Die Binnenwirtschaft soll gestärkt werden.

Danach lag der Tiefpunkt der Konjunktur im ersten Quartal 2012, als das BIP nur um 1,5 gegenüber dem vierten Quartal 2011 stieg. Schon im vierten Quartal 2011 hatte das Wachstumstempo stark nachgelassen. Der Zuwachs von 2,2 Prozent im dritten Quartal 2012 ist der höchste der vergangenen zwölf Monate. Das signalisiert, dass die Wirtschaft inzwischen das Tempo erheblich gesteigert hat.
Interessant übrigens: In den USA ist diese Art der konjunkturellen Betrachtung üblich. Dort werden die Quartalswerte sogar annualisiert, also auf das Gesamtjahr hochgerechnet. Angewandt auf die chinesischen Verhältnisse heißt das: Wenn die Wirtschaft im gesamten Jahr so wächst wie jetzt im dritten Quartal, würde das BIP mit einer Rate von knapp neun Prozent zulegen – ein ordentlicher Zuwachs gegenüber den annualisiert sechs Prozent vom ersten Quartal.
China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro
Gegenseitige Abhängigkeit
China und Europa sind voneinander abhängig. Das Reich der Mitte wird in diesem Jahr zum größten Exportmarkt der Europäer aufsteigen und damit die USA überholen. Umgekehrt ist die Europäische Union der größte Abnehmer chinesischer Ausfuhren. Beide Seiten handeln jeden Tag mit Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.
Ausfuhren gestiegen
Nach einem Zuwachs von 37 Prozent 2010 stiegen die europäischen Ausfuhren nach China im vergangenen Jahr von Januar bis November um 21 Prozent auf 124 Milliarden Euro. Deutschland hat mit deutlichem Abstand und knapp der Hälfte der EU-Ausfuhren nach China den größten Anteil daran, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. 60 Prozent der EU-Ausfuhren waren Maschinen und Fahrzeuge.
Während die 27 EU-Länder im Jahr 2010 rund 19,8 Millionen Autos produzierten, waren es in China nicht viel weniger: rund 18,3 Fahrzeuge.
Weltgrößte Devisenreserven
Die Importe aus China kletterten nach einem Anstieg von 31 Prozent 2010 im vergangenen Jahr bis November um weitere fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 244 Milliarden Euro. Seit Jahren gibt es ein großes europäisches Defizit im Handel mit China, das 2010 noch bei 168 Milliarden Euro lag. Aus diesem Überschuss sammelt China die Euros in seinen weltgrößten Devisenreserven im Wert von insgesamt 3,18 Billionen US-Dollar an. Rund ein Viertel sollen Euros sein.
Negative Leistungsbilanz
Während die Leistungsbilanz der 27 EU-Länder im vergangenen Jahr bei minus 24 Milliarden Euro lag, konnte China einen deutlich positiven Saldo von 258 Milliarden Euro verbuchen. Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro).
Schlechter Marktzugang
Die Wirtschaftskooperation zwischen Europa und China ist rasant gewachsen. Doch beklagen europäische Unternehmen in China schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheiten.
Urheberrechte verletzt
Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist unverändert ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen mit teils erheblichen Verlusten. Mehr als die Hälfte aller Raubkopien, die der Zoll in Europa sicherstellt, stammt aus China.
Zögerliche Investitionen
Die 27 EU-Staaten zählen mit 7,1 Milliarden Euro 2010 zu den fünf wichtigsten Investoren in China - neben Taiwan, Hongkong, USA und Japan. Rund 20 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in China stammen aus Europa. China investiert aber nur sehr zögerlich in Europa. Zwar stiegen die chinesischen Investitionen 2010 von 0,3 auf 0,9 Milliarden Euro, doch stammen nur 1,7 Prozent aller ausländischen Investitionen in Europa aus China.
Geringere Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage
Noch wichtiger: Fortschritte zeigt China auch bei der Struktur seines Wachstums. In der Vergangenheit war Chinas Wirtschaft, auch getrieben von einer künstlich unterbewerteten Währung, zu einseitig von Exporten getragen. Zudem hatte Peking in der Weltfinanzkrise 2009 die staatlichen Investitionen massiv ausgeweitet. Wirtschaftsexperten mahnen deshalb seit längerem eine Umsteuerung hin zu einem selbsttragenden Wachstum an. Die Binnenwirtschaft und vor allem der private Verbrauch sollen gestärkt werden – ein Ziel, zu dem sich inzwischen auch die Regierung in Peking bekennt.
Hier zeigen sich inzwischen erste Erfolge. So ist das Wachstum längst nicht mehr so einseitig von der Auslandsnachfrage abhängig wie früher, nicht zuletzt, weil der Yuan in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgewertet hat. So stiegen die Exporte im dritten Quartal in Dollar gerechnet nur noch um 7,4 Prozent. Dass Chinas Volkswirtschaft stärker eigene Quellen des Wachstums benötigt, zeigt sich gerade jetzt. Infolge der schwachen Nachfrage aufgrund der Eurokrise brachen Chinas Exporte in die EU im dritten Quartal um 13 Prozent und nach Deutschland sogar um 16,5 Prozent ein.
Nach wie vor hohe Investitionen
Getragen wird das Wachstum heute von der Binnennachfrage. So stiegen die Anlageinvestitionen in den ersten drei Quartalen real um 18,8 Prozent. Das ist zwar weniger als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahrs, zeigt aber, dass Peking noch genügend staatlicher Reserven mobilisieren kann, wenn die Auslandsnachfrage wegbricht. So wurde ein Drittel der Anlageinvestitionen von Staatsunternehmen getätigt, ein weiteres Sechstel waren staatliche Infrastrukturinvestitionen.
Positiv ist in diesem Zusammenhang, dass Investitionen im Immobiliensektor mit 14 Prozent nur unterproportional wuchsen. Im Vorjahr war ihr Zuwachs noch doppelt so groß. Das zeigt, dass es der Regierung erfolgreich gelingt, die Luft aus der Blase am Immobilienmarkt zu lassen, um eine abermalige Überhitzung dieses Sektors zu vermeiden.
Allerdings vernachlässigt Peking immer noch die Privatwirtschaft. Die staatlichen Banken vergeben ihre Kredite bevorzugt an Staatsunternehmen, private Firmen haben hier schlechtere Karten. Zu denken geben muss der Regierung auch, dass die ausländischen Investitionen in diesem Jahr bislang um sechs Prozent schrumpften. Viele Unternehmen in China klagen, dass sich die Rahmenbedingungen für private Investitionen in jüngster Zeit verschlechtert haben.
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