Aus der weiten Welt: „Platzt die China-Blase?“

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Chinas Exporte bleiben liegen: Sie wachsen langsamer als im Vorjahr, doch die Exportabhängigkeit der Volksrepublik sinkt

Kolumne von Klaus Methfessel

Auch in China schwächt sich die Konjunktur ab. Horrorszenarien wie jüngst im Münchner Focus sind jedoch übertrieben. Chinas wirtschaftliche Konstitution ist stärker, als es auf den ersten Blick aussieht.

Der Focus bringt relativ selten Auslandsthemen als Titelgeschichten. Wenn das Münchner Blatt sich dann schon mal auf internationales Terrain wagt, dann muss schon ein besonderer Grund vorliegen. „Platz die China-Blase?“, fragte  die Titelgeschichte vergangenen Montag und gab, etwas unbestimmt noch auf dem Titel, zur Antwort: „So instabil ist das Wirtschaftswunder-Reich“. Doch was die Münchner dann als „Analyse einer globalen Bedrohung“  in dem Artikel „Die China-Blase“ anführten, hat mich nicht überzeugt. 

Es ist verständlich, dass der heiß gelaufene chinesische Immobiliensektor Sorgen macht. Die internationale Finanzkrise 2009 hat das Bewusstsein geschärft, zu welchen globalen konjunkturellen Sprengsätzen sich Immobilienblasen entwickeln können. Hätten die Focus-Redakteure Recht, müssten wir uns angesichts der zunehmenden Abhängigkeit unserer Exportwirtschaft von China in der Tat große Sorgen machen.

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Wenn ich deshalb hier auf die wesentlichen Argumente in dem Focus-Artikel eingehe, dann weil nicht nur die Redakteure aus München die These vom angeblich bevorstehenden Platzen der China-Blase vertreten, sondern weil diese Sorge vor einem China-Crash weit verbreitet  ist.

Chinas Risiko hoher Exportabhängigkeit

Focus führt zwei Gründe an, warum dem langen China-Boom in diesem Jahr schon das Ende droht. „Weil der Konjunkturtreiber Export nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Und weil die Volksrepublik sich den Megaaufschwung mit Übertreibungen erkaufte, die nun das Land destabilisieren könnten.“

Die Autoren stützen ihre Begründung vor allem auf den zweiten Punkt, die Übertreibungen. Auf das Exportrisiko gehen sie in dem Artikel nicht weiter ein. Dabei ist dieser Teil der Argumentation in der Tat nicht von der Hand zu weisen: Der Export wächst schon seit einiger Zeit langsamer. Im ersten Halbjahr 2012 stiegen die Ausfuhren nur noch um 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – halb so viel wie noch vor einem Jahr. 

Aber Chinas Wirtschaftswachstum ist heute zum Glück nicht mehr ganz so exportabhängig wie früher. 2008 trugen Chinas Nettoausfuhren noch 7,7 Prozent zum BIP bei – bei einem Wirtschaftswachstum von 9,6 Prozent. Aber schon im vergangenen Jahr war der Wachstumsbeitrag der Exporte auf nur noch 2,6 Prozent gesunken – und da legte das BIP auch noch um 9,2 Prozent zu.

Die Ursachen für den lahmer werdenden Export liegen aber nicht in China, sondern sind in den rezessiven Tendenzen in Europa und den USA. In Bezug auf die Exporte liegt das Risiko für die Weltwirtschaft nicht in China, sondern in Europa, insbesondere der Eurozone, und den USA.  Im Fall des  Horrorszenarios, dass die Eurozone auseinanderbricht und die USA erneut in eine Rezession abgleiten, würde sicher auch China nicht ungeschoren davonkommen.

Aber das wäre nicht das Ergebnis einer chinesischen Strukturkrise, wie Focus insinuiert. Chinas Wirtschaftswachstum ist heute schon viel ausgeglichener. Sein hoher Leistungsbilanzüberschuss – Ausdruck der früheren, einseitigen Exportabhängigkeit des  chinesischen Wirtschaftsmodells – hat sich schon von 10,6 Prozent des BIPs 2007 auf 2,8 Prozent 2011 reduziert und dürfte weiter fallen. 

Die Wachstumstreiber der chinesischen Wirtschaft sind heute hauptsächlich der private  Konsum und die staatlichen und privaten Investitionen. Und damit kommen wir zu dem zweiten Argument der Focus-Autoren: Die „Übertreibungen“, mit denen sich China seinen Megaaufschwung erkaufte.

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