Bevölkerungsexplosion: Kann die Erde so viele Bewohner ernähren?

Bevölkerungsexplosion: Kann die Erde so viele Bewohner ernähren?

Die Weltbevölkerung wächst stärker als angenommen. 11,2 Milliarden sollen es 2100 sein, sagt eine neue Studie im Auftrag der Vereinten Nationen. Das wirft vor allem eine Frage auf: Können diese Menschen versorgt werden?

In den nächsten fünfzehn Jahren dürfte die Zahl der Menschen um 1,2 Milliarden auf 8,5 Milliarden steigen. 2050 könnten es 9,7 Milliarden sein. Und zum neuen Jahrhundert dürften 11,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das haben die Vereinten Nationen jetzt errechnet. Wachstumsmotoren sind die Entwicklungsländer: von Nigeria über Pakistan bis zu Indonesien.

Dagegen schrumpft Deutschlands Bevölkerung. 2100 würden in der Bundesrepublik nur noch 63,2 Millionen Menschen leben, schätzen die Experten. Heute hat Deutschland rund 80 Millionen Einwohner. Dagegen vervierfacht sich die afrikanische Bevölkerung: 4,4 Milliarden Menschen erwarten die Vereinten Nationen für den Kontinent zum neuen Jahrhundert. Schon 2050 könnte Nigeria die USA als drittgrößtes Land der Welt ablösen. Bereits in sieben Jahren soll Indien das Land mit den meisten Einwohnern sein und China überholen.

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Doch das Wachstum bringt zwei große Problem mit sich: Hunger und Durst. Reichen die landwirtschaftlichen Flächen aus, um die Menschen rund um den Globus zu versorgen?

Oxfam-Studie Reiche besitzen bald mehr als alle anderen zusammen

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst und wächst: Bereits im kommenden Jahr wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Wohlstand angehäuft haben, als die restlichen 99 Prozent zusammen, zeigt eine Oxfam-Studie.

Während Millionen Menschen kaum genug zum Leben haben, vereint das reichste Prozent der Weltbevölkerung bald mehr als die Hälfte des Wohlstands auf sich. Quelle: dpa

Gerade erst mussten die UN-Experten zugeben, dass sie ihre Millenniumsziele nicht überall erreicht hat. Zwar erleben pro Jahr nur noch etwa sechs Millionen Kinder ihren fünften Geburtstag nicht, dennoch ist ihre Sterblichkeitsrate seit 1990 nicht um zwei Drittel gefallen, wie in der Agenda formuliert. Nahrungsmittel, Krankenhäuser und Schulen fehlen schon heute in vielen Ecken der Welt - gerade in Afrika.

Das liegt an der Politik der einzelnen Entwicklungsländer, meint Michael Grimm, Ökonomieprofessor an der Universität Passau. „Das Bevölkerungswachstum ist nicht das Hauptproblem“, sagt er. „Die landwirtschaftlichen Flächen sind auch in Afrika vorhanden, nur ist die Produktivität bisher zu niedrig.“ Logische Konsequenz: Zur Bekämpfung von Hunger und Armut muss dieses Potenzial genutzt werden. Dann erreicht die UN, wenn auch verspätet, ihre Millenniumsziele.

Doch um die Landwirtschaft zu fördern und Hunger wie Durst zu minimieren, ist in den Entwicklungsländern ein politischer Schritt nach vorne nötig. Denn ohne Vertrauen in den Staat und seine Leistungen wie Rente oder Krankenversicherung, „ist es ökonomisch sinnvoll viele Kinder zu haben, damit man abgesichert ist“, sagt der Entwicklungsökonom Grimm.

Doch die nötigen Agrarflächen liegen oft brach. Bauern haben häufig Angst, dass der Staat ihre Erträge kurzerhand konfisziert. Die Folge: Staatsversagen führt zu Versorgungsengpässen. Das Dilemma der Entwicklungspolitik.

Keine Überraschung also, dass Afrika in den nächsten 35 Jahren für mehr als die Hälfte des Bevölkerungswachstums verantwortlich ist, wie die UN-Experten schreiben. Gegen diese Logik helfen nur „stabile Institutionen, eine effiziente Bürokratie und gute Regierungsführung“, meint der Forscher Grimm.

Der wichtigste Schlüssel dafür: Bildung. Von der Alphabetisierung bis zum Hochschulstudium. Insbesondere im Agrobusiness, etwa in der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln, sieht Grimm Wachstumspotenzial für afrikanische Unternehmen. Dafür sind allerdings geschulte Arbeiter nötig.

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Gleichzeitig kann Bildung auch direkt das Bevölkerungswachstum bremsen. Denn Studien belegen seit Jahrzehnten, dass ausgebildete Frauen weniger Nachwuchs haben. Im Moment bekommen Frauen weltweit 2,5 Kinder – in Afrika sind es 4,7.

Gleichzeitig gebe es in Entwicklungsländern pro Jahr 74 Millionen ungewollte Schwangerschaften, sagt Ute Stallmeister von der Stiftung Weltbevölkerung. Dringend notwendig sei daher breitere sexuelle Aufklärung und die Verfügbarkeit von Verhütungsmittel. Allein das macht den Weg für Frauen in das Arbeitsleben deutlich leichter und bietet die Chance über die UN-Armutsgrenze von 1,25$ pro Tag zu kommen.

Gelingt die Bildungswende in den Entwicklungsländern, kann das rasante Bevölkerungswachstum sogar ein demographisches Geschenk werden. Denn die Babys von heute sind Arbeiter und Konsumenten von morgen. Über Afrika als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft könnte sich auch die schrumpfende europäische Bevölkerung freuen.

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