kolumneAus der weiten Welt: Der wahre Wohlstand der Nationen

08. Juli 2012
Kolumne von Klaus Methfessel

Bis 2030 wird China die USA wirtschaftlich überholen, heißt es allenthalben. Dies gilt allerdings nur beim Vergleich des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das die Wirtschaftskraft einer Nation nur unvollständig erfasst. Jetzt haben Wissenschaftler im Auftrag der Uno eine neue Kennziffer vorgelegt. Und danach sieht die Welt etwas anders aus.

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Erdölproduktion in Russland Quelle: REUTERSBild vergrößern
Erdölproduktion in Russland. Bei natürlichen Ressourcen ist das Land gut aufgestellt Quelle: REUTERS

Russland hat die meisten natürlichen Ressourcen

(in Billionen Dollar)

1

Russland

6,9

2

USA

6,6

3

China

5,0

4

Kanada

3,5

5

Saudi Arabien

2,7

6

Australien

1,8

Schon 1776 veröffentlichte Adam Smith sein Buch „Der Wohlstand der Nationen“, in dem er auch der Frage nachging, warum manche Nationen reich und andere arm sind. Doch lange Zeit wusste man nicht, wie man den Wohlstand einer Nation messen sollte. Heute verwenden wir gewöhnlich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Indikator für den Reichtum eines Landes – weil es bislang keine bessere Kennzahl gibt. Doch in Wirklichkeit spiegelt das BIP nur unvollkommen den Wohlstand einer Nation wider.

Neuer umfassender Wohlstandsindikator

Jetzt haben Wissenschaftler im Auftrag der Vereinten Nationen eine neue Studie („Inclusive Wealth Report 2012“) vorgelegt, die die bisherige Wohlstandsbetrachtung revolutionieren könnte. Darin erfassen sie das Wohlergehen einer Nation mit einer einzigen Kennzahl, indem sie die drei Quellen des Volksvermögens quantitativ erfassen und aggregieren: Qualität der Arbeitskräfte (Humankapital), Infrastruktur und Produktionsapparat (Physisches oder Produziertes Kapital) und natürliche Ressourcen wie Bodenschätze, Land und Fischgründe (Naturalkapital).

Indem sie diese Größen für einen längeren Zeitraum (1990 bis 2008) ermitteln, können sie daraus nicht nur ableiten, welche Nation die reichste ist und wie sich der Reichtum zusammensetzt, sondern auch wie nachhaltig das Wirtschaften eines Landes ist – das ist das eigentliche Ziel des UN-Reports. Denn sie können so ermitteln, ob und in welchem Tempo das produktive Kapital eines Landes wächst oder aber ob es erodiert.

Zwar haben die Wissenschaftler bisher nur 20 Nationen untersucht, doch sind die wichtigen Player der Weltwirtschaft in der Studie vertreten.

RangLandIWI Gesamt*

IWI Wachstum**

IWI Wachstum/Kopf**
1USA117,81,70,7
2Japan55,11,10,9
3China20,02,92,1
4Deutschland19,52,11,8
5Großbritannien13,41,30,9
6Frankreich13,02,01,4
7Kanada11,11,40,4
8Russland10,3-0,5-0,3
9Brasilien7,42,30,9
10Indien6,22,70,9
11Australien6,11,40,1
12Saudi Arabien4,91,6-1,1
* Inclusive Wealth Index (Gesamtvermögen) in Billionen US-Dollar (konstant 2000)
** durchschnittlich jährlich zwischen 1990 und 2008 in Prozent

China nur auf Platz drei, knapp vor Deutschland

Nicht überraschend ist, dass die USA - wie schon beim Bruttoinlandsprodukt - das Ranking der reichsten Nationen anführen. Die Wissenschaftler ermittelten für sie ein Gesamtkapital von fast 118 Billionen Dollar (gemessen in Preisen von 2010). Das ist etwa zehnmal so viel wie das BIP, das die USA in diesem Jahr erwirtschaften.

Doch dann kommt schon die große Überraschung. An zweiter Stelle folgt nicht China wie in der BIP-Rangliste, sondern Japan, das eine etwa halb so große Wirtschaftskraft wie die USA auf die Beine bringt. Nippon war 2008 beim umfassenden Wohlstandsindex noch fast 2,8-mal so reich wie China, das ein wirtschaftliches Gewicht von 20 Billionen Dollar auf die Waage bringt.

Deshalb dürften die Chinesen noch einige Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, brauchen, bis sie zu Japan aufschließen. Und noch viel mehr Zeit werden sie brauchen, bis sie mit den sechsmal reicheren USA gleichziehen. Beim BIP dagegen ist China schon jetzt etwa halb so groß wie die USA.

Deutschland folgt an vierter Stelle unmittelbar hinter China mit einem Wohlstand von 19,5 Billionen Dollar. 2007 lag Deutschland in der Tabelle noch knapp vor China.

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