Berlin intern: Leere auf den Fluren der Supermacht

KommentarBerlin intern: Leere auf den Fluren der Supermacht

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Christian Ramthun

Bei seinem Amerikabesuch lief Wirtschaftsminister zu Guttenberg durch halbverwaiste Regierungsgebäude. Die USA sind derzeit nur bedingt handlungsfähig. Das ist beunruhigend.

Es gab nicht nur den strahlenden nachtschwärmerischen und tagsüber Opel-rettenden Bundeswirtschaftsminister in Amerika. Karl-Theodor zu Guttenberg sammelte bei seinem Antrittsbesuch in Washington auch beklemmende Eindrücke, über die er öffentlich nicht spricht, aus diplomatischer Rücksichtnahme.

Als zu Guttenberg mit einigen Mitarbeitern durch die Flure des Finanzministeriums lief, das direkt neben dem Weißen Haus liegt, verspürten die Deutschen eine gespenstische Leere. Es fehlten, so stellte sich schnell heraus, schlichtweg die Beschäftigten. Tatsächlich ist es in den USA üblich, dass mit dem Präsidenten auch ein Großteil der Administration wechselt. Dabei handelt es sich nicht etwa um einige Dutzend Staatssekretäre und Ministerialdirektoren wie in Deutschland. Es geht um rund 8000 Fachkräfte auf allen oberen und mittleren Ebenen der Ministerien. Um neue Mitarbeiter auszuwählen und einzuarbeiten, braucht es Monate.

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Kampf einer Notbesetzung

So viel Zeit hat die Regierung des neuen US-Präsidenten Barack Obama nicht. Es brennt, vor allem auf dem Terrain von Finanzminister Timothy Geithner. Bei allem Respekt vor dem 47-jährigen Finanzexperten war die Guttenberg-Delegation doch erschrocken zu sehen, dass die Supermacht die internen und globalen Probleme auf den Finanz- und Wirtschaftsmärkten derzeit nur mit einer kleinen Notbesetzung bekämpft.

Fehler geschehen da zwangsläufig, etwa im Fall des maroden Versicherungsgiganten AIG, als die Geithner-Administration bei den Bonus-Zahlungen an das Management patzte. Prompt geriet Präsident Obama öffentlich in die Defensive.

Auch für die Rettungsaktion bei der Opel-Mutter General Motors stehen im US-Finanzministerium bislang kaum Mitarbeiter zur Verfügung. Oder für die Vorbereitung der G20-Konferenz in London Anfang April. Die Gefahr ist groß, dass mangelndes Fachwissen durch markiges Auftreten überspielt wird. Washingtons Buy-American-Allüren und die Forderung, Europa müsste mehr Geld zur Ankurbelung der Konjunktur ausgeben, geben Anlass zur Sorge.

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