Barry Eichengreen: "Banken mitschuldig"

Barry Eichengreen: "Banken mitschuldig"

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"Die Euro-Zone hat eine Währung, einen Finanzmarkt und 17 Bankenaufsichten. Das Ist Wahnsinn", sagt Eichengreen (AP Photo/Michael

Der berühmte US-Ökonom fordert eine zentrale Aufsicht über die Kreditvergabe durch Finanzinstitute im Euro-Raum.

WirtschaftsWoche: Herr Eichengreen, vom Austritt aus der Währungsunion bis hin zur Errichtung einer Transferunion reichen derzeit die Vorschläge zur Lösung des griechischen Schuldendramas. Was wäre das Beste für beide Seiten – Griechenland und den Rest der Euro-Zone?

Eichengreen: Wir haben keine Wahl, sondern nähern uns einer Situation, in der es nur noch eine Lösung geben kann: eine Umschuldung, verbunden mit einem Forderungsverzicht der Gläubiger Griechenlands.

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Derzeit sieht es allerdings mehr danach aus, dass allenfalls die Zinsen gekürzt und die Laufzeiten der Kredite an Griechenland verlängert werden. Wäre das Land damit über den Berg?

Nein. Der Schuldenberg wäre immer noch zu groß, als dass Griechenland ihn bewältigen könnte. Nach dieser Restrukturierung wird eine zweite folgen, ein Haircut. Die Politiker wollen unbedingt eine freiwillige Umschuldung. Doch die Investoren haben keinen Grund, dieses Angebot anzunehmen. Sie wissen, dass es sowieso ein zweites Angebot geben wird.

Warum wollen die deutsche und die französische Regierung um jeden Preis den Haircut vermeiden?

Die Politiker sagen, sie fürchten die Ansteckung im Finanz-system. Doch in Wirklichkeit haben sie Sorgen um ihre Banken.

Wann wird der Haircut kommen?

Wahrscheinlich noch in diesem Sommer. Das Beste wird daher sein, schon jetzt die Umschuldung vorzubereiten, sodass alles möglichst reibungslos abläuft und zwei Ziele erreicht werden. Erstens: Griechenland kann wieder wachsen. Zweitens: Dem europäischen Bankensystem wird kein unnötiger Schaden zugefügt.

Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Wie soll das gelingen?

Man müsste sich mit den Banken einigen, die griechische Bonds halten, und ihnen verschiedene Arten von Papieren zum Tausch anbieten. Man sollte ihnen erlauben, die Abschreibungen gering zu halten und Verluste steuerlich geltend zu machen. Wir können dabei von den Erfahrungen in Lateinamerika in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren mit dem Brady-Plan lernen. Wir sollten uns Hilfe holen von den Menschen, die damals bei den großen Finanzinstituten angestellt waren und dort mitgeholfen haben. Sie wissen ganz genau, was nun zu tun ist.

Eine Restrukturierung Griechenlands wäre also gar nicht so dramatisch?

Meine größte Sorge ist, dass in der zweiten Runde von Stresstests, die im Juni anstehen, kein Restrukturierungsszenario enthalten sein wird. Nur so können wir sicher sein, dass die Banken ausreichend kapitalisiert sind. Und nur so können wir sie zwingen, falls angebracht, ihr Kapital zu erhöhen, um für eine Restrukturierung vorbereitet zu sein. Ich befürchte jedoch, dass in den Stresstests im Juni kein solches Restrukturierungsszenario vorkommen wird.

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