Autobranche: Umstrittener Deal zwischen EU und Korea

Autobranche: Umstrittener Deal zwischen EU und Korea

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Korea hat im vorigen Jahr mehr Autos in die Europäische Union exportiert als umgekehrt

Die EU will noch in diesem Herbst ein Freihandelsabkommen mit Südkorea abschließen. Die europäische Autoindustrie fürchtet großen Schaden, wenn die asiatische Konkurrenz zollfrei auf den europäischen Markt kommt – und hofft, dass der Deal doch noch platzt.

Eine interne Aktennotiz der Kommission, die der WirtschaftsWoche vorliegt, zeigt, dass innerhalb der Brüsseler Behörde die Bedenken gegen das Abkommen wachsen. Bisher ist der Handel mit Autos zwischen Europa und Südkorea wenig ausgewogen. Im vergangenen Jahr importiere Europa insgesamt 700.000 Fahrzeuge aus Südkorea, exportierte dorthin aber nur 28.000 Wagen. Der europäische Automobilverband Acea fürchtet, dass sich das Ungleichgewicht  noch verstärken wird, wenn das Freihandelsabkommen erst einmal in Kraft ist. Der Anteil der koreanischen Importe an den europäischen Autoimporten, der jetzt schon bei 20 Prozent liegt, könnte erheblich zunehmen.

Mit Unbehagen sieht die Autoindustrie, dass die schwedische EU-Ratspräsidentschaft das Abkommen forciert. Erst kürzlich betonte der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeld, dass der Deal nach der Sommerpause rasch unter Dach und Fach gebracht werden soll. Ganz anders dagegen die Situation in den USA: Aus Angst vor Wettbewerbsverzerrungen wird dort das Freihandelsabkommen mit Südkorea erst einmal nicht ratifiziert.

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Unfaire Bedingungen

Nach den jüngsten Verhandlungen zwischen der EU und Südkorea fürchten die europäischen Autohersteller unfaire Bedingungen. Konkret wären die koreanischen Hersteller begünstigt, weil sie vom Staat die Einfuhrzölle für Zwischenprodukte zurückerstattet bekämen.

Baut etwa ein koreanischer Hersteller ein chinesisches Autoradio ein und exportiert den Wagen, muss er für die Komponente keinen Zoll bezahlen. Acea schätzt, dass sich daraus pro Wagen eine Subvention von 320 Euro für koreanische Hersteller ergibt. Die europäischen Automobilbauer stören sich zusätzlich daran, dass südkoreanische Autos zollfrei auf den europäischen Markt kommen können, selbst wenn sie nur zu 45 Prozent in Südkorea gefertigt sind. Damit öffne die EU ihren Markt indirekt für Autos aus China, prognostizieren die europäischen Autohersteller.

EU-Handelskommissarin Catherine Ashton, hat diesen Argumenten bisher immer die potenziellen Vorteile für andere Branchen entgegen gehalten. Durch den Abbau der Zöll erspare sich die europäischen Exporteure im Jahr 1,6 Milliarden Euro, betont sie. Allein auf die europäische Industrie entfielen davon eine Ersparnis von 1,2 Milliarden Euro.

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