Unter dem Eindruck der Gefahr aus dem Norden rief Südkoreas Präsident Moon Jae zu einer tiefgreifenden Reform der eigenen Streitkräfte auf. „Ich glaube, wir brauchen eine vollständige Verteidigungsreform im Sinne einer Wiedergeburt, anstatt nur einige Modifizierungen oder Verbesserungen durchzuführen“, sagte Moon am Mittwoch laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap bei einer Besprechung mit sechs Spitzenbefehlshabern seines Militärs. Demnach will Südkorea unter anderem Raketen mit höherer Sprengkraft anschaffen, um unterirdische Bunker zerstören zu können.

Trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

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