Außenhandelsverband: Russland-Sanktionen beunruhigen Unternehmen

Außenhandelsverband: Russland-Sanktionen beunruhigen Unternehmen

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Diese Kartoffeln sollten aus Mecklenburg-Vorpommern nach Russland gehen – ausgeliefert wurden sie nicht.

Die Wirtschaftssanktionen verschlechtern laut dem Außenhandelsverband die Stimmung in den Konzernen und im Mittelstand. Auch die deutschen Landwirte sind alarmiert.

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland haben die Stimmung in deutschen Unternehmen nach Einschätzung des Außenhandelsverbands BGA deutlich verschlechtert. „Das große Problem sind Unsicherheit, Vertrauensverlust, Angst. Das drückt aufs Geschäft“, sagte der Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel, Anton Börner, dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Selbst Firmen, die mit Russland keine Geschäfte machten, würden sich überlegen, ob sie in dieser Lage investierten. „Es entsteht ein sich selbst verstärkender Prozess. Mir macht das Sorgen“, betonte Börner.

Die eigentlichen Sanktionen seien für die deutsche Wirtschaft „zu verschmerzen“. Dennoch werde „Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis das Vertrauen in Russland wieder hergestellt sein wird“.

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Geplante neue EU-Sanktionen gegen Russland

  • 1. Grundsatzbeschluss

    Wenn Firmen und milliardenschwere Oligarchen zur Destabilisierung der Ukraine beitragen, können sie auf eine schwarze Liste kommen.

  • 2. Grundsatzbeschluss

    Von Sanktionen betroffene Unternehmen dürfen keine Geschäfte mit EU-Firmen machen und können nicht mehr über Vermögenswerte in der EU verfügen. Anzahl und Namen der Unternehmen sind aber bisher offen.

  • 3. Grundsatzbeschluss

    Bis Ende Juli soll über eine erste Liste von Unternehmen entschieden werden, für die neuen Sanktionen gelten sollen.

  • 4. Grundsatzbeschluss

    Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll die Unterzeichnung neuer Finanzierungsmaßnahmen in Russland aussetzen. Zudem wird die EU-Kommission aufgefordert, die Programme für die Zusammenarbeit mit Russland gegebenenfalls auszusetzen. Projekte aber, die auf die Zivilgesellschaft ausgerichtet seien, sollen aufrechterhalten werden.

  • Rückblick

    Der EU-Gipfel vom 27. Juni hatte Russland aufgefordert, bis zum 30. Juni unter anderem für die Freilassung von OSZE-Geiseln zu sorgen und an Friedensverhandlungen teilzunehmen. Auf ausbleibende Fortschritte reagierte der EU-Ministerrat am 11. Juli mit elf weiteren Einreiseverboten und Kontensperrungen. Zudem wird als ein Grund für die Ausweitung eine mangelhafte Grenzkontrolle genannt.

    Die EU und die Ukraine haben am 27. Juni ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es soll den EU-Markt für die Ukraine öffnen und zugleich demokratische Reformen im Land unterstützen. Außerdem hat die EU eine Zahlungsbilanzhilfe in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zugesagt. In den nächsten Jahren sollen auch EU-Hilfsmaßnahmen mit einem Volumen von elf Milliarden Euro greifen.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) spricht von „deutlicher Verunsicherung“ bei Mittelständlern. „Viele Unternehmen halten sich in ihren Beziehungen zu russischen Partnern stärker zurück als es die Sanktionen erfordern“, sagt DIHK- Außenwirtschaftsexperte Volker Treier.

Doch auch die deutschen Landwirte sind nach dem Einführverbot für westliche Agrar-Erzeugnisse nach Russland arlamiert. Darunter fallen neben Obst und Gemüse auch Fleisch-, Fisch- und Molkerei-Produkte. Bis dato gingen rund zehn Prozent aller Agrarexporte der EU nach Russland. Deshalb bekommen viele europäische Landwirte jetzt direkt oder indirekt die Folgen zu spüren.

Preisverfall wird kommen

Die hiesigen Bauern exportierten vergangenes Jahr Obst und Gemüse im Wert von rund 60 Millionen Euro nach Russland. Das ist zwar verhältnismäßig wenig. Sie fürchten nun aber einen starken Preisverfall. Aufgrund des milden Winters und des warm-feuchten Sommers fällt die Apfelernte in Deutschland beispielsweise 29 Prozent besser aus als vor Jahresfrist.

Andere Länder wie Polen haben in der Vergangenheit besonders viele Äpfel nach Russland exportiert. Da sie diese dort nun aber nicht mehr absetzten dürfen, könnten die Äpfel letztlich auf dem europäischen Markt landen. Dieses Überangebot kann zu einem Preisverfall führen. „Aber keiner kann sagen, um wie viel der Preis fällt, jedoch sind sich alle Experten einig, dass er fallen wird“, klagt Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband.

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Quelle: dpa

Auch den Griechen fehlt auf einmal ein großer Abnehmer für Pfirsiche. Als Russland das Einfuhrverbot in Kraft setzte, waren gerade mit rund 8000 Tonnen beladene Lkw auf dem Weg nach Russland. Im Norden Griechenlands mussten die Laster stoppen, da sie ihre Ware nicht hätten ausliefern können. Die Pfirsiche wurden eingefroren.

Auch andere Zweige der Agrarwirtschaft sind von dem Einfuhrverbot direkt betroffen. Beispielsweise stellte Europas größte Molkerei Arla Foods mit Sitz in Dänemark umgehend die gesamte Produktion für den russischen Markt ein. Das Russlandgeschäft macht immerhin 1,3 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Russland spürt die eigenen Sanktionen

Auch auf russischer Seite sind Konsequenzen deutlich zu spüren. Zwar haben Restaurants und Lebensmittelhändler noch einen Vorrat an europäischen Produkten, aber diese werden bald zuneige gehen. Deshalb hat die Suche nach Alternativen bereits begonnen. Profiteure sind vor allem die südamerikanischen und asiatischen Landwirte.

Aber nicht nur: „Die Nachfrage aus Russland nach türkischen Produkten zog an, nachdem die Beschränkungen im Handel mit den USA und der EU verhängt wurden“, sagt der Chef des Außenhandelsverbands, Mehmet Buyukeksi, der Nachrichtenagentur Reuters. Besonders die Nachfrage nach Geflügel und Meeresfrüchten dürfte deutlich steigen, doch könne die Türkei auch mehr Obst und Gemüse liefern.

Aber nicht für alles gibt es Alternativen. Französischer Käse, italienischer Parma-Schinken oder australische Ribeye Steaks – viele regionale Spezialitäten werden wohl bald von den Speisekarten in russischen Restaurants verschwinden. „Wir werden unser Bestes geben, um zu überleben“, sagt Alexej Paperni, Besitzer des Moskauer Cafés „Kinder des Olymp“. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Restaurant oder Café unter diesen Umständen existieren kann.“

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