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kolumne Aus der weiten Welt: Naher Osten braucht ein Wirtschaftswunder

Kolumne von Klaus Methfessel

Fördert der arabische Frühling die Wirtschaftsentwicklung - und sichert damit Stabilität und Frieden in unserer unmittelbaren Nachbarschaft? Oder bewirkt er das Gegenteil? Einige Experten sind erstaunlich optimistisch.

Die wirtschaftliche Lage im Nahen Osten sieht immer noch düster aus - vor allem Ägypten hat den Weg in den großen Aufschwung noch nicht geschafft. Quelle: dapd
Die wirtschaftliche Lage im Nahen Osten sieht immer noch düster aus - vor allem Ägypten hat den Weg in den großen Aufschwung noch nicht geschafft. Quelle: dapd

Klar, eine ägyptische Ministerin für Planung und internationale Kooperation muss schon von Amts wegen optimistisch sein. „Wir sind nun im zehnten Monat unserer Revolution, und ich kann sagen: Das Schlimmste liegt hinter uns“, erklärte Fayza Abou el Naga denn auch jüngst auf einer Veranstaltung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Kairo.

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Damit meinte sie den wirtschaftlichen Einbruch, den der monatelange Machtkampf mit dem alten Machthaber Mubarak und den Militärs zur Folge hatte, bis die Ägypter einen neuen, demokratisch legitimierten Präsidenten wählen konnten.

Verzweifelt gesucht: „Inclusive Growth“

Doch ist das Schlimmste wirklich schon überwunden? Ich glaube nicht. Denn die wirtschaftliche Lage sieht immer noch düster aus. War die Wirtschaft in der Dekade vor der Revolution noch um durchschnittlich jährlich mehr als fünf Prozent gewachsen, brach das Wachstum 2011 auf 1,8 Prozent und in diesem Jahr auf voraussichtlich 2,0 Prozent ein. Das ist zu wenig, um Jobs für die jährlich 750.000 neu auf den Arbeitsmarkt Kommenden zu schaffen. Die Arbeitslosigkeit sprang von neun Prozent vor der Revolution auf inzwischen knapp 13 Prozent. Jeder vierte Jugendliche ist arbeitslos.

Dies ist eine große Gefahr: Ohne wirtschaftlichen Aufschwung wird es in Ägypten keine politische Stabilität geben. Allerdings braucht das Land ein anderes Wachstum als in der vergangen Dekade. So hatte die alte Regierung zwar mit einigen Reformen die Wirtschaft und die Börse belebt. Doch daran hatte die große Masse der Bevölkerung keinen Anteil. Von der Privatisierung der Staatsunternehmen profitierten Buddys des Mubarak-Clans und das Militär. Kredite der staatlichen Banken gingen an einige Dutzend Familien, die kleinen und mittleren Unternehmer schauten in die Röhre.

Ägypten Kaum Geld für den Neuanfang

Die Klüngelwirtschaft des alten Regimes hat Ägyptens Wirtschaft gelähmt. Dieses Hemmnis ist weggefallen. Doch dafür gibt es zwei neue: die Rechtsunsicherheit und der Mangel an finanziellen Mitteln.

Ägypten: Kaum Geld für den Neuanfang

Die ökonomische Unzufriedenheit und der Unmut über die Vetternwirtschaft waren eine treibende Kraft der Rebellion. Das Zauberwort der ökonomischen Berater heißt deshalb jetzt: „inclusive growth“ – ein Aufschwung, der auch die Lebensbedingungen der Massen verbessert und insbesondere den Jugendlichen Jobs und eine Perspektive verschafft. Die Generation der 20- bis 35-Jährigen waren die eigentlichen Träger der Revolution – sie hat ihre Macht gespürt und große Erwartungen an die Zukunft, gehört bislang aber nicht zu den Gewinner der Revolution, warnt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, die auch die Bundesregierung berät. Enttäuschte Erwartungen können sehr schnell wieder in allgemeine Unruhen umschlagen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.10.2012, 12:13 Uhrshadowdancer

    Wenn Ägypten nicht bald sein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum in den Griff kriegt, kommt sowieso der Knall ! Es kann doch nicht jeder
    10 Kinder in die Welt setzen und keiner weiß, wo die Nahrungsmittel herkommen sollen !

  • 28.10.2012, 11:22 UhrCharly

    Eine umfangreiche Analyse,

    - aber
    die Betrachtungsweise ist rein aus der Sicht von VWL'ler und BWL'lern.

    Heute haben wir in der Welt aber eine Überproduktion bei gleichzeitig zunehmendem Rohstoffmangel.
    Der zunehmende Rohstoffmangel wird gern ausgeblendet, weil aus VWL'ler Sicht Rohstoffmangel durch Investitionen bekämpft werden kann.
    Nur bei einigen Materialien stossen wir zunehmend an physische Grenzen.
    Gerade moderne hochgezüchtete Produkte benötigen immer öfter seltene Stoffe, die oft auch schwierig und teuer wieder zu entsorgen sind.

    Ein weiterer Punkt ist, für viele moderne technische Produkte lassen sich heute in praktisch jedem Land kurzfristig Produktionen aufbauen. Diese Produktion benötigt keine qualifizierten Mitarbeiter und ist schlecht bezahlt.
    Man denke beispielsweise an die Tablets z.B. von Apple, die in China billigst hergestellt werden. Wenn China nicht mehr billig genug ist, dann gibt es immer genug andere Länder die noch billiger arbeiten.

    Und noch etwas,
    in dem ganzen Artikel wird nie die Frage gestellt, was z.B. in Ägypten überhaupt produziert und exportiert werden könnte um dort mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

    Im ganzen Artikel wird immer nur von der jungen Generation schwadroniert die die Wirtschaft ankurbeln könnte. Aber welche Industrien könnte Ägypten konkret aufbauen. Diese Frage wird immer nicht beantwortet. Da bleibt der Artikel letztlich auch die Antwort schuldig.

    Nicht nur in Ägypten, schauen wir z.B. nach Griechenland (innerhalb der EUdSSR) auch da wird gern von Finanzhilfen zum Aufbau der Wirtschaft geredet. Aber was sollen die Griechen damit aufbauen ausser Tourismus, Olivenöl und vielleicht etwas Landwirtschaft. Diese konkreten Fragen werden von schwadronierenden VWL'ler immer offen gelassen weil sie darauf nämlich keine Antwort haben.

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