Axel Weber: „Wir müssen den Markt zurückbringen in die Marktwirtschaft“

Axel Weber: „Wir müssen den Markt zurückbringen in die Marktwirtschaft“

, aktualisiert 03. November 2011, 13:25 Uhr
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Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber zum Rettungspaket für Griechenland: „Die Annahme ist alternativlos“

von Oliver StockQuelle:Handelsblatt Online

Finanzanleger schwelgen in einer Vollkaskomentalität, schimpft Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber. Der zukünftige Präsident der Schweizer UBS zerreißt die bisherige Krisenpolitik und mahnt die G20-Teilnehmer zur Umkehr.

FrankfurtEr ist der Mahner, der kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Axel Weber ist noch nicht Präsident der Schweizer Großbank UBS und nicht mehr Präsident der deutschen Bundesbank. In dieser Zwischenphase, wo die Rücksichten auf Politik und Dienstherren am kleinsten sind, hat er heute, während in Cannes die Spitzen der 20 größten Industrieländer um Wege aus der Schuldenkrise ringen, in der Frankfurter Oper auf Einladung eines Fondsanbieters sein Konzept zur Lösung der Schuldenkrise vorgetragen. Es ist Webers Weg. Und er hebt sich wohltuend von der Krisenhektik in Cannes ab.

Der Präsident im Zwischenruhestand greift zu harten Worten. „Die Diskussion, dass es keine Alternative zum jetzigen Handeln in der europäischen Schuldenkrise gibt, hören wir seit zwei Jahren. Gleichzeitig hat der Markt aber immer mehr Zweifel, ob die Schuldenländer jemals wieder ihre Schulden zurückzahlen können“, sagt er und macht deutlich, dass Merkel, Sarkozy und Co. einen falschen Ansatz gewählt haben. Seine Analyse: „Jeder Anleihekäufer, der einst glaubte, griechische Staatsanleihen seien fast so zu bewerten wie deutsche, hat eine massive Fehlspekulation gemacht.“

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Seine Schlussfolgerung: Deswegen müsse jeder dieser Käufer jetzt auch zur Lösung des Problems herangezogen werden. „Wir haben es uns in Europa anderthalb Jahre geleistet, über irrelevante Alternativen zu reden. Alle bisherigen Ideen laufen unter dem Motto, wie kann ich das Geld der anderen verwenden, um mir selbst zu helfen“, lautet die Botschaft aus Frankfurt in Richtung Cannes.

Nicht viel Gutes kann Weber dieser Form des Krisenmanagements abgewinnen. Eurobonds, also die lange diskutierte Staatsanleihe, die die europäischen Länder gemeinsam ausgeben könnten, seien Instrumente einer „Liebesehe“, sie stammten aber nicht aus einer „Vernunftehe“. Der Rettungsfonds ist seiner Meinung nach nicht richtig konstruiert. Bevor Marktteilnehmer Verluste erlitten, werde der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Der Hebel, der jetzt eingebaut werden soll, um das Volumen des Rettungsfonds zu erhöhen, bedeute nichts weiter als eine höhere Verlustwahrscheinlichkeit für den Steuerzahler.


"Italien hat das falsche Geschäftsmodell"

Damit nicht genug. Weber rechnet vor: Je mehr Länder aus diesem Rettungsschirm Hilfe brauchen, desto weniger zahlen noch ein. Im schlimmsten Fall müsse Deutschland die Verschuldung der Euroländer allein schultern, was zu einer Steigerung des Verschuldungsgrads führen würde. Am Ende hätte Deutschland dann eine Staatsverschuldung von 314 Prozent des BIP - statt der jetzigen 84 Prozent. „Die letzte große Idee, wie andere unsere Krise lösen können“, donnert Weber vom Rednerpult, „ist diejenige, China, Russland und Brasilien nun auch noch als Investoren zu gewinnen.“

Die Alternative zu dieser Politik laute: Europa muss sich selber helfen. Dazu müsse vor jedem Hilfsprogramm für Schuldnerländer der Schuldenschnitt stehen, den die bezahlen, die sich mit ihrer Investition in das Land verspekuliert haben. Das bedeute, dass gleichzeitig mit dem Schuldenschnitt die europäischen Banken rekapitalisiert werden müssen. „Wir müssen den Markt zurückbringen in die Marktwirtschaft“, sagte Weber.

„Finanzanleger dürfen keine Vollkaskomentalität entwickeln.“ Zu viele Versicherungen seien schädlich. „Ich glaube es wäre falsch das Fieberthermometer zu zerbrechen und die Disziplinierungsfunktion der Märkte auszuschalten.“

Bei aller großen Perspektive, die sich der Mahner aus Frankfurt vorgenommen hatte, bemühte er sich doch noch um Details. Details wie die geplante Volksabstimmung der Griechen zur Annahme des Rettungsrings, den ihnen die EU zugeworfen hat. „Die Annahme ist alternativlos“, sagte Weber. Ansonsten brächen auch noch die letzten sozialen Sicherungssysteme in Griechenland zusammen.

Und was ist mit der Angst vor einem Zusammenbruch Italiens? Da gibt sich Weber entspannt. „Italien“, meint er, „hat nur das falsche Geschäftsmodell.“ Anstatt Steuern zu erheben, habe das Land seinen Bürgern eine in Europa einmalige Vermögensbildung erlaubt. Dieses Geschäftsmodell sei am Ende. „Italien wird seine Fiskalpolitik ändern müssen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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