Aus der weiten Welt: Geld, Mord, Spionage - Neues im Fall Bo Xilai

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kolumneAus der weiten Welt: Geld, Mord, Spionage - Neues im Fall Bo Xilai

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Neil Heywood

Kolumne von Klaus Methfessel

Neue Informationen lassen den Machtkampf in Peking immer mysteriöser erscheinen: Im Fall von Bo Xilai und seiner Frau geht es nicht nur um viel Geld und einen vertuschten Mord, sondern auch um Spionage.

Die Geschichte klingt spannend wie ein Krimi von John le Carré, ja, eigentlich noch spannender, denn sie ist wahr. Am vergangenen Mittwoch, einen Tag vor Beginn des Parteitags der KP Chinas, enthüllte das amerikanische Wirtschaftsblatt Wall Street Journal (WSJ) eine Story, die auch bei den Parteitagsdelegierten für Diskussionsstoff gesorgt haben dürfte (wenn sie ihn lesen konnten). Danach pflegte der in China aktive britische Geschäftsmann Neil Heywood regelmäßige Kontakte zum britischen Geheimdienst.

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Neil Heywood – das war der Vertraute der Bo-Xilai-Familie. Mit der Enthüllung seiner Kontakte zu einem westlichen Geheimdienst erhält der ohnehin schon spektakuläre Fall zusätzliche Brisanz: Es geht nicht mehr nur um Korruption und Machtmissbrauch in großem Stil, um Erpressung und Mord im Umfeld eines Mitglieds der obersten chinesischen Führung, sondern auch um Geheimnisverrat ans westliche Ausland.

Da passt es zur Dramaturgie, dass zeitgleich in vielen Ländern der neue James-Bond-Film anläuft. Und dass Heywood in Peking seinerzeit einen silbernen Jaguar fuhr mit einer 007-Zahlenkombination auf dem Nummernschild.

Heywoods Kontakte zum MI6

Neil Heywood war vor einem Jahr am 15. November tot in einem Hotelzimmer in der chinesischen Millionenstadt Chongqing aufgefunden worden war – gestorben angeblich aufgrund von exzessivem Alkoholkonsums, in Wirklichkeit aber vergiftet von Gu Kailai, Bos Ehefrau, der damals Parteichef der Metropole war.

Nach Informationen des  WSJ soll Neil Heywood schon seit 2009 regelmäßig einen Verbindungsoffizier des Auslandsgeheimdienstes MI6 getroffen und ihn über intime Details aus dem Privatleben von Bo und seiner Familie informiert haben. Bo war eine zentrale Figur der chinesischen Führung: Ein sogenannter Prinzling, Sohn eines Weggefährten von Mao Tse-tung, Mitglied des Politbüros und heißer Anwärter auf einen Platz im Ständigen Ausschuss, des höchsten Machtzentrums der KP. Er galt als Exponent des linken Flügels, ließ maoistisches Liedgut singen und forcierte das Wachstum mit staatlichen Geldern und Staatsunternehmen.

Mit dem Link Heywoods zum britischen Geheimdienst wird der Fall, der zu Bos spektakulärem Sturz, seinem Ausschluss aus der KP und seiner Inhaftierung sowie zur Verurteilung seiner Ehefrau wegen Mordes führte, immer mysteriöser. Er zeigt einmal mehr, dass die Wirklichkeit die Fantasie von Schriftstellern und Journalisten noch übertrifft. Wobei die ganze Wahrheit immer noch nicht auf dem Tisch liegt.  

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