Aus der weiten Welt: Warum China Indien abhängt

kolumneAus der weiten Welt: Warum China Indien abhängt

Kolumne von Klaus Methfessel

Indien und China stehen für die Konkurrenz zweier Systeme: Demokratie versus Diktatur. Paradoxerweise schneidet das autoritäre China dabei wirtschaftlich besser ab als Indien. Nur bei den Superreichen hängt Indien China ab.

Die beiden asiatischen Großmächte China und Indien liefern sich einen scharfen Wettbewerb. – in Politik und Wirtschaft. Indien sieht sich selbst gern als größte Demokratie der Welt, spielt ökonomisch gegenüber China aber meist nur die zweite Geige. Im Wirtschaftswachstum haben die Chinesen die Inder in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig abgehängt. Trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen erwirtschaften die 1,35 Milliarden Chinesen mit nur gut 100 Millionen Einwohnern mehr ein ungefähr viermal so hohes Bruttoinlandsprodukt. Kaufkraftbereinigt ist das Pro-Kopf-Volkseinkommen der Chinesen immer noch doppelt so hoch wie das der Inder. Dass China wirtschaftlich attraktiver ist, bestätigen auch die Investitionsentscheidungen der ausländischen Unternehmen, in deren Gunst sich Indien mit einem zweiten Platz begnügen muss - nach China.

China hat bessere Sozialbilanz

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Auch in der Sozialbilanz schneidet China in fast allen Punkten besser ab. Zwar hat nach drei Jahrzehnten Staatskapitalismus die Einkommensungleichheit dramatisch zugenommen. Mit einem Gini-Koeffizienten von 41,5 verzeichnet das offiziell noch immer sozialistische Land inzwischen eine höhere Einkommensungleichheit als das Mutterland des Kapitalismus USA mit 40,8 und Indien mit 36,8. (Bei einem Wert von Null wären die Einkommen total gleich, bei einem Wert von 100 total ungleich verteilt, in Deutschland beträgt der Gini-Koeffizient 28,3.)
Beim Human Development Index der Uno, der 187 Länder vergleicht, liegt das Reich der Mitte jedoch mit Platz 101 weit vor Indien mit Platz 134. In China können 94 Prozent der Menschen lesen und schreiben, in Indien nur 63 Prozent. Mit durchschnittlich 73,5 Jahren leben Chinesen im Schnitt acht Jahre länger als Inder. In Indien sterben 66 von 1000 Kindern vor ihrem fünften Geburtstag, in China 19. Armut ist in Indien stärker verbreitet: 41,6 Prozent der Inder, mehr als eine halbe Milliarde Menschen, leben von weniger als 1,25 Dollar am Tag. In China sind es 15,9 Prozent – gut 200 Millionen.

48 indische Milliardäre

Aber auch wenn in Indien die Armut größer und die Einkommensverteilung weniger krass ist – in der Kategorie der Superreichen sind die Inder nicht zu schlagen. Zwar bringen es nur 48 Inder auf die jährlich vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes erstellte Liste der Vermögensmilliardäre. Das ist ziemlich genau die Hälfte der 95 Milliardäre aus der Volksrepublik.

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