Aus der weiten Welt: „Der Islam ist die Lösung“

Aus der weiten Welt: Was die islamische Woge antreibt

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Junge Männer in der freien syrischen Armee Quelle: dapd
In vielen islamistischen Ländern ist der Anteil junger Leute sehr hoch. Das könnte ein Grund für die hohe Bereitschaft für Terrorismus und Proteste sein Quelle: dapd

„Der Islam ist die Lösung“

Aus dem Blickwinkel der Araber sieht das ganz anders aus: Unsere einstigen Verbündeten, die gestürzten säkularen Regierungen in Kairo und Tunis, waren für die Bevölkerung Inbegriff von Diktatur, Vetternwirtschaft und Korruption. Anstatt den Menschen zu einem Leben in Würde und Sicherheit zu verhelfen, nahmen unter ihnen Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Ungleichheit zu, die Mittelschicht verarmte.

Die islamistischen Parteien vertreten demgegenüber die Vision einer gerechten Gesellschaft, die den Armen und den Reichen zugleich eine Perspektive bietet. Der Islam verspricht nicht nur spirituelle Erlösung für das Jenseits, sondern verkörpert auch einen Lebensentwurf für das Diesseits, konservative Familienwerte und Mildtätigkeit. In den Unsicherheiten der modernen Gesellschaft suchen die Menschen bei den islamischen Gruppierungen Geborgenheit vor den Herausforderungen der Globalisierung.

In unseren westlichen Ohren mag es sich anachronistisch anhören, wenn Demonstranten in Kairo mit der Losung „Der Islam ist die Lösung“ auf die Straße gehen. Doch für die Ägypter klingt das überhaupt nicht realitätsfremd. Da, wo der säkulare ägyptische Staat versagte, im Bildungs- und Gesundheitswesen beispielsweise, sprangen die Muslimbrüder mit eigenen sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern und Schulen ein und schufen so ein eingespieltes Netzwerk.

Die islamistischen Parteien haben viel Erfahrung, sie sind die ältesten etablierten politischen Gruppierungen im Nahen Osten. Zwar wurden sie wie andere Parteien auch von den autokratischen Regimes verboten und verfolgt. Dass sie im Untergrund überleben konnten, haben sie dem Islam zu verdanken. Denn im Unterschied zu den anderen Oppositionsgruppen hatten sie immer noch die Moschee als Versammlungsort.

Aufstieg und Niedergang des Islam

Doch um den hartnäckigen Charakter der antiwestlichen Ressentiments und die tiefe Verankerung der islamistischen Bewegungen in der arabischen Welt zu verstehen, muss man ein wenig in die Geschichte eindringen.

Es ist die Geschichte des Kampfes zwischen Christentum und Islam. Wobei Islam von vorneherein mehr bedeutete als Religion. Mohammed war nicht nur Religionsstifter, sondern auch militärischer Feldherr, Staatsmann und Begründer eines Großreiches.

Der Islam teilt mit dem Christentum, anders als das Judentum, die Pflicht zur Missionierung, auch durch militärische Eroberung. Für jeden Muslim ist deshalb der Dschihad Pflicht. Mohammed und seine Nachfolger haben es vorexerziert. Ausgehend von den arabischen Oasen Mekka und Medina unterwarfen sie die damals christlichen Gebiete Kleinasiens und Nordafrikas schrittweise der muslimischen Herrschaft.

Der Islam erlebte in den folgenden Jahrhunderten seine Hochblüte. Im Mittelalter, nach dem Zerfall der antiken Zivilisationen Griechenlands und Roms „war der Islam die führende Zivilisation der Welt“, schrieb der renommierte Islamexperte Bernard Lewis schon 2003 in seinem Buch „Die Wut der arabischen Welt“. Und weiter: „Das islamische Reich war das reichste, mächtigste, kreativste und aufgeklärteste Reich der Welt und hielt die Christenheit fast das ganze Mittelalter hindurch in der Defensive.“

Doch dann setzte ein gradueller Niedergang der islamischen Welt ein. Sie erstarrte intellektuell, während umgekehrt Europa einen Modernisierungsschub erlebte und islamistische Eroberungen in Spanien und auf dem Balkan zurückeroberte. Im 19. Jahrhundert fielen Frankreich und England über Nordafrika und Kleinasien her und errichteten dort Kolonien. Unter dem Ansturm der französischen und englischen Streitkräfte zerfiel 1918 mit dem osmanischen Sultanat das letzte große islamische Imperium, und große Teile der arabischen Halbinsel wurden unter französisches und britisches Protektorat gestellt.

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