Bankenkrise: Warum spanische Banken erst jetzt in den Krisensog geraten

Bankenkrise: Warum spanische Banken erst jetzt in den Krisensog geraten

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Banken, Madrid: Der Anteil der faulen Kredite hat sich vervierfacht

Eine lange Zeit konnte sich Spanien von der Finanzkrise erstaunlich gut abkoppeln. Jetzt aber geraten auch dort die Banken ins Trudeln.

Erst kam die Finanzkrise, dann folgte der Absturz der Realwirtschaft: So war der Fahrplan des Grauens in fast nahezu allen Industriestaaten. Nicht so in Spanien: Als weltweit die Banken wankten, präsentierte sich der spanische Finanzsektor weitgehend unbeeindruckt; die Finanzinstitute hatten kaum in US-Subprime-Papiere investiert und verfügten zudem über eine üppige Risikovorsorge.

Gleichzeitig aber begann die Wirtschaft immer stärker zu schwächeln – und genau dies führt nun dazu, dass Spanien neben der Wirtschaftskrise doch noch eine veritable Finanzkrise ins Haus steht. Immer mehr Ökonomen befürchten Solvenzprobleme für den Finanzsektor, der bisher als beispielhaft galt. Die Häuserpreise fallen, und die steigende Arbeitslosenquote von mittlerweile über 18 Prozent lässt die Kreditausfälle bei Privatkunden in die Höhe schnellen. Der Anteil der faulen Kredite hat sich innerhalb eines Jahres auf 4,17 Prozent vervierfacht – und könnte sich nach Meinung der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) 2009 noch einmal verdoppeln. Dann wäre ein ähnliches Niveau erreicht wie während der spanischen Finanzkrise im Jahr 1993.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) kam jüngst zu dem Schluss, dass ab einer Kreditausfallrate von sechs Prozent 20 Kreditinstitute die Eigenkapitaluntergrenze von acht Prozent nicht erfüllen könnten.

Auch börsennotierte Banken leiden in Spanien nun

Grafik: Wirtschaftliche Kennziffern Spanien

Grafik: Wirtschaftliche Kennziffern Spanien

Letzte Woche verschreckte dann auch noch die Ratingagentur Moody’s die Finanzwelt, als sie die Ratings für die Finanzstabilität von 30 spanischen Banken und Sparkassen sowie die Ratings für Kredite und Einlagen zahlreicher Institute teilweise kräftig herabstufte. Bisher galten vor allem kleinere Sparkassen als gefährdet, die auf eine Region und wenige große Schuldner aus dem kriselnden Bau- und Immobiliensektor ausgerichtet waren. Die regionale Sparkasse Castilla-La Mancha musste im März durch eine staatliche Kapitalspritze von drei Milliarden Euro gestützt werden. Doch jetzt stufte Moody’s erstmals auch die börsennotierten Banken Popular, Pastor, Sabadell, Bankinter und Banesto deutlich herab, im Falle Banco Pastor sogar auf das zweitschlechteste Niveau D. Im letzten Jahr hätten hohe Rückstellungen den Finanzinstituten geholfen, aber „das ist wie ein Deich – steigt die Flut immer weiter, bröckelt der Deich irgendwann, und das Wasser schwappt drüber“, warnt Bankenexperte Johannes Wassenberg von Moody’s.

Verschont blieben die international tätigen Großbanken Santander und BBVA. „Diese haben sich bisher sehr gut geschlagen“, sagt Wassenberg. Bei anderen, auf das Geschäft in Spanien konzentrierten Finanzinstituten sei man aber in Sorge, dass sie Kapitalzuschüsse brauchen. PwC beziffert den zusätzlichen Kapitalbedarf der Institute auf 25 bis 70 Milliarden Euro – je nachdem, wie sich die Wirtschaft weiter entwickelt. Kein Wunder also, dass die Regierung alarmiert ist. Bislang waren ihre Hilfsaktionen eher homöopathischer Natur; der Staat finanzierte den Kreditinstituten etwa ein Moratorium für Hypothekenkredite von Arbeitslosen. Nun aber soll das Parlament bis Ende des Monats einen Rettungsplan für den Finanzsektor verabschieden. Wenn privatwirtschaftliche Lösungen nicht greifen, etwa eine Fusion oder Übernahme, soll die spanische Zentralbank krisengeschüttelte Bankhäuser stützen und über einen staatlichen Rettungsfonds Beteiligungen erwerben, erklärte Wirtschaftsministerin Elena Salgado in der vergangenen Woche.

Geplant ist, den Fonds zunächst mit vergleichsweise bescheidenen neun Milliarden Euro aus dem Staatssäckel zu füllen. Allerdings kann der Betrag notfalls um das Zehnfache erhöht werden. Die Haushaltspolitiker wähnen sich dabei auf der sicheren Seite: Zwar schießt Spaniens Defizitquote in diesem Jahr laut Zentralbank auf stolze 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Höhe. Der Gesamtschuldenstand hingegen liegt mit rund 47 Prozent des BIPs noch unter der im Europäischen Stabilitätspakt festgelegten Grenze von 60 Prozent.

Wenn die Wirtschaft nicht bald wieder anzieht, könnte dies freilich schnell Makulatur sein: Spanien befindet sich voll in der Rezession. In den ersten drei Monaten schrumpfte das BIP um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal, für das Gesamtjahr 2009 erwarten Ökonomen ein Minus von rund drei Prozent. Schlechte Aussichten für das einstige Wachstumswunderland Spanien.

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