Aus der weiten Welt: Ein bisschen Frieden

kolumneAus der weiten Welt: Ein bisschen Frieden

Bild vergrößern

Leben wir in friedlichen Zeiten. Nein, glaubt unser Kolumnist. Das Einzige, was das Wettrüsten stagnieren, ließ war die Finanzkrise

Kolumne von Klaus Methfessel

Im vergangenen Jahr stiegen die weltweiten Militärausgaben erstmals seit langem nicht mehr. Was sind die Gründe für diese erstaunliche Entwicklung?

Gehen wir friedlicheren Zeiten entgegen? Dieser Eindruck drängte sich mir fast auf, als ich kürzlich im neuen Report des Stockholmer Internationalen Instituts für Friedensforschung (Sipri) die Zeilen las: "Zum ersten Mal seit 1998 stiegen die weltweiten Militärausgaben 2011 nicht."

Doch erst ein genauerer Blick in die Datenbank von Sipri zeigte mir, was es damit auf sich hat. So errechnet das Stockholmer Institut Militärausgaben im vergangenen Jahr von weltweit insgesamt 1,738 Billionen US-Dollar. Das ist ziemlich genau so viel wie Kanada an wirtschaftlicher Wertschöpfung in diesem Jahr hatte.

Anzeige

Damit verwendete die Welt insgesamt 2,5 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für militärische Zwecke. Da die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr real um knapp drei Prozent wuchs und die Militärausgaben real stagnierten, ging der Anteil ihrer Wirtschaftsleistung für Militärausgaben sogar etwas zurück.

Die zehn Länder mit den weltweit höchsten Militärausgaben

Milliarden DollarAnteil am BIP
USA7114,8 %
China1432,1 %
Russland71,93,9 %
Großbritannien62,72,6 %
Frankreich62,52,3 %
Japan59,31,0 %
Indien48,92,7 %
Saudi Arabien48,510,1 %
Deutschland46,71,4 %
Brasilien35,41,6 %
Quelle: Sipri

Pazifismus? Nein, die Finanz- und Eurokrise zwingen zu Einsparungen

Was steckt dahinter? Kündigt sich eine Zeitenwende zu weniger militärischen Konflikten an? Besteht Hoffnung auf ein Ende des Wettrüstens? Ich glaube, die Hoffnung trügt. Denn der Hauptgrund dafür, dass einige Regierungen das Messer bei den Militäretats angesetzt haben, ist nicht die Erwartung einer friedlicheren Welt wie nach dem Fall der Mauer Ende 1989. Es war die globale Finanzkrise 2008, die vor allem die von ihr am meisten betroffenen Länder des Westens zu Einsparungen zwang. Mit Kürzung auch bei den Militärausgaben versuchen sie nun, die klaffenden Haushaltsdefizite unter Kontrolle zu bekommen.

So verantworten die USA mit 711 Milliarden Dollar nach wie vor das mit großem Abstand höchste Militärbudget, rund 40 Prozent der weltweiten Ausgaben. Zwar wuchsen die amerikanischen Militärausgaben 2011 nominal noch um 1,8 Prozent, real aber fiel er um 1,2 Prozent. Die reale Einsparung von 8,7 Milliarden Dollar in Preisen von 2010 war fast so viel wie der gesamte Militäretat von Polen. Das illustriert die gigantische Dimension des US-Verteidigungshaushalts. 

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%