Aus der weiten Welt: Jemen droht der Zerfall

kolumneAus der weiten Welt: Jemen droht der Zerfall

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Ein Blick auf die alten Häuserfassaden in der Hauptstadt Saana - Die Macht liegt in den Händen von Stämmen, nicht staatlicher Institutionen

Kolumne von Klaus Methfessel

Clan- und Stammeskämpfe, al Kaida und viele Kinder – eine explosive Mischung aus politischer  Gewalt, wirtschaftlichem Zusammenbruch und Bevölkerungsexplosion droht die ganze Region zu destabilisieren.

An die alltäglichen TV-Bilder von Gewalt und Unruhe im Nahe Osten haben wir uns heute schon so gewöhnt, dass westliche Filmemacher nicht mehr davor zurückschrecken, islamistische Fanatiker, Selbstmordattentäter und schwerbewaffnete Stammeskämpfer als Kulisse für Spielfilme zu verwenden. Nicht etwa bei Kriegsfilmen oder Dramen, sondern bei Komödien oder Märchen: Wir lachen über „Das Schwein von Gaza“ oder sind ergriffen vom „Lachsfischen im Jemen“. Letzterer Film musste allerdings in Marokko gedreht werden. Aus Sicherheitsgründen.

Weltweit am meisten Waffen pro Einwohner – nach den USA

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Denn Gewalt gehört im Jemen seit langem zum Alltag. Der Jemen gilt als das Land, in dem die Einwohner weltweit am meisten Waffen tragen - nach den USA. In den vergangenen Jahren machte das Land im Südwesten der Arabischen Halbinsel immer wieder Schlagzeilen im Zusammenhang mit Entführungen von Touristen oder westlichen Entwicklungshelfern.

Während die Konflikte, die zu den offenen Revolten in Tunesien, Ägypten, Syrien und Libyen führten, dort lange unter der Oberfläche schlummerten, werden sie im Jemen seit Jahrzehnten mit Waffen ausgetragen – gemäß der Erkenntnis von Mao tse-Tungs: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.“  Konflikte gibt es hier reichlich, zwischen dem Norden und dem Süden,  Schiiten und Sunniten, einflussreichen Clans und Stämmen. Sie drohen das Land immer wieder zu zerreißen – ein idealer Nährboden auch für islamistische Terroristen.

Dann kam auf einmal Hoffnung auf. Inspiriert von den Revolten in Kairo und Tunis, beflügelt insbesondere von dem Sturz Mubaraks, hatte sich in den größeren Städten eine breite Bewegung für Demokratie und Reformen gebildet. Abertausende demonstrierten mutig gegen Korruption und Willkür der politischen Führung, obwohl das Militär Dutzende erschoss.

Die Protestbewegung hatte sogar Erfolg. Der langjährige Präsident Ali Abdullah Saleh wurde, auch auf Druck seiner langjährigen Verbündeten Saudi Arabien und USA, aus dem Amt vertrieben, ohne dass die Auseinandersetzungen zum offenen Bürgerkrieg wie in Syrien eskalierten. Für kurze Zeit schien im Jemen die Vision eines vereinten, demokratischen Landes möglich, schreiben die Nahost-Experten Lin Noueihed und Alex Warren in ihrem Buch „The Battle for the Arab Spring“.

Separatisten im Süden, Rebellen im Norden

Doch auch im Jemen dauerte der arabische Frühling nur kurz. Der Sturz Salehs führte zu einer Schwächung der Zentralmacht, was die divergierenden Kräfte ermunterte.  Ohnehin liegt die wirkliche Macht  in den Händen von Stämmen, nicht bei staatlichen Institutionen. Alte und neue Konflikte bestimmen seitdem wieder die Lage.

Im Norden, an der Grenze zu Saudi Arabien, rebelliert die Bewegung der Houthis in der von schiitischen Zaiditen bevölkerten Provinz Saada. Sie sehen sich religiös und ökonomisch von der sunnitischen Regierung marginalisiert, die in diesem Konflikt militärisch und finanziell von den Saudis unterstützt wird. Riad sieht in den Zaiditen ein Einfallstor des Iran, seines größten Rivalen am Golf. Der frühere Präsident Saleh nährte systematisch diese Furcht, um Geld und Waffen von den Saudis zu bekommen.


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