Ausblick für Anleger: Welchen US-Präsidenten die Wall Street braucht

Ausblick für Anleger: Welchen US-Präsidenten die Wall Street braucht

von Stefan Hajek

Auch wenn Banker und Investoren daran glauben: Dass Romney der bessere Präsident für die US-Wirtschaft wäre, ist nicht eindeutig. Auch eine Wiederwahl Obamas böte Vorteile für Wirtschaft und Börse.

Zumindest für die amerikanischen Profi-Investoren ist diese Frage offenbar geklärt: In einer aktuellen Umfrage des US-Anlegermagazins „Barron’s“ unter 131 Investment-Bankern und Vermögensverwaltern waren 79 Prozent der Befragten der Meinung, die Kurse der US-Aktien hätten unter einem neuen Präsidenten Mitt Romney mehr Potenzial als bei einer Wiederwahl Obamas; sogar 83 Prozent der Investoren waren überzeugt, für die US-Wirtschaft insgesamt sei der Republikaner der bessere Mann.

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Allgemein wird erwartet, dass die Politik der Republikaner unternehmens- und damit letztlich anlegerfreundlicher ist als die der Demokraten, weil es zum Beispiel geringere Steuern auf Gewinne und Dividenden gebe und Themen wie Umweltschutz oder Arbeitnehmer-Interessen im Zweifel denen der Wirtschaft eher untergeordnet würden. Dafür gelten die Demokraten (zurecht) als die disziplinierteren Budget-Politiker; Staatsverschuldung und Defizit wurden zumindest in den vergangenen Dekaden meist von den Konservativen nach oben getrieben, namentlich durch teure Kriege wie den Vietnam-Krieg (Nixon), während Phasen der finanziellen Gesundung des Staates meist von den Demokraten eingeleitet wurden, zuletzt etwa durch Bill Clinton.

Diesmal könnte es allerdings anders sein: Während Obama vermutlich an dem Notenbankpräsidenten Ben Bernanke festhalten wird und damit an dessen Politik des billigen Geldes und der de facto Staatsfinanzierung, hat Romney angekündigt, Bernanke austauschen zu wollen und eine andere, eher an der deutschen Sparpolitik orientierte geldpolitische Linie fahren zu wollen, ohne sich allerdings sehr viel konkreter darüber auszulassen. Gut möglich also, dass Romney die relativ unbeliebte Notenbankpolitik nur für den Wahlkampf ausnutzen wollte und gar nichts ändern würde. Ein bloßer Wechsel an der Notenbank-Spitze machte außerdem noch lange keine gute Geldpolitik.

Das spenden deutsche Konzerne den Wahlkandidaten

  • Deutsche Bank

    Barack Obama: 25.475 $

    Mitt Romney: 135.150 $

    Alle Spenden dieser Kurztextgalerie sind Spenden Politischer Aktionskomitees

    Quelle: Center for Responsive Politics für WirtschaftsWoche

  • Siemens

    Barack Obama: 43.205 $

    Mitt Romney: 14.250 $

  • Allianz

    Barack Obama: 12.162 $

    Mitt Romney: 33.150 $

  • Fresenius Medical Care

    Barack Obama: 6650 $

    Mitt Romney: 17.900 $

  • SAP

    Barack Obama: 16.322 $

    Mitt Romney: 5250 $

  • Deutsche Telekom

    Barack Obama: 13.175 $

    Mitt Romney: 4900 $

  • EADS

    Barack Obama: 5612 $

    Mitt Romney: 10.250 $

  • Bayer

    Barack Obama: 8612 $

    Mitt Romney: 3200 $

  • Merck

    Barack Obama: 8090 $

    Mitt Romney: 2750 $

  • Munich Re

    Barack Obama: 9955 $

    Mitt Romney: -

  • Thyssen Krupp

    Barack Obama: 1200 $

    Mitt Romney: 1250 $

  • Boehringer

    Barack Obama: 6250 $

    Mitt Romney: 450 $

  • Volkswagen

    Barack Obama: 2250 $

    Mitt Romney: -

  • BMW

    Barack Obama: 750 $

    Mitt Romney: -

  • Deutsche Post

    Barack Obama: 500 $

    Mitt Romney: 250 $

Wer ist besser für Wirtschaft und Börse?

Die Analyse der Vergangenheit nährt die Einschätzung, Republikaner seien per se besser für die Börse als Demokraten, übrigens ohnehin nicht: Oft liefen die US-Börsen unter Demokraten sogar besser als unter konservativen Präsidenten; wichtigste und aber auch erhebliche Ausnahme ist die Amtszeit des Republikaners Ronald Reagan, der im Tandem mit seinem britischen Pendant Margret Thatcher weltweit für Deregulierung sorgte und somit maßgeblich - so jedenfalls heute die allgemeine Deutung – zu einem jahrelangen Höhenflug der Börsen beitrug.

Die meisten anderen republikanischen Präsidenten der jüngeren Geschichte waren keine guten Schirmherren für die Börse, Richard Nixon gehört sogar zu den schlechtesten, während etwa der Demokrat Bill Clinton in seiner Amtszeit außerordentlich gute Börsenjahre verzeichnete.

Langfristig halten Demokraten und Republikaner sich – gemessen an den Börsenkursen – bisher die Waage.

Und in einem Punkt herrscht Einigkeit unter den Kapitalmärkt-Akteuren: Eine Patt-Situation wie nach der Wiederwahl George W. Bushs im Jahr 2000, als dieser erst nach wiederholtem Nachzählen und juristischen Klärungen als Sieger feststand (Zweifel daran bestehen bis heute), wäre das allerschlimmste für die Börse. Nichts hassen Investoren mehr als anhaltende Unsicherheit.

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