Aus der weiten Welt: Nordkorea tastet sich auf den Reformweg

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Statuen von Kim Jong Uns Großvaters Kim Il Sung und seines Vaters Kim Jong Il: kommunistische Dynastie in dritter Generation

Kolumne von Klaus Methfessel

Mehr als nur ein neuer PR-Stil: Nach der Ausschaltung etlicher Militärs basteln Technokraten hinter Jungdiktator Kim Jong Un an wirtschaftlichen Reformen. Wandelt sich das  bizarre, letzte stalinistische System dieser Erde?

Die Replik aus Seoul erfolgte prompt – und vermutlich etwas voreilig. Im Norden nichts Neues, lauteten die ersten Kommentare regierungsnaher Kreise in Südkorea zur Neujahrsansprache des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un. Wie einst die Kremlologen in den westlichen Hauptstädten die gestanzten Reden der sowjetischen Machthaber Wort für Wort durchgingen, so filtern die Seouler Politikexperten heute noch die offiziellen Verlautbarungen aus dem Norden auf ihre Substanz hin.

Kim kündigt „Umwälzungen“ und eine „Wendephase“ an  

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Doch einige Formulierungen klingen neu, auch wenn Kim sich in seiner Rede an die rhetorischen Rituale der KP-Führer hielt und Kontinuität gelobte unter dem „hoch erhobenen Banner des Kimilsungismus –Kimjongilismus“. Der erste Kim (Il Sung) war sein Großvater, der zweite Kim (Jong Il) sein Vater – die erste gelungene Nachfolge einer kommunistischen Dynastie in dritter Generation. Aufhorchen lässt jedoch, wenn Kim das Jahr 2013 als Jahr der „Umwälzungen“ sowie als „Wendephase“ bezeichnet. Und wenn er als wichtigste Aufgabe  den „Aufbau einer Wirtschaftsmacht“ nennt – ein wenig überraschend nach dem kurz zuvor erfolgten Raketentest, der eher auf weitere militärische Aufrüstung und Konfrontation schließen ließ.

Aber auch die Tonlage gegenüber dem Süden klingt weniger schrill. So sprach Kim davon, „den Konfrontationszustand zwischen dem Norden und dem Süden aufzuheben“. Anders als die SED-Führer der DDR hatten die kommunistischen Führer Nordkoreas nie das Ziel der Wiedervereinigung aufgegeben. Sie hatten allerdings in der Vergangenheit immer den Eindruck erweckt, diese auf  militärischem Weg erreichen zu wollen.  

Zwar halten manche südkoreanische Analysten auch nach wiederholtem Lesen des Manuskripts solche Passagen für reine Täuschungsmanöver. Ähnliche Formulierungen gehörten angeblich schon früher zum Repertoire der kommunistischen Machthaber. Doch unverkennbar ist im Norden der koreanischen Halbinsel einiges in Bewegung geraten

Neuer Regierungsstil - und Accessoires von Tiffany und Dior

Es begann damit, dass sich der junge Kim sehr viel lockerer in der Öffentlichkeit präsentierte als sein Vater. Ein Diktator zum Anfassen: Er schüttelte die Hände seiner Untertanen, er besuchte Vergnügungsparks, und das Fernsehen übertrug seine Reden. Dagegen hatten die Nordkoreaner die Stimme seines Vaters nie vernommen, dessen Reden bekamen sie nur in schriftlicher Form serviert.

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Fotos von Ehefrau Ri mit Tiffany-Halskette, Movado-Uhr und Dior-Handtasche: Das luxuriöse Gesicht der Diktatur.

Erst recht entzündete es die Fantasie der Nordkorea-Watcher, als Kim in schicker weiblicher Begleitung auftauchte – sein Vater war nie zusammen mit seiner Ehefrau in der Öffentlichkeit aufgetreten. Schon kurze Zeit später erfuhr die staunende Welt, dass die Schöne Ri Sol-ju heißt und seine Ehefrau ist. Und offenbar einen Hang zu westlichem Luxus hat, wie  Beobachter in Südkorea anhand offizieller Bilder feststellten. Als Ri gemeinsam mit ihrem pummeligen Gatten die Statuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il  besuchte, wurde an ihr ein Tiffany-Halsband zum Preis von 4300 Dollar festgestellt. Am Tag darauf bei einem Konzert zum Tag der Jugend trug sie eine Schweizer Uhr der Marke Movado für 1100 Dollar und eine Dior-Handtasche für 1600 Dollar.

Auch wenn die Nordkoreaner nichts von dem Luxusgebaren ihrer Führung haben, so stärkt es doch den Eindruck, dass  sich das Regime seit dem Machtantritt des dicklichen Sohnes weniger martialisch gebärdet, wenn es nicht gerade Raketentests absolviert. Die Nachrichtensprecherinnen im Fernsehen sind heute nicht nur jünger und hübscher, sie tragen die Nachrichten auch mit weitaus weniger revolutionärem Pathos vor. Und, wichtiger noch: In Pjöngjang hat sich das Konsumgüterangebot erheblich verbessert.

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