Bank of England: Neuer Notenbanker hat klaren Auftrag

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Bank of England: Neuer Notenbanker hat klaren Auftrag

von Yvonne Esterházy

Die Bank of England bekommt einen neuen Chef, den Kanadier Mark Carney. Sein Auftrag: vor den Wahlen 2015 mit expansiver Geldpolitik die Konjunktur anzukurbeln.

Es ist das Ende einer Ära: Nach zehn Dienstjahren geht an diesem Montag der Gouverneur der Bank of England (BoE), Mervyn King, von Bord. Mit dem Kanadier Mark Carney rückt dann erstmals in der 319-jährigen Geschichte der „Old Lady of Threadneedle Street“ ein Ausländer an die Spitze der britischen Notenbank – ein Mann, den Finanzminister George Osborne überschwänglich als den „besten und erfahrensten Kandidaten auf der Welt“ hochjazzt.

In der Tat hat sich der 48-Jährige als Chef der kanadischen Notenbank einen guten Namen gemacht. Fachlich ist der in Oxford promovierte Ökonom und Harvard-Absolvent, der für Goldman Sachs 13 Jahre lang auf drei verschiedenen Kontinenten arbeitete, gut für seine künftige Rolle gerüstet. Auch die nötige Härte für das geldpolitische Tagesgeschäft sollte der ehemalige Eishockeyspieler mitbringen. Und dass Carney seinen eigenen Sprecher mitbringt, lässt darauf schließen, dass bei der BoE künftig mehr Klartext gesprochen wird.

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Wachstums- und Inflationsrate in Großbritannien in Prozent Quelle: EU-Kommission

Wachstums- und Inflationsrate in Großbritannien in Prozent (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: EU-Kommission

Von Carney erhofft sich die angeschlagene Regierung wahre Wunder. Seit April ist die BoE nicht mehr allein für Geldpolitik zuständig, sondern auch für Finanzmarktstabilität und die Bankenaufsicht. Osborne erwartet von seinem neuen Mann, dass er der stotternden Wirtschaft im Königreich bis zu den Wahlen im Mai 2015 mit expansiver Geldpolitik neuen Schwung verleiht. Den dritten Rückfall in die Rezession seit 2007 hat Großbritannien im ersten Quartal dieses Jahres zwar vermieden, doch hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sein Vorkrisenniveau immer noch nicht erreicht.

Deshalb steht der neue BoE-Chef unter massivem politischem Druck. Er soll wie Haruhiko Kuroda in Japan die Geldschleusen weiter öffnen, um die Konjunktur anzukurbeln, und dafür zu sorgen, dass sich die horrenden Schulden der öffentlichen Hand durch Inflation entwerten.

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Quelle: dpa/dpaweb

Im März schuf Finanzminister Osborne die Voraussetzung dafür: Demnach bleibt das Inflationsziel der Notenbank von zwei Prozent zwar bestehen, obwohl es seit etwa vier Jahren nicht mehr eingehalten werden konnte. Doch gleichzeitig erhält die BoE neue Spielräume für unkonventionelle Instrumente, etwa den Kauf von Unternehmensanleihen und Maßnahmen zur Steuerung der Zinserwartungen. Osborne hat den geldpolitischen Ausschuss der BoE (MPC) zudem im März dazu verdonnert, einen Bericht zu erstellen, inwiefern die Notenbank künftig andere Richtgrößen außer der Inflationsrate in ihre Geldpolitik einbeziehen kann.

City-Volkswirte erwarten nun, dass der neue Chef ein zeitlich begrenztes Bekenntnis zu niedrigen Zinsen ablegen und dies an bestimmte Kriterien, etwa das nominale Wirtschaftswachstum, koppeln wird. Schon Vorgänger Mervyn King hatte eine extrem lockere Geldpolitik gefahren: Die Leitzinsen befinden sich seit 2009 auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Zudem pumpte die BoE über den Kauf von Staatsanleihen 375 Milliarden Pfund in die Wirtschaft.

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