Aus der weiten Welt: Schatten über den Bric-Staaten

kolumneAus der weiten Welt: Schatten über den Bric-Staaten

Kolumne von Klaus Methfessel

Das globale Wirtschaftswachstum wird vor allem von Brasilien, Russland, China und Indien getragen. Doch in ihrer Einstellung zum Außenhandel sind die sogenannten Bric-Länder äußerst unterschiedlich – was Folgen haben wird für ihre jeweilige wirtschaftliche Zukunft.

Es war ein genialer Marketing-Schachzug, als der damalige Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill 2004 für seine Studie über die Wachstumsausschichten der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2050 das Akronym Bric erfand. Seitdem sprechen wir von den vier Bric-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China, die mit hohen Wachstumsraten die traditionelle Geographie der Weltwirtschaft umpflügen.

Die Studie konfrontierte die industriell entwickelten Länder des Westens mit der Tatsache ihrer abnehmenden wirtschaftlichen Bedeutung. Doch der Westen brauchte lange, um die neue Rolle der Schwellenländer zu akzeptieren. Zwar hatten die G7 ihre jährlichen Weltwirtschaftsgipfel schon damals um Russland zu den G8 erweitert. Aber das leitende Motiv dahinter war nicht die wirtschaftliche Bedeutung Russlands. Russlands Volkswirtschaft war vielmehr kollabiert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Aufnahme in die G8 sollte vielmehr die einstige Supermacht Russland über ihren politischen Abstieg hinwegtrösten und politisch einzubinden.

Anzeige

Es bedurfte erst noch der globalen Finanzkrise, bis sich der elitäre Club für China, Indien, Indonesien oder auch den weltgrößten Erdölproduzenten Saudi Arabien öffnete. Erst der vor allem in den USA und Europa spürbare globale wirtschaftliche Einbruch nach der Lehman-Pleite 2008 beendete den anachronistischen Zustand, die G8 erweiterten sich zu den G20-Treffen.

Neue Studie des Weltwirtschaftsforums: Global Enabling Trade Report

Doch zugleich suggeriert der Begriff Bric eine Einheitlichkeit zwischen den vier Schwellenländern, die in Wirklichkeit nicht existiert. Sie sind politisch und wirtschaftlich unterschiedlich: das früher sozialistische und immer noch autoritär geführte rohstoffreiche Russland; das nominal noch immer sozialistische und nicht minder autoritäre China, das inzwischen zum Exportweltmeister gemausert hat; das demokratische Indien, das de facto von Familiencliquen regiert wird wie ein semifeudaler Staat und wirtschaftliche Stärken eher im Service-Bereich hat; und das, nach 20-jährigem Intermezzo einer Militärdiktatur seit 1984 ebenfalls demokratische und vor allem an Rohstoffen reiche Brasilien.

Interessant ist es, diese Länder einmal in Bezug darauf zu untersuchen, wie sie ihren Außenhandel fördern. Vor wenigen Tagen ist dazu der neue Global Enabling Trade Report erschienen, den das Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF) seit 2008 im Zweijahresrhythmus veröffentlicht. Der leitende Gedanke dahinter: Länder, die Importe und Exporte erleichtern und Protektionismus bekämpfen, tragen damit zur besseren weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung beitragen, was langfristig den nationalen und internationalen Wohlstand erhöht.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%