Auslandsforderungen: Die Risiken der deutschen Banken

Auslandsforderungen: Die Risiken der deutschen Banken

von Christof Schürmann

Die deutschen Banken haben ihre Auslandsengagements schlecht verteilt – jetzt ballen sich die Risiken.

Wenn er überführt wird, dass er das Gold absichtlich schlechter legiert hat, soll er mit dem Tode bestraft werden.“ So streng richteten rund vier Jahrhunderte vor Christi Geburt die griechischen Städte Mytilene und Phokaia Münzpräger, die den Gehalt von Talern aus einer künstlichen Legierung aus Gold und Silber manipulierten. Eine 1852 entdeckte Steininschrift legt nahe, dass im alten Griechenland solche Manipulationen tatsächlich stattgefunden haben.

Auch im Kampf um die Rettung Griechenlands in der Moderne – und damit der Europäischen Währungsunion – wird von den politisch Verantwortlichen getrickst und getäuscht. So soll etwa der Eindruck erweckt werden, der mögliche Kreditanteil Deutschlands in Höhe von bis zu 25 Milliarden Euro sei für den heimischen Steuerzahler ein lohnendes Geschäft. Die Griechen zahlten dafür mehr Zins, als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an Refinanzierungskosten habe, heißt es.

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Üppige Zinsen

Doch diese schöne Rechnung geht nur dann auf, wenn die Griechen in Zukunft tatsächlich in der Lage sein sollten, ihre fälligen Kredite zu bedienen. Und wenn Deutschland in Zukunft wegen höherer eigener Schulden nicht selbst üppigere Zinsen wird zahlen müssen. Dass beides eintreffen wird, ist wenig wahrscheinlich.

Die Wurzel allen Übels liegt – wieder einmal – bei den Banken. Die Geldhäuser weltweit haben Tausende Milliarden an Forderungen gegenüber dem Ausland in ihren Büchern. Frankreichs Geldhäuser 3773 Milliarden Dollar, Deutschlands Banken 3302 Milliarden Dollar. Das ist so weit nicht zu kritisieren. Schließlich gehören – bei den Großbanken zumindest – internationale Kredite zum Geschäftsmodell. Problematisch ist jedoch, dass die Banken erneut ihre Risiken nicht so gestreut haben, wie es ein vernünftiger Kaufmann getan hätte. Die deutschen Banken beispielsweise haben gegenüber dem spanischen Staat, Unternehmen und Privaten Forderungen in Höhe von 238 Milliarden Dollar, das entspricht 45 Prozent der Ausleihungen gegenüber den USA. Dabei ist die spanische Wirtschaft nur ein Zehntel so groß wie diejenige der Vereinigten Staaten.

Frankreichs Institute wären besonders von Turbulenzen zwischen Mailand und Palermo betroffen: 511 Milliarden Dollar haben sich Italiener vom Nachbarn geborgt – nur US-Amerikaner stehen beim Pariser Geldadel dicker in der Kreide.

Gegenüber dem kleinen Griechenland haben die deutschen Banken 45 Milliarden Dollar im Feuer. Die im Staatskreditgeschäft stark engagierte und inzwischen verstaatlichte Hypo Real Estate ist mit rund acht Milliarden Euro mal wieder vorne mit dabei, die Commerzbank mit drei Milliarden, die Postbank mit knapp 1,3 Milliarden Euro. Zudem droht auch solchen Banken, die bisher jegliche Probleme von sich weisen, möglicherweise Ungemach. So sind etwa die Investmentbanken große Spieler am Derivatemarkt. Dieser verharrt bei einem Vorkrisenvolumen von mehr als 600.000 Milliarden Dollar.

Wie viel Geld von wem auf welche Pleite gewettet wird, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Sicher ist, dass die Insolvenz eines größeren Staates auch die Banken mit in den Abgrund ziehen würde. Allein schon, weil Kreditversicherungsgeber möglicherweise Forderungen der Versicherungsnehmer nicht bedienen könnten. So verwundert es kaum, dass die Märkte nicht nur höhere Prämien für einen Kreditausfall Griechenlands und anderer Länder verlangen, sondern gleichzeitig auch Geldhäuser wie etwa die Deutsche Bank auf eine höhere Risikokategorie stufen.

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