
Wolf Blitzer war ganz außer Atem. „Ich war schon vor 20 Jahren Korrespondent im Weißen Haus, zu Bill Clintons Zeiten“, sagte das sonst so beherrschte Nachrichten-Urgestein von CNN. „In der ganzen Zeit seither beobachte ich ihn, und ich muss sagen: Nie habe ich eine bessere Rede von ihm gesehen“.
Kurz zuvor hatte der ehemalige Präsident seine Ansprache auf dem Parteitag der Demokraten beendet. Der riesige Saal in Charlotte, North Carolina, er kochte. Dass es einschlagen würde, wenn der beliebte 66-Jährige vor ein Millionenpublikum tritt, um seinen Nach-Nachfolger Barack Obama hochleben zu lassen, war klar. Dass es derart einschlagen würde, war dann doch überraschend.
In einer mal nachdenklichen, lustigen, höhnischen, meist aber kämpferischen Rede zur besten Sendezeit verteidigte Clinton am Mittwochabend die Politik Obamas und rief die Millionen vor den Fernsehern zu Wiederwahl auf. „Wenn ihr eine Zukunft mit gemeinsamem Wohlstand wollt, in der die Mittelschicht wächst und die Armut schrumpft, dann solltet ihr für Barack Obama stimmen“, sagte Clinton.
Es war eine Ansprache, die Obamas größte Schwäche ausgleichen sollte: die wackelige Wirtschaft. Jobkrise, Hoffnungslosigkeit, gigantische Staatsschulden – es ist das einzige Thema, mit dem Herausforderer Mitt Romney punkten kann. Und wer könnte nun besser den angeschlagenen Obama verteidigen, als Mr. „It`s the economy, stupid“, Bill Clinton? In seiner Amtszeit in den 90er Jahren boomte die Konjunktur, vier Jahre hintereinander legte er ein Haushaltsplus hin. Selbst die Republikaner zollen ihm dafür Respekt.
- Seite 1: Die Rede, die Obama dringend brauchte
- Seite 2: "Obama ist in einem viel schwierigeren Umfeld gestartet als ich"
- Seite 3: "Eigentlich können sie jetzt ihre Convention dichtmachen"















