Beamte im Gefängnis: Wie Xi Jingping die Korruption bekämpfen will

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Beamte im Gefängnis: Wie Xi Jingping die Korruption bekämpfen will

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Der chinesischen Regierung zufolge befinden sich etwa 1,5 Millionen Menschen Chinas Gefängnissen.

von Nora Jakob

Chinesische Beamte sollen ins Gefängnis – zumindest auf Probe. Die Abschreckungsmethode der Regierung soll Korruption eindämmen. Chinas Gefängnisse sind berüchtigt für Enge, Folter und fehlende Humanität.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit hat Chinas Präsident Xi Jinping der Korruption den Kampf angesagt: Sie gefährde den Fortbestand der Kommunistischen Partei China, und deshalb müsse gegen Verstöße auf allen Hierarchieebenen vorgegangen werden. Allein zwischen Januar und November 2013 wurden 36.907 Personen verurteilt. Xi Jinping hat damit in seiner Amtszeit die bisher größte Anti-Korruptionskampagne gestartet.

Der wohl bekannteste Fall ist der des ehemaligen Politikstars und Parteichef der 28-Millionen-Einwohner-Stadt Chongqing Bo Xilai, der mittlerweile eine lebenslange Haftstrafe verbüßt – und eigentlich auch die Korruption bekämpfen wollte. Schließlich wurde auch er wegen „Bestechlichkeit, Unterschlagung und Machtmissbrauch“ angeklagt. Er habe Bestechungsgelder in Höhe von umgerechnet 2,4 Millionen Euro angenommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua damals. Ausländische Beobachter gehen allerdings davon aus, dass Bo Xilai dem jetzigen Präsidenten politisch zu gefährlich geworden war und deshalb ein Grund gesucht wurde, ihn aus dem Weg zu schaffen.

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So benehmen Sie sich in China richtig

  • Begrüßung

    Der Händedruck sollte nicht zu kräftig, sondern locker bis weich sein. Nicht die Dame wird zuerst begrüßt, sondern der Ranghöchste. Wenn Sie Leute vorstellen: Niemals mit dem Zeigefinger auf jemanden zeigen – extrem unhöflich! Besser ist es, die ganze Handfläche zu benutzen.

  • Essen

    Reis wird immer zuletzt gereicht. Zum Essen wird die Schale dicht an den Mund geführt, der Reis mit Stäbchen geschaufelt. Nie mit den Essstäbchen gegen die Schale tippen – das tun nur Bettler! Absolut tabu ist es, die Stäbchen in den Reis zu stecken: Symbol für Tod. Nudeln ebenfalls mit Stäbchen zum Mund führen und schlürfend einsaugen. Schlürfgeräusche sind durchaus erwünscht, als Zeichen dafür, dass es einem schmeckt.

  • Einladung

    Chinesen werden dabei aus Höflichkeit zurückhaltend essen. Sie wollen wiederholt zum Essen aufgefordert werden.

  • Getränke

    Meist werden Schnaps, Bier oder Wein zum Essen gereicht, die Gläser randvoll gegossen. Das Personal schenkt immer neu nach, ansonsten der Mann der Frau, der Ranghöhere dem Rangniederen. Bei der Aufforderung „Ganbei“ („Das Glas trocknen“) trinken alle ihr Glas in einem Zug aus. Dazu erhebt sich die Runde.

  • Geschenke

    Werden erwartet. Gerne Obst, Kuchen oder alkoholische Getränke. Jedoch keine Uhren – auf Chinesisch kann „eine Uhr schenken“ auch „eine Beerdigung besuchen“ bedeuten. Die Präsente werden nie in Anwesenheit des Schenkenden ausgepackt – Zeichen von Gier.

  • Hotels

    Möglichst nicht in einem Hotel mittlerer Kategorie absteigen. Status und Prestige sind in China extrem wichtig. Chinesen fragen beim ersten Meeting gerne, in welchem Hotel man wohnt.

  • Kleidung

    Formale Kleidung – dunkler Anzug und Krawatte – sind im Geschäftsalltag ein Muss. Wer Jeans und Krawatte trägt, wird nicht ernst genommen. Ebenso sind schrille Farben tabu. Für Frauen gelten in China inzwischen westliche Konventionen: Standard ist der dunkle Hosenanzug.

  • Kritik

    Direkte und offene Kritik ist in China tabu. Stattdessen beteuern: Der Mitarbeiter habe seine Sache gut gemacht und beim nächsten Mal schaffe er es sicher auch.

  • Pausen

    Besprechungen am Vormittag enden um halb zwölf – dann wird in China Mittag gegessen. Abendessen beginnen spätestens um 18.30 Uhr.

  • Small Talk

    Beim Kennenlernen sind persönliche Fragen nach Familienstand, Kindern, sogar nach Höhe des Gehalts üblich. Nicht ausweichend antworten! Wer zudem über die Bundesliga Bescheid weiß, genießt hohes Ansehen: Europäischer Fußball ist bei Chinesen beliebt. Tabu sind dagegen Politik, Kritik an Missständen, Umweltverschmutzung und Menschenrechten

  • Verhandlungen

    Am Beginn steht ein ausgedehntes Essen, während dem Gespräche über Geschäftliches tabu sind. Das entscheidende Thema kommt zum Schluss. Sollte es mal haken, auf keinen Fall aus der Haut fahren! Das bedeutet Gesichtsverlust. Besser freundlich bleiben und beteuern, dass man am Abschluss interessiert sei. Oft kommt dann nach wenigen Tagen ein Anruf, der Entgegenkommen zeigt.

  • Vier

    Die Zahl kann auf Chinesisch auch „Tod“ bedeuten. Nie etwas schenken, das in irgendeiner Weise diese Zahl enthält!

  • Visitenkarten

    Immer viele mitnehmen, mit beiden Händen überreichen und genauso annehmen. Karte noch einen Moment betrachten.

Bestechung ist ein großes Problem der chinesischen Politik – und deshalb versucht Xi Jingping sie mit immer neuen Maßnahmen einzudämmen. Seine neueste Idee: Politiker sollen bei Rundgängen im Gefängnis abgeschreckt werden und dort auch auf ihre bereits verurteilten Vorgänger treffen. Beamte und Politiker sollen so erleben, was mit ihnen geschieht, wenn sie sich bestechen lassen. Die Gefängnisbesuche seien Teil eines "erzieherischen Ansatzes", teilte die Behörde "Central Commission for Discipline Inspection" mit, die die Rundgänge organisiert. Den Besuchern solle klar werden, dass sie dem Staat dienen, und ihre Geschäftskontakte überdenken, heißt es in dem Bericht.

Aber wie sieht es in chinesischen Gefängnissen eigentlich wirklich aus – und wie abschreckend können solche Besuche sein? Genaue Zahlen, wie viele Menschen in China in Haft sind, gibt es nicht. In einem Bericht des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, eine Art Parlament, aus dem Jahr 2012 heißt es lediglich: In der Volksrepublik gibt es 681 Gefängnisse mit 1,64 Millionen Inhaftierten. Die Vermutung, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, wird von einer Studie des „International Center for Prison Studies“ gestützt. Demnach gab es 2009 zusätzlich noch 650.000 Menschen, die in Internierungslagern festgehalten wurden.

"Die Zellen sind oft nicht größer als 20 Quadratmeter und diesen Raum teilen sich oft mehr als 15 Menschen. Das Essen ist alles andere als schmackhaft, und nur gerade so viel, dass sie nicht krank werden,“ beschreibt Manyan Ng von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte die Situation chinesischer Häftlinge. "Folter ist an der Tagesordnung, vor allem gegen Menschen, die nicht der Linie der Partei folgen." Anhänger der Falun Gong, einer religiösen Minderheit, die in der Volksrepublik China 1999 verboten wurde, würden beispielsweise über Stunden in Salzwasser eingetaucht oder mit den Händen auf dem Rücken aufgehängt.

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