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Aufschwung: Das Comeback der USA

von Heike Buchter Quelle: Zeit Online

Das Ende der USA als Weltmacht war bereits eingeläutet. Doch nun gibt es in dem krisengeschüttelten Land wieder Hoffnung. Fernab der Ballungszentren entstehen Ideen und neue Jobs.

Kentucky Derby Quelle: dpa
Louisville war lange Zeit nur für sein Kentucky Derby bekannt. Jetzt will es sich zur Provinzmetropole mausern. Quelle: dpa

Louisville im Bundesstaat Kentucky, 740 000 Einwohner. Kräne hieven Stahl, Arbeiter gießen Beton. Mit aufkrempelten Hemdsärmeln und rotem Helm steht John Reinhart vor seiner Baustelle. Mitten im Stadtzentrum entsteht hier ein riesiges Entwicklungs-, Verkaufs- und Beratungszentrum rings um das Altern und die Pflege alter Menschen. Reinhart hat sich das mit ausgedacht. Innovationen für Senioren sollen von Louisville aus ins Land und in die ganze Welt getragen werden.

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Nach Technologieboom eingerostet

Der 46-jährige Unternehmer wittert einen Milliardenmarkt. "Bisher geht es in der Altenversorgung nur um die Erfüllung von Mindeststandards wie Essen, Trinken und medizinische Betreuung", sagt er. "Doch die Babyboomer, die jetzt millionenfach in den Ruhestand gehen, sind daran gewöhnt, Annehmlichkeiten und Wahlmöglichkeiten zu haben". Aus Louisville, sagt Reinhart, könnten sie diese bald bekommen, von sturzfreundlich-weichem Fußbodenbelag über Designer-Gehstöcke bis hin zu einem Bewegungstrainer mit Harley-Davidson-Fahrgefühl.

Der Schuldenberg der USA wächst und wächst. Inzwischen ist die 15-Billionen-Dollar-Marke locker geknackt. Mit rund einem Drittel der Summe steht Washington im Ausland in der Schuld. Staaten und Investoren aus aller Welt halten US-Staatsanleihen im Wert von mehr als fünf Billionen US-Dollar.

Dem südlichen Nachbar der USA, Mexiko, schuldete die größte Volkswirtschaft der Welt im Januar 2012 nach Angaben des US-Finanzministeriums 29,1 Milliarden US-Dollar. Innerhalb von zwölf Monaten haben die Mexikaner ihren Besitz an US-Schuldscheinen aber abgebaut: Vor einem Jahr hatte Mexiko noch US-Anleihen im Wert von 34,5 Milliarden US-Dollar im Portfolio.

Quelle: dpa/dpaweb

Ein einsamer Spinner ist Reinhart nicht. Stadtverwaltung und Universität haben ebenfalls den kühnen Plan gefasst, Louisville in den kommenden Jahren zu dem Weltzentrum für Produkte rund ums Altern zu machen. Mit der Idee liegt die Provinzmetropole, die lange nur mit Bourbon und dem Kentucky Derby punkten konnten, zur Abwechslung mal so richtig im Trend. Neue Innovationszentren fernab vom Silicon Valley, von Chicago oder von New York gelten als große Hoffnung Amerikas. Früher überwanden die USA schwere Krisen, weil kreative und unternehmerische Köpfe – nicht selten Einwanderer - überraschend ein paar völlig neue Produkte oder Geschäftsmodelle erfanden und damit die Wirtschaft des ganzen Landes nach vorn katapultierten. Doch seit dem Technologieboom, der in den späten neunziger Jahren an der Westküste begann, ist wenig Neues nachgekommen.

Schuldenspirale abwärts

Besonders misslich ist das für die amerikanische Mittelschicht. Sie war lange das Fundament für Wachstum und Wohlstand, aber mit dem Abschied der Massenfertigung nach Asien sind ihre Chancen geschwunden, den amerikanischen Traum zu leben. In den siebziger und achtziger Jahren, als die traditionelle Industrie noch blühte, finanzierte schon ein einfacher Fabrikjob ein eigenes Haus, eine gute Ausbildung für die Kinder und eine sichere Existenz im Alter. Aber so funktioniert das nicht mehr. Zuletzt hatten sich viele Amerikaner sogar überschuldet, um ihren Status zu halten, aber seit der Schulden- und Finanzkrise ist auch dieser Weg versperrt.

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