Biosprit E10: Andere EU-Länder lassen sich Zeit

Biosprit E10: Andere EU-Länder lassen sich Zeit

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Nach massiven Absatzproblemen bei dem neuen Bio-Sprit E10 wird die Einführung in Deutschland vorerst gestoppt

von Silke Wettach

Nur Deutschland und Frankreich sind mit dem umstrittenen Kraftstoff E10 vorgeprescht. Im übrigen Europa sehen die Regierungen die EU-Vorgaben deutlich gelassener - zumal es eher Empfehlungen sind.

Tanktourismus gab es zwischen Deutschland und Luxemburg schon lange, weil Kraftstoff aller Art im Herzogtum dank einer niedrigeren Mineralölsteuer billiger ist. Doch in diesen Tagen bilden sich vor den Tankstellen an Grenzorten wie Schengen besonders lange Schlangen. Deutsche Autofahrer, die E10 vermeiden wollen, haben nun noch einen Grund mehr, den Tank in Luxemburg zu füllen.

Luxemburg geht – wie die meisten EU-Länder - die Umstellung auf E10 gemächlich an. In absehbarer Zeit wird es kein E10 in Luxemburg geben. Der Anteil Ethanol am Benzin verbleibt somit bei zwei Prozent.  Die Sympathie in Luxemburg für den neuen Brennstoff ist ohnehin nicht groß. Schon im vergangenen Sommer warnte der luxemburgische Automobilclub ACL vor dem Biosprit in Frankreich, der Ottomotoren beschädigen könne.

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Ohne Termin

In den Niederlanden ist E10 an einzelnen Tankstellen erhältlich, flächendeckend soll der Biosprit jedoch erst nach einer Übergangsphase eingeführt werden. Hier geht man anders als in Deutschland vor: Statt ein fixes Zieldatum zu nennen, sagt die Regierung ausdrücklich, dass die konkreten Erfahrungen mit dem Biosprit in den Zeitplan einfließen sollen.

Belgien plant ebenfalls E10 einzuführen. Wann der Anteil auf zehn Prozent heraufgesetzt wird, ist jedoch noch offen. Da in Belgien das deutsche E10-Debakel ähnlich aufmerksam verfolgt wird wie auch in den Niederlanden, gilt es als wahrscheinlich, dass sich der Prozess in den beiden Ländern eher verlangsamt. Derzeit beträgt der Ethanol-Anteil am Kraftstoff in Belgien mindestens vier Prozent, in manchen Fällen auch sechs Prozent.

Es ist verständlich, dass andere EU-Länder die Einführung von E10 nicht überstürzen, denn die gesetzliche Lage lässt mehr Spielraum, als Bundesumweltminister Norbert Röttgen behauptet. Die EU-Richtlinie, auf die er sich beruft, sieht vor, dass EU-Mitgliedsstaaten den Anteil des Ethanols auf zehn Prozent hochschrauben können. Es gibt jedoch keinen Zwang zu E10. Als Ziel gibt die EU vor, dass im Jahr 2020 der Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehr bei zehn Prozent liegen muss. Die EU-Kommission unterstreicht nun, dass dies nicht unbedingt bedeutet, dass der Ethanol-Anteil auf zehn Prozent steigen müsse. Denkbar wäre beispielsweise ein höherer Anteil an Elektromobilität. Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger, zuständig für Energie, betont, dass er E10 für grundsätzlich richtig hält, weil es Deutschland unabhängiger von Rohölimporten mache.

Die EU-Kommission hat über lange Zeit stark für Biosprit geworben, in der Hoffnung, einen Ersatz für Erdöl gefunden zu haben. Sie wies etwa darauf hin, dass ein Pioniermodell wie der T Ford ursprünglich für Biosprit gebaut wurde, und Sprit auf Ölbasis sich erst in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchsetzte.

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