Traditioneller Nord-Süd-Konflikt

Im Süden kämpft eine separatistische Bewegung für die Unabhängigkeit. Der Süden, wo ein Großteil der Ölfelder liegen, fühlt sich bei der Verteilung der Öleinnahmen benachteiligt. Der Nord-Süd-Konflikt hat Tradition: Jemen war in seiner jüngeren Geschichte lange zweigeteilt. Der bevölkerungsreiche Norden mit der Hauptstadt Sanaa war ein unabhängiges Königreich unter einem Imam, bis 1962 ein Militärputsch das Land in einen achtjährigen blutigen Bürgerkrieg mit 200.000 Toten stürzte. Die Royalisten wurden von den Saudis und den Briten unterstützt, die Putschisten von Ägypten.
Die Militärs siegten schließlich und gründeten im Norden die Arabische Republik Jemen. Den Süden hatten die Briten von ihrer Hafenfestung Aden aus seit Mitte des 19.Jahrhunderts dominiert. Nach ihrem Rückzug aus Aden gründete dort ein marxistisches Regime mit Ostblock-Hilfe die Volksdemokratische Republik Jemen. Erst 1990, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, kam es zur Vereinigung der beiden Landesteile.
Rivalisierende Clans
Zu den langjährigen Kämpfen im Jemen trägt zusätzlich die Rivalität zweier einflussreicher Clans bei. Auf der einen Seite der Clan von Ali Abdullah Saleh, der seit 1978 die Macht behaupete, bis er Ende vergangenen Jahres zum Rücktritt gezwungen wurde. Er gilt immer noch als einflussreich, Verwandte von ihm bekleiden weiterhin wichtige Positionen in Militär und Sicherheitsapparaten.
Seine Gegner sammelten sich in der Oppositionspartei Islah, einer islamistischen Stammesallianz, die von einer der einflussreichsten Familien des Nordens, dem Ahmar-Clan, angeführt wurde. Salehs Position wurde auch dadurch geschwächt, dass Teile des Militärs zum konkurrierenden Clan überliefen.
Ausdruck der Schwäche der Opposition war, dass Saleh bei seinem Rücktritt nicht nur für sich und seine Gefolgsleute Immunität vor Strafverfolgung aushandeln konnte, sondern auch sein Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi für zwei Jahre zum Übergangspräsidenten ernannt wurde. Hadi soll in dieser Frist eine Verfassungsreform einleiten und demokratische Wahlen vorbereiten.
Ob er dieses Ziel erreichen wird, ist ungewiss. Immerhin konnte Hadi seitdem seine eigene Machtbasis konsolidieren und Gefolgsleute seines Vorgängers aus wichtigen Militärpositionen verdrängen. Vor allem aber muss er den Einfluss militanter islamistischer Gruppen zurückdrängen, soll der Jemen nicht zu einem zweiten Somalia werden.
Der Vormarsch von al-Kaida und die Reaktion von Saudi Arabien
Die Dschihad-Kämpfer sind im Jemen schon lange aktiv. Im Jahr 2000 etwa töteten sie bei dem Angriff auf den US-Zerstörer USS Cole in Aden 17 amerikanische Seeleute. Aufgrund der erschütterten staatlichen Autorität konnten militante islamistische Gruppen wie Ansar al Scharia, die dem Terrornetz al Kaida nahestehen, an Einfluss gewinnen. So weiteten sie ihre Herrschaft von ihren Operationsbasen bei Stämmen in unwegsamen Wüstenregionen aus auf einige Städte in der südjemenitischen Provinz Abyan.
Regierungstruppen des Übergangspräsidenten Hadi konnten diese Städte erst nach massiven Verlusten zurückerobern. Beobachter sprechen von 1.000 Soldaten, während die Dschihadisten 600 Kämpfer verloren haben – bei einer geschätzten Truppenstärke von 3000 Mann. Die unmittelbare Gefahr, dass der Jemen auseinanderbricht und zu einem „Failed State“ wird, wendete Hadi damit vorerst ab.
Die Dschihadisten kontrollieren aber weiter große Teile ländlicher Gebiete. Trotz archaischer Praktiken wie der Amputation der Hände von Dieben stoßen sie bei der Bevölkerung auf gewisse Sympathien. Wie die Taliban in Afghanistan haben sie in den von ihnen eroberten Gebieten erst einmal die allgemeine Gesetzlosigkeit beendet und kriminelle Banden vertrieben, die von der Bevölkerung Schutzgelder erpressten. Auch funktionierten unter ihnen einige staatliche Bereiche besser. Nun aber fließen Strom und Wasser wieder nur unregelmäßig, berichten Einwohner gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
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