Australien: IS-Anhänger planten Enthauptung von Passanten

Australien: IS-Anhänger planten Enthauptung von Passanten

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In Australien wurden 15 Menschen während einer Anti-Terror-Razzia festgenommen.

Extremisten wollten in Australien Bürger enthaupten und die Bluttaten filmen. Die Polizei hat das mit einem großen Anti-Terror-Einsatz vereitelt. Jetzt sind Racheakte gegen Muslime zu befürchten.

Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben in Australien nach Erkenntnissen der Geheimdienste die Enthauptung von Bürgern ähnlich wie im Irak und Syrien geplant. Die Polizei verhinderte die Anschläge mit der größten Anti-Terror-Razzia der australischen Geschichte und nahm am Donnerstag im Morgengrauen 15 Menschen fest.

Die Opfer sollten auf offener Straße etwa in Sydney entführt werden. Die Leichen hätten die Täter dann in die Flagge der im Irak und in Syrien aktiven Terrormiliz hüllen wollen, meldete der Nachrichtendienst Fairfax News. Anschließend sei die Veröffentlichung von Videos der Gräueltaten geplant gewesen. Die meisten seien afghanischer Abstammung, hieß es. Ein 22-Jähriger wurde vor Gericht wegen geplanter Terroranschläge angeklagt. Der Mann habe einen Anschlag geplant, der „die Gesellschaft schockieren, entsetzen und verängstigen“ sollte, sagte Staatsanwalt Michael Allnutt.

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Fakten zum Terror im Irak

  • Wer verbirgt sich hinter ISIS/IS?

    Die Terrorgruppe ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) ist eine im Syrienkrieg stark gewordene Miliz. Die Gruppe steht seit 2010 unter Führung eines ambitionierten irakischen Extremisten, der unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi bekannt ist. Die USA haben zehn Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt. Ihm ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, aus einer eher losen Dachorganisation eine schlagkräftige militärische Organisation zu formen. Ihr sollen bis zu 10.000 Kämpfer angehören.

    Die Gruppe nannte sich Ende Juni in IS um, da sie die Einschränkung auf den Irak und Syrien aufheben wollte.

  • Was sind die Ziele von ISIS?

    ISIS sind Dschihadisten, Gotteskrieger. Sie kämpfen für eine strikte Auslegung des Islam und wollen ihr eigenes „Kalifat“ schaffen. Ihre fundamentalistischen Ziele verbrämt Isis bisweilen - wenn es in einzelnen Regionen gerade opportun erscheint. „Im Irak gerieren sie sich als Wahrer der sunnitischen Gemeinschaft“, weiß Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak. „In Syrien vertreten sie ihre Ideologie und ihr Projekt weit offener.“ In der syrischen Stadt Rakka beispielsweise setzen die Extremisten ihre strikte Auslegung islamischer Gesetze durch. Aktivisten und Bewohner in der Stadt berichten, dass Musik verboten wurde. Christen müssen eine „islamische Steuer“ für ihren eigenen Schutz zahlen.

  • Welche Taktik verfolgt ISIS?

    Ihre Taktik ist eine krude Mischung von brutaler Gewalt und Anbiederung - alles zwischen Abschreckung durch das Köpfen von Feinden und Eiscreme für die Kinder in besetzen Gebieten. Das alles dient der Al-Kaida-Splittergruppe Isis nur zu einem Ziel: den Islamischen Staat im Irak und Syrien zu bilden, den ihr Name verheißt. Die Gruppe, der bis zu 10.000 Kämpfer angehören sollen, hat diese Woche die irakischen Städte Mossul und Tikrit überrannt und den Marsch auf Bagdad angekündigt.

  • Wie weit ist ISIS damit gekommen?

    Zu Jahresbeginn hatte Isis bereits die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen hat ISIS maßgeblichen Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht. Der einstige Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, den US-Truppen vor ihrem Abzug aus dem Irak 2011 besiegt zu haben meinten, blüht in einer neuen Inkarnation wieder auf. Dabei profitiert Isis von den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, die ihre sunnitische Anhängerschaft radikalisieren.

    Bislang drangen ISIS-Kämpfer bis zur Provinz Dijala knapp 60 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Mittlerweile haben die Kämpfer die Städte Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

  • Wie finanziert sich ISIS?

    Nach dpa-Informationen erbeuteten ISIS-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro. Auch schweres Kriegsgerät soll ISIS erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

  • Welche Auswirkungen hat der Feldzug von ISIS auf die Bevölkerung?

    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

  • Warum ruft der Irak nicht den Notstand aus?

    Ministerpräsident Al-Malikis Versuch, am 12. Juni 2014 den Notstand auszurufen, war am Parlament gescheitert, das eine Abstimmung wegen mangelnder Beteiligung verschob. Seit Monaten zeigt sich Al-Maliki praktisch machtlos gegen den Terror sunnitischer Extremisten im Land. Dieser kostete seit April 2013 Tausenden Menschen das Leben.

  • Bekommt der Irak Unterstützung?

    Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu. Die Nato und Großbritannien schlossen einen militärischen Eingriff aus. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Mittlerweile prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

800 Polizisten waren nach Angaben der Bundespolizei an den Razzien in Sydney und in Brisbane beteiligt. Nach Medienberichten wurden Macheten, Gesichtsmasken und Kampfanzüge sichergestellt. „Ich fürchte, es gibt Gruppen in diesem Land, die uns, obwohl sie hier den australischen Lebensstil genießen, Böses wollen“, sagte Regierungschef Tony Abbott. „Wie allen Australiern dreht sich mir der Magen um, wenn ich daran denke, dass Bilder (von Gräueltaten), die wir nur aus anderen Teilen der Welt kennen, auch auf unseren Straßen passieren könnten“, meinte Oppositionsführer Bill Shorten.

Polizei ruft zu Ruhe auf

Aus Angst vor Übergriffen auf die muslimische Bevölkerung rief der zuständige Polizeichef Andrew Scipione die Menschen zur Ruhe auf. „Wir sollten dies nicht aufbauschen - alle Aktionen, die in Planung gewesen sein könnten, sind vereitelt worden.“

Die Anschläge seien bereits konkret geplant gewesen, sagte Abbott. Der 22-Jährige soll diese Woche per Telefon Instruktionen von einem ranghohen australischen IS-Mitglied erhalten haben. Der Mann blieb in Gewahrsam und soll am 13. November wieder vor Gericht erscheinen.

Viele der Festgenommenen standen offenbar seit geraumer Zeit unter Beobachtung. Einige wollten nach Syrien oder in den Irak reisen, um für die Terrormiliz zu kämpfen, doch seien ihnen die Pässe verweigert worden, sagte der Antiterrorexperte Clive Williams im Fernsehen. Die Regierung schätzt, dass sich 60 Australier Extremisten in Syrien und im Irak angeschlossen haben. Weitere 100 in Australien gelten als radikale Sympathisanten.

Weitere Artikel

Die Behörden hatten die Terrorwarnstufe vergangenen Freitag von der mittleren Stufe auf „hoch“ gesetzt. Kurz zuvor wurden in Brisbane zwei Männer festgenommen und wegen Rekrutierung für eine Terrororganisation im Syrien angeklagt. Die Millionenstadt an der Ostküste ist im November Gastgeber des G20-Gipfels mit den Staats- und Regierungschefs der größten Industrieländer.

Abbott verabschiedete am Donnerstag in Darwin 600 Soldaten, die den Kampf gegen die Extremisten unterstützen sollen. Sie flogen zunächst in die Vereinigten Arabischen Emirate.

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