Auftritt in Berlin: Chodorkowski wird Putin nicht gefährlich

Auftritt in Berlin: Chodorkowski wird Putin nicht gefährlich

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Der Kremlkritiker Michail Chodorkowski bei einer Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums in Berlin

von Florian Willershausen

Im Westen wimmelt es von Putin-Kritikern, die sich den Ex-Oligarchen als Herausforderer für den Kremlchef wünschen. Doch der will nicht in die Politik – und erteilte den Träumern in Berlin eine Absage .

Auch neun Monate nach seiner Entlassung aus zehnjähriger russischer Lagerhaft ist Ex-Oligarch Michail Chodorkowski nicht zu einem kämpferischen Nelson Mandela mutiert. Leicht gebeugt sitzt er auf einer Bühne im altmodischen Sendesaal des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Er redet, als habe er den Plot von Sten Nadolnys Besteller „Die Entdeckung der Langsamkeit“ verinnerlicht: Erst nach sekundenlangen Pausen formuliert er wohlfeile Kritik am herrschenden „System Putin“. Verbalattacken verkneift er sich ebenso wie Anekdoten aus seiner Zeit als erfolgreicher Manager.

Nein, so sieht kein Politiker aus, der Russlands allmächtigen Präsidenten Wladimir Putin eines Tages herausfordern könnte. Genau dies ist eines der großen Missverständnisse im Westen: Manch ein Demokratie-Missionar sehnt sich nach einer Symbolfigur, der dem zunehmend autoritären Putin die Stirn bieten könnte, einem wahrhaftigen Helden, der das Riesenland im Osten endlich in den Hafen von Demokratie und Marktwirtschaft führen könnte. Zwar will er mit seiner wiederbelebten Stiftung „Offenes Russland“ die europäischen Werten zugewandten Teilen der russischen Zivilgesellschaft unterstützen, Werte wie Rechtsstaatlichkeit und freien Wahlen fördern – „mehr aber erst einmal nicht“.

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Michail Chodorkowski "Das Putin-Regime hat Angst"

Völlig überraschend hat Kremlchef Wladimir Putin die Begnadigung seines seit zehn Jahren inhaftierten Gegners Michail Chodorkowski angekündigt. Noch vor wenigen Tage wagte Chodorkowski nicht, darauf zu hoffen.

Michail Chodorkowski Quelle: dpa

Hierzulande hat Chodorkowski viele Freunde, auch beim einladenden Deutsch-Russischen Forum. Gebeugt, aber nicht gebrochen kehrt er nach zehn Jahren Haft auf die Bühne zurück. Der Flüsterer mit randloser Brille ist klug wie bedächtig, ein Muster-Europäer im Schweizer Exil. Doch der 51-Jährige sieht sich nicht als Politiker – und erteilte in Berlin dem westlichen Wunschdenken eine Absage.

„Ich habe weder den persönlichen Wunsch noch die juristische Möglichkeit, an den Parlamentswahlen 2016 teilzunehmen“, sagte Chodorkowski. Zumal die Wahlen sowieso vom Putin-Regime „kontrolliert“ werden würden. Auch innerhalb des Systems werde er nicht bei Präsidentschaftswahlen gegen Putin antreten. Allenfalls stünde er zur Verfügung, wenn er nach einem Kollaps des autoritären Putin-Regimes beim Aufbau von Demokratie und „Diktatur des Gesetzes“ gebraucht werde.

So populär Chodorkowski im Westen ist, so verhasst ist er in Russland. Unter der einfachen Bevölkerung dort gilt er wie andere Oligarchen als größenwahnsinniger und dekadenter Raffke. Als solcher wäre er für die meisten Menschen nie und nimmer wählbar. Gleichwohl ist der überaus intelligente Ex-Chef des zerschlagenen Ölriesen Yukos ein scharfer Analytiker, der die Schwächen von Putins Russlands nüchtern und treffend benennt.

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Gut steht es demnach nicht um die Zukunft seiner Heimat. Trotz hoher Ölpreise steige die Wirtschaftskraft kaum mehr. Die Korruption sei wie eine informelle Steuer, die bis zu 20 Prozent der Gewinne auffresse. Kremlchef Wladimir Putin sei auf der Suche nach Popularität von seinem ursprünglichen Liberalismus abgerückt und ordne jetzt sogar die Wirtschaftspolitik seiner Außenpolitik unter. Angesichts von schwächelnder Wirtschaftskraft, Korruption und ausgreifendem Autoritarismus sei es „äußerst unwahrscheinlich, dass das Putin-Regime ohne eine große Krise“ ende. Und hierbei werde „zu meinem großen Bedauern noch viel Blut fließen“.

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