Außenhandel: Profitieren vom arabischen Boom

Außenhandel: Profitieren vom arabischen Boom

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Porsche-Cabriolet im Duty-free-Shop-Angebot von Manama in Bahrain

von Hans Jakob Ginsburg

Deutsche Unternehmen versuchen, sich in der arabischen Welt neu aufzustellen. In den Ölstaaten macht der Boom das Geschäft einfach, aber in anderen Ländern droht die Rezession.

Axel Goehler bringt seine deutschen und arabischen Zuhörer zum verlegenen Grinsen, als er sein Geschäftsmodell anhand einer auf dem Beamer übergroß projizierten Arzneimittelpackung vorstellt. Es geht um einen Prostata-Schnelltest, hergestellt von Goehlers Pharmaunternehmen JPM in Jordanien und verkauft vor allem rund um den Persischen Golf. Dieser Schnelltest wird genau wie viele andere Medikamente, deren Patentschutz längst abgelaufen ist, in den Hochpreisländern Arabiens verkauft und im Billiglohnland Jordanien hergestellt – bis auf die Verpackung: Produkte aus Jordanien, die in Deutschland eingepackt werden, firmieren ganz legal in kuwaitischen oder saudischen Apotheken als Erzeugnisse der hoch angesehenen deutschen Pharmaindustrie. „Absolut kein Etikettenschwindel!“, versichert Goehler: Seine Erzeugnisse seien den gleichen Qualitätskontrollen unterworfen, die in Deutschland vorgeschrieben sind.

Im Jahr des großen arabischen Aufbruchs lechzt die deutsche Wirtschaft nach solchen Erfolgsmeldungen aus dem Nahen Osten. Dabei gehen viele Geschäfte glänzend. Das traditionelle Deutsch-Arabische Wirtschaftsforum der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer Ghorfa hat dieses Jahr um die 500 Unternehmer, Manager und Politiker nach Berlin gelockt. Sie lassen sich vorrechnen, dass die reichen Ölstaaten am Golf zusammengenommen die viertwichtigste Exportdestination deutscher Unternehmen sind – nach dem EU-Raum, Nordamerika und China. Martin Böll, Repräsentant der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft German Trade and Invest in Dubai, ist heute schon sicher, dass nach der Rezession von 2009 und der zaghaften Erholung 2010 in diesem Jahr die deutschen Exporte in die Golfstaaten vom superreichen Katar bis hin zum krisengeschüttelten Bahrain alle Ergebnisse von 2008 übertreffen werden: „Und das war schon ein außergewöhnliches Boomjahr!“

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Proteste in Syrien Quelle: Getty Images

Proteste in Syrien

Bild: Getty Images

Vom Boom profitieren allerdings große deutsche Konzerne stärker als alle anderen. Was zum Teil an den Mittelständlern liegt: „Viele scheinen derzeit ängstlich zu sein und wollen erst einmal abwarten – sicher ein Fehler“, klagt Nahostexperte Böll. Geplatzte Abmachungen in der Krise vor zwei Jahren provozieren jetzt eine Vorsicht, die große Unternehmen mit ihren oft jahrzehntealten Bindungen in der Region kaum kennen: Porsche, Mercedes und BMW verkaufen sich am Persischen Golf besser denn je, die Deutsche Bahn errichtet im superreichen Kleinstaat Katar ein ambitioniertes Eisenbahn- und Metronetz, Siemens baut überall am Golf Kraftwerke, mischt mit beim Auf- und Umbau der großen Flughäfen, beliefert die Krankenhäuser mit Spitzentechnologie.

Überdies konzentriert sich die Aktivität der deutschen Exporteure im Nahen Osten – und noch mehr die der Investoren – eindeutig auf die reichen Ölstaaten. Das hat natürlich viel mit der verbreiteten Unsicherheit über die Entwicklung des politischen Systems in allen anderen Ländern zu tun. Die Golfmonarchien gelten den Wirtschaftsleuten immer noch als stabil, auch wenn die Risse im sozialen Gefüge der Erdöl-Länder immer deutlicher werden. Es gibt aber vor allem einen unmittelbaren wirtschaftlichen Grund für das Verhalten der deutschen Unternehmen: Seriöse Prognosen verheißen den nicht mit Ölreichtum gesegneten arabischen Ländern ein ökonomisch katastrophales Jahr, inzwischen fast unabhängig von der weiteren politischen Entwicklung in Tunesien, Ägypten oder Syrien.

Die Kluft wächst

Die Kluft ist dramatisch. Nach einer Studie des von den weltweit größten Banken getragenen Washingtoner Institute of International Finance (IIF) wird das Bruttoinlandsprodukt im Öl- und Gas-Wunderland Katar 2011 wie schon im Vorjahr um 18 Prozent wachsen, in Saudi-Arabien immer noch um mehr als fünf Prozent. Für das revolutionäre Ägypten rechnen die IIF-Experten dagegen für 2011 mit einem BIP-Rückgang von 2,5 Prozent, für Tunesien von 1,5 Prozent. Sie beschreiben außerdem steigende Inflationsrisiken, die drohende Abwertung vieler arabischer Währungen und einen weiteren Anstieg der heute schon katastrophalen Jugendarbeitslosigkeit.

Schlechte Aussichten sind das auch für den erhofften Wandel zur Demokratie: Die Träger der Aufstandsbewegungen der vergangenen Monate haben sich vom Sturz der Diktatoren vor allem auch steigenden Wohlstand und mehr Arbeitsplätze versprochen.

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