Aus der weiten Welt: Was die islamische Woge antreibt

kolumneAus der weiten Welt: Was die islamische Woge antreibt

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Protest im Namen des Glaubens: Sudanesische Demonstranten demonstrierten am 14. September nach den Freitagsgebeten mit islamischen Fahnen vor der deutschen und US-amerikanischen Botschaft.

Bei dem Sturm auf westliche Botschaften geht es nur vordergründig um einen Film oder Karikaturen. In Wirklichkeit ist das Wiederaufleben des Islam Ausdruck einer tiefen Verletzung der arabischen Seele.

So haben wir uns den arabischen Frühling nicht vorgestellt. Unsere Sympathie galt der Protestbewegung, die den Sturz der Despotien in Tunis, Kairo und Tripolis herbeiführte. Voll Mitgefühl beobachten wir den Kampf der Syrer gegen den Terror des Assad-Regimes.

Und nun müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass deutsche Botschaften in arabischen Ländern geschlossen bleiben – aus Angst vor gewalttätigen Demonstrationen, die sich auf einmal nicht mehr gegen die Vertreter des alten Regimes oder die noch herrschenden arabischen Despoten richten, sondern gegen unserer Repräsentanten. Und nur wegen eines Films, den die meisten vermutlich nie gesehen haben.

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Der Vormarsch der Islamisten

Heute dominieren auf den Straßen und Plätzen nicht mehr westlich gekleidete Jugendliche, die über Facebook und Twitter ihre Aktionen koordinieren. Nicht mehr Blogger, Menschenrechtsaktivisten und Gewerkschafter bestimmen das Bild, sondern bärtige Männer im weißen Burnus und verschleierte oder Kopftuch-tragende Frauen.

Weshalb haben die islamischen Fundamentalisten eine solche Zugkraft? Und wieso richtet sich ihr Zorn in erster Linie gegen den Westen?

Zwar sind es nur radikale Minderheiten, die Gewalt praktizieren. Auch wenn es spontan aussieht, ist vieles von langer Hand gelenkt. Der US-Botschafter in Benghasi wurde von al-Qaida-nahen Terroristen angegriffen, die gezielt aus Massendemonstrationen heraus operierten.

Doch wenn im Libanon Hunderttausende demonstrieren, wenn nach freien Wahlen heute Islamisten in Ägypten und Tunesien den Ton angeben, wenn sie in Libyen eine machtvolle Gruppe bilden und wenn islamistische Parteien in Syrien nach Einschätzung von Beobachtern bei Wahlen stärkste Kraft würden, dann zeigt das die Stärke und Breite der islamistischen Bewegung. Das gesellschaftliche Klima hat sich im Nahen Osten schon seit längerem in Richtung Islam gedreht. Schon vor dem Sturz Mubaraks versteckte die Mehrheit der Ägypterinnen bereits ihr Haar unter dem Hijab.

Unser Problem im Westen ist, dass wir zu lange auf Kooperation mit den säkularen Despoten gesetzt haben, von denen wir uns versprachen, dass sie die Islamisten in Schach halten könnten. Dafür erhielten sie reichlich Militär- und Finanzhilfe, vor allem von den USA. Sie schienen uns als kleineres Übel gegenüber den islamistischen Parteien, deren religiöse Intoleranz wir fürchten und von denen wir annehmen, dass sie ein taktisches Verhältnis zu Demokratie praktizieren und Frauen und Minderheiten die gleichen Rechte verweigern.

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