Axel Ockenfels: „Es kann nicht jedes Land walten, wie es will“

ThemaUmweltschutz

InterviewAxel Ockenfels: „Es kann nicht jedes Land walten, wie es will“

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Axel Ockenfels

von Dieter Dürand

Der Kölner Ökonom kritisiert die bisherige Klimapolitik und fordert einen globalen Preis für Treibhausgase.

WirtschaftsWoche: Herr Ockenfels, nach gut 20 Jahren Verhandlungen wollen sich 194 Staaten im Dezember in Paris endlich auf verbindliche Klimaziele einigen. Wird der Durchbruch diesmal gelingen?

Ockenfels: Es wird Schulterklopfen und Erfolgsmeldungen geben. Aber Paris wird den Klimawandel nicht nachhaltig bremsen und keine gemeinsame Verpflichtung bringen.

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Die meisten Länder haben aber bereits teils ambitionierte Reduktionsziele gemeldet. Warum sind Sie so pessimistisch?

Pläne melden ist das eine, sie einzuhalten das andere, wie die Geschichte der Klimaverhandlungen beweist. Und vieles, was als ambitioniert verkauft wird, erweist sich bei näherem Hinsehen als unverbindliches Wunschdenken. Auch sind etwa Chinas Pläne den lokalen Umweltverschmutzungen geschuldet und nicht der Klimaproblematik. Dass so viele Länder Pläne einreichen, reflektiert doch letztlich nur, dass jedes Land walten kann, wie es will.

Zur Person

  • Axel Ockenfels

    Axel Ockenfels, 46, ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität zu Köln. Mit internationalen Kollegen fordert er im Fachmagazin "Nature" eine grundlegende Neuausrichtung der Klimapolitik.

Die Pariser Konferenz ist also eine Farce?

Nein. Miteinander reden ist Voraussetzung für erfolgreiche Kooperation. Wenn es aber darum geht, wie der gute Wille in eine effektive Klimaschutzpolitik umgewandelt werden kann, ist das gegenwärtige Verhandlungsformat nicht geeignet.

Worin besteht der Fehler?

Jeder weiß: Wenn man beim Abwasch in der Wohngemeinschaft, beim internationalen Handel oder bei der Verteilung von Flüchtlingen in Europa jede Partei für sich definieren lässt, was sie will, kann das nicht funktionieren. Das ist beim Klimaschutz nicht anders.

Weil es zu viele Trittbrettfahrer gibt?

Genau. Deswegen wird eine Verpflichtung benötigt, die auf Gegenseitigkeit fußt. Dies ist die zentrale Schlussfolgerung der empirischen und theoretischen Kooperationsforschung. Die Blockade bei den Klimaverhandlungen ist kein Schicksal, sondern ein Problem des Verhandlungsprozesses, das man reparieren kann.

Was schlagen Sie vor?

Wir empfehlen, dass die Staaten über einen einheitlichen globalen Preis für CO2 verhandeln. Wie jedes Land den Preis erreicht, ob über einen Emissionshandel oder eine Brennstoffsteuer, ist ihm überlassen.

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