Auszeichnung: Friedensnobelpreis geht an Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi

Auszeichnung: Friedensnobelpreis geht an Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi

, aktualisiert 10. Oktober 2014, 12:47 Uhr
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Malala Yousafzai aus Pakistan wurde mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der Friedensnobelpreis 2014 geht an zwei Preisträger: Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi teilen sich die Auszeichnung für ihr Engagement für die Rechte von Kindern.

Die Jury in Oslo hat das Geheimnis um den diesjährigen Friedensnobelpreisträger gelüftet: Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi erhalten die Auszeichnung für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Menschen sowie für das Recht auf Bildung für alle Kinder.

Die heute 17 Jahre alte Malala wurde 2012 weltbekannt, nachdem die Taliban sie wegen ihres Engagements für Schulbildung für Mädchen angeschossen und schwer verletzt hatten. Malala lebt seit dem Anschlag in Birmingham. Die pakistanischen Taliban drohen ihr für den Fall ihrer Rückkehr mit dem Tod. Das Mädchen wurde 2013 mit dem Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments, dem Sacharow-Preis, ausgezeichnet.

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Kailash Satyarthi (l) ist ein indischer Kinderrechtsaktivist

Der 60-jährige Kailash Satyarthi ist ein indischer Kinderrechtsaktivist. Er wurde bereits in den Neunzigerjahren etwa mit dem Aachener Friedenspreis und dem Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Die Stiftung ehrte Satyarthi 1999 für "seinen unermüdlichen Einsatz gegen Kindersklaverei in Südasien". Er war zum Beispiel maßgeblich daran beteiligt, dass 1994 das "Rugmark"-Kontrollsiegel eingeführt wurde. Das Siegel wird für Produkte wie etwa Teppiche vergeben, bei denen nachweislich keine Kinderarbeit im Spiel war.

"In der Tradition von Mahatma Ghandi"

Derzeit gebe es etwa 168 Millionen Kinderarbeiter in der Welt, sagte der Chef des Nobel-Komitees, Thorbjoern Jagland. "Im Jahr 2000 war diese Zahl um 78 Millionen höher." Die Welt komme ihrem Ziel näher, Kinderarbeit zu beseitigen. Eine besondere Symbolkraft sieht das Nobel-Komitee darin, dass der Preis an einen Hindu aus Indien und eine Muslima aus Pakistan vergeben wird, die gemeinsam für Bildung und gegen Extremismus kämpfen. Beide Religionsgruppen und Staaten haben eine lange Geschichte gewaltsamer Auseinandersetzungen und Kriege.

Satyarthi habe großen persönlichen Mut bewiesen und in der Tradition von Mahatma Ghandi auf unterschiedliche Weise gegen die Ausbeutung von Kindern für wirtschaftliche Ziele protestiert - immer friedlich. Er habe auch zur Ausarbeitung internationaler Kinderrechte beigetragen. Satyarthi widmete den Preis in einer ersten Reaktion "all jenen Kindern, die unter Sklaverei, Zwangsarbeit und Kinderhandel leiden".

Malala habe trotz ihrer Jugend schon jahrelang für die Rechte von Mädchen in ihrer Heimat Pakistan gekämpft. Sie sei ein gutes Beispiel dafür, wie junge Menschen selbst zur Verbesserung ihrer Lage beitragen könnten. Dabei seien ihre persönlichen Lebensumstände sehr gefährlich. „Durch ihren heroischen Einsatz ist sie die führende Sprecherin für das Recht von Mädchen auf Bildung geworden“, erklärte das Komitee. Sie ist die jüngste Preisträgerin aller Zeiten.

Glückwünsche von Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der jungen Pakistanerin und Satyarthi zum Friedensnobelpreis gratuliert. Merkel begrüßte nach Angaben der Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz insbesondere, dass damit das Verdienst der beiden für Kinderrechte beachtet werde.

Bei der Rekordzahl von 278 vorgeschlagenen Kandidaten für 2014 dürfte dem Nobelkomitee die Wahl alles andere als leicht gefallen sein. Die bekannten Nominierungen reichten von Papst Franziskus über den US-Whistleblower Edward Snowden bis zu dem kongolesischen Arzt Denis Mukwege. Erst vor einer Woche soll sich das norwegische Komitee auf einen Preisträger geeinigt haben, berichtete der Fernsehsender "NRK".

Während Tipper im Internet auch auf einen Preis für UN-Chef Ban Ki Moon oder Altkanzler Helmut Kohl setzten, sahen manche Friedensforscher kurz vor der Verkündung das japanische Volk vorne, das sich für den Erhalt seiner pazifistischen Verfassung einsetzt.

Der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstitutes Prio tippte auf die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“. „Unabhängige Berichterstattung und freie Medien tragen zu Frieden bei, indem sie Regierungen (...) zur Verantwortung ziehen“, erklärte Kristian Berg Harpviken. „Trotzdem hat noch kein Medium den Friedenspreis bekommen.“

Zehn Mythen über den Nobelpreis

  • Hitler wurde für den Friedensnobelpreis nominiert

    Richtig. Adolf Hitler wurde 1939 von dem schwedischen Abgeordneten E.G.C. Brandt für den Preis nominiert, der „Brüderlichkeit unter den Nationen“ und weltweite Abrüstung vorantreiben soll. Brandt zog die Nominierung später zurück und erklärte, sie sei satirisch gemeint gewesen. Die Episode zeigt, dass praktisch jedermann nominiert werden kann. Über die Aussichten, den Preis tatsächlich zu bekommen, sagt eine Nominierung nichts aus.

  • Alle Nobelpreise werden in Stockholm verliehen

    Falsch. Der Friedensnobelpreis wird, wie von Alfred Nobel verfügt, in Oslo verkündet und verliehen. Warum Nobel das so wünschte, ist nicht bekannt, doch waren Schweden und Norwegen zu seinen Lebzeiten in einer Personalunion verbunden.

  • Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ist kein echter Nobelpreis

    Richtig. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften zählte nicht zu den fünf Auszeichnungen, die Alfred Nobel in seinem Testament für die Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden forderte. Er wurde 1968 zu Ehren Nobels von der schwedischen Zentralbank gestiftet. Er wird gemeinsam mit den anderen Preisen bekanntgegeben, ist mit demselben Preisgeld in Höhe von acht Millionen schwedischen Kronen (878.000 Euro) dotiert und wird bei der jährlichen Nobelpreiszeremonie im Dezember verliehen. Doch formal ist er kein Nobelpreis. Der offizielle Name lautet „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank“.

  • Fast alle Preisträger sind Männer

    Richtig. Von den 847 Personen, die bislang einen Nobelpreis erhielten, waren nur 44 Frauen - das sind gerade einmal rund fünf Prozent der Preisträger. 15 Frauen wurden mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet, während nur eine - die US-Forscherin Elinor Ostrom 2009 - den Preis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. Das Geschlecht spiele bei ihrer Entscheidung über die Preisträger jedoch keine Rolle, sagen die Nobel-Juroren. Das Verhältnis spiegele nur die historische Dominanz von Männern in vielen Forschungsbereichen wider.

  • Nobelpreise können posthum verliehen werden

    Falsch. Seit 1974 werden von den Preiskomitees nur lebende Personen berücksichtigt. 2011 machte die Nobelstiftung allerdings eine Ausnahme: Erst unmittelbar nach der Bekanntgabe des Preises für Medizin hatte sich herausgestellt, dass einer der Geehrten, der kanadische Immunforscher Ralph Steinman, wenige Tage zuvor gestorben war. Die Stiftung beließ es bei der Entscheidung, Steinmans Anteil am Preisgeld ging an seine Hinterbliebenen.

  • Man kann nur in einer Kategorie nominiert werden

    Falsch. Die Französin Marie Curie gewann 1903 den Preis für Physik und 1911 den für Chemie. Der US-Chemiker und Friedensaktivist Linus Pauling erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie, acht Jahre später wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

  • Churchill gewann den Friedensnobelpreis

    Falsch. Der redegewandte, konservative britische Politiker Winston Churchill erhielt zwar einen Nobelpreis, allerdings in der Kategorie Literatur. Er wurde damit 1953 „für seine meisterlichen historischen und biografischen Schilderungen sowie für brillante Rhetorik bei der Verteidigung erhabener menschlicher Werte“ ausgezeichnet.

  • Auch vier oder mehr Personen können sich einen Nobelpreis teilen

    Falsch. Die Nobelstatuten besagen, dass die Auszeichnungen unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden können, doch in keinem Fall „darf eine Preissumme unter mehr als drei Personen aufgeteilt werden“.

  • Ein Nobelpreis kann nicht wieder entzogen werden

    Richtig. Die Nobelstatuten sind diesbezüglich eindeutig. Wer einen Nobelpreis bekommen hat, behält ihn für immer. Paragraf 10 lautet: „Gegen die Entscheidung eines Preisgremiums dürfen keine Einsprüche bezüglich der Zuerkennung eines Preises erhoben werden.“ Online-Petitionen, die zum Entzug eines bestimmten Preises aufrufen, sind daher wirkungslos.

  • Man kann nur einmal einen Nobelpreis gewinnen

    Falsch. Es gibt keine Obergrenze, wie oft jemand mit einem Nobelpreis geehrt werden kann. Der US-Wissenschaftler John Bardeen gewann den Preis für Physik zweimal, 1956 und 1972. Der britische Biochemiker Frederick Sanger erhielt zwei Preise für Chemie, 1958 und 1980.

Mit der Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers geht die Woche der Nobelpreise zu Ende. Seit Montag hatten Jurys in Stockholm Preisträgern Auszeichnungen in Medizin, Physik, Chemie und Literatur zugesprochen.

Alle Preise sind mit jeweils acht Millionen schwedischen Kronen (rund 880.000 Euro) dotiert und werden an Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember, verliehen. Anders als die anderen Auszeichnungen wird der Friedenspreis in Oslo übergeben. Im vergangenen Jahr war die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen mit dem Preis geehrt worden.

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