Aus der weiten Welt: Mehr Mist, weniger Bric?

kolumneAus der weiten Welt: Mehr Mist, weniger Bric?

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Premierminister Singh (links): Politische Paralyse und Korruption führen dazu, dass Indien sein Potenzial nicht erschließt

Kolumne von Klaus Methfessel

Sind sie die neuen Wachstumsmotoren? Oder ist es nur ein Marketinggeck, um neue Investorengelder anzulocken? Statt auf die Bric-Staaten setzt Goldman Sachs jetzt auf vier Mist-Länder. Prüfen wir doch mal, welche Länder wirklich die größten Chancen versprechen.

Vor elf Jahren schuf Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill mit dem Akronym BRIC (für Brasilien, Russland, Indien und China) einen griffigen Sammelbegriff  für die vier größten Schwellenländer, die seiner Ansicht nach die globale Wirtschaft bis zum Jahr 2050 mehr und mehr dominieren und in die sich Investments rentieren würden.

Damit hatte er Erfolg – im hauseigenen Bric-Fonds sammelte Goldman Sachs 410 Millionen US-Dollar. Auch andere Banken und Vermögensverwalter sprangen auf den Bric-Zug auf: Zwischen 2001 und 2010 legten sie insgesamt 67 Milliarden Dollar in Bric-Fonds an.

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Nicht zufällig spiegelte sich der Bric-Vormarsch auch in der internationalen Politik wieder. G8-Weltwirtschaftsgipfel sind seit 2009 nur noch Randereignisse, als die alten Weltwirtschaftsmächte allein nicht die Kraft zur Lösung der Finanzkrise hatten. Die globalen Entscheidungen finden jetzt im Rahmen der G 20 statt, wo die Schwellenländer, angeführt von China, Brasilien und Indien, eine entscheidende Rolle spielen.

Vor allem Brasilien und Indien enttäuschen

Doch  schon im vergangenen Jahr zogen die Geldanleger 15 Milliarden Dollar aus den Bric-Fonds ab. Der Grund: Die Bric-Länder zeigen Schwäche. Auch Jim O’Neill, inzwischen zum Chairman von Goldman Sachs Asset Management aufgerückt, sieht sich von seinen einstigen Stars „enttäuscht“. Sie bringen derzeit nicht das, was er sich und seinen Anlegern von ihnen versprochen hat.

Brasiliens Wirtschaftsboom etwa knickte schon im vergangenen Jahr ein und stagniert in diesem Jahr nahezu. Dabei hatte Goldman Sachs im nächsten Jahrzehnt für das größte Land Lateinamerikas ein durchschnittliches Wachstum von mehr als fünf  Prozent jährlich vorhergesagt. Und das,  obwohl es schon im vergangenen Jahrzehnt lediglich 3,3 Prozent im Jahresschnitt erreicht hatte. „Damit Brasilien unsere Erwartungen erfüllt, muss es sein Wachstum beschleunigen“, fordert O’Neill.

„Am meisten enttäuscht“ aber fühlt sich der Goldman Sachs-Mann von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung Indiens. Nicht zuletzt, weil der Subkontinent seiner Ansicht nach „das langfristig höchste Wachstumspotenzial der vier Länder“ hat, nun aber schwächelt. Allein Russland und China sieht O‘Neill noch in der Spur. Russland überraschte ihn sogar positiv mit einem Wachstum von 4,9 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres. Und China sieht er im sanften Gleitflug auf den für das nächste Jahrzehnt prognostizierten Wachstumspfad zwischen 7,5 und 8,0 Prozent. Zweistellige Zuwachsraten aber sind auch hier passé.

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