Ausdehnung der Kampfzone: Der Rohstoffkrieg in Mali weitet sich aus

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KommentarAusdehnung der Kampfzone: Der Rohstoffkrieg in Mali weitet sich aus

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Hat sich Frankreich mit der Militäroperation in Mali verschätzt? Kritiker warnen vor ähnlichen erfolglosen Kriegen wie in Afghanistan, im Irak oder in Libyen.

von Frank Doll

Frankreich hat sich verschätzt. Mali wird kein leichter Waffengang. Die Ausdehnung der Kampfzone ist riesig und der Gegner der Franzosen tückisch. Paris wird Unterstützung brauchen – und sie wohl auch bekommen.

Jeder Krieg hat seine eigene Dynamik. Seit Carl von Clausewitz gehört diese Erkenntnis zur Grundausstattung eines jeden Militärs - auch in Frankreich. Wie in der sozialistisch angehauchten Wirtschaftspolitik glaubt man in Paris jetzt auch in Sachen Kriegsführung, jegliche Dynamik kontrollieren zu können. Ein gefährlicher Irrglaube, zumal Frankreich in Mali, wie schon in Afghanistan, auf keinen verlässlichen Partner bauen kann. Besonnene Politiker wie Dominique de Villepin, der vor einem ähnlich erfolglosen Krieg wie in Afghanistan, im Irak oder in Libyen warnt, finden derzeit kein Gehör. Der ehemalige französische Außenminister erlangte weltweit Anerkennung, nachdem er sich im Februar 2003 in einer Rede vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen den Irakkrieg stellte.

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Westafrika ist ein Sammelsurium fragiler Staaten am Rande des Bürgerkriegs. Es geht beim Krieg in Mali, wie bei fast jedem Krieg auf dem afrikanischen Kontinent, um Rohstoffe und natürlich um politische Einflussnahme. Der Einsatz einer 3.300 Mann starken, aus verschiedensten westafrikanischen Staaten zusammengewürfelten Bodentruppe könnte sich schon bald als großer Fehler erweisen. Allein schon, weil die Kampfkraft dieser Truppe mehr als zweifelhaft ist. Nach ersten Misserfolgen wird Frankreich zwangsläufig immer mehr eigene Truppen in Mali stationieren müssen. Zudem droht eine Destabilisierung der Entsendungsländer. Die Ruhe an der Elfenbeinküste und in Nigeria ist genauso trügerisch wie zuvor in Algerien, wo am Mittwoch auf einem Gasfeld 800 Kilometer südöstlich von Algier 41 Ausländer von Terroristen gekidnappt wurden, darunter vermutlich sieben US-Staatsbürger. Zusammen mit den sechs Mitarbeitern des französischen Atomkonzerns Areva, die von Touareg-Rebellen entführt wurden, befinden sich in der Region nun 47 westliche Geiseln in den Händen von Terroristen. So zynisch es klingt, Frankreich dürfte das nicht ungelegen kommen. Wie in Libyen kann Frankreich nun auf eine stärkere Unterstützung der Amerikaner hoffen.

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Der Krieg in Mali hat seine eigene Dynamik, aber eben auch seine afrikanische Logik. Ähnliche Aktionen könnten auch in Nigeria bevorstehen, einem politisch instabilen Land mit latenten Religionskonflikten und islamistischen Tendenzen im Norden. Nigeria ist der sechstgrößte Ölexporteur der Welt. So gesehen könnte die Militäroperation Frankreichs zu höheren Energiepreisen führen - zu einem denkbar ungünstigen Moment für die Weltwirtschaft. Der Alleingang der Franzosen in Mali folgt einem Schema. Bereits in Libyen hatte Paris eine Intervention eigenwillig vorangetrieben um dann seine Allierten peu à peu mit in die Auseinandersetzung hineinzuziehen. Denn allein kann sich Frankreich einen langwierigen Krieg in Westafrika nicht leisten.

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