Blutbad in Orlando: Krank oder Islamist?

Blutbad in Orlando: Krank oder Islamist?

, aktualisiert 13. Juni 2016, 12:28 Uhr
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Der mutmaßliche Amokläufer von Orlando hatte einen Sohn.

Quelle:Handelsblatt Online

Ernst, psychisch krank, homophob – dieses Bild zeichnen Bekannte vom mutmaßlichen Todesschützen von Orlando. Der 29-Jährige Wachmann besuchte regelmäßig ein Islamisches Zentrum und wollte wohl Polizist werden.

Fort PierceOmar Mateen stemmte Gewichte, war Wachmann und wollte eines Tages Polizist werden. Der 29-jährige Sohn afghanischer Einwanderer galt als religiös, aber nicht radikal. In der Nacht zum Sonntag soll er es gewesen sein, der in dem Schwulenclub Pulse in Orlando im US-Staat Florida mindestens 50 Menschen getötet und 53 verletzt hat. Was treibt einen jungen Mann zu solch einer Tat? War es ein Terrorakt, Homophobie oder die Tat eines kranken jungen Mannes? Die Antwort ist ungewiss – wie so vieles in diesem Fall.

Die Spurensuche in der Vergangenheit des mutmaßlichen Täters hat begonnen. Omar Mateen kam drei- bis viermal pro Woche zu abendlichen Gebeten in das Islamische Zentrum von Orlando. Vor kurzem habe er seinen kleinen Sohn dabei gehabt, sagt Imam Syed Shafeeq Rahman. Als besonders sozial bezeichnet er Mateen nicht, aber auch nicht als gewalttätig. Zuletzt sei er am Freitag ins Zentrum gekommen.

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„Als er mit dem Gebet fertig war, ist er einfach gegangen“, sagt Rahman der Nachrichtenagentur AP. Er sei nicht sonderlich daran interessiert gewesen, mit anderen in Kontakt zu kommen. Rahman beschreibt ihn als „ruhig“ und als „sehr friedlich“.

Er habe Mateen und seine Familie schon gekannt, als der mutmaßliche Schütze noch ein kleiner, verspielter Junge gewesen sei. Als Erwachsener sei er eine ernsthaftere Person geworden, habe sowohl Englisch als auch Farsi gesprochen und habe dann seinen Körper gestählt. Er sei aber nie jemand gewesen, der zu einer solch grausamen Tat wie dem Massaker in dem Nachtclub in der Lage gewesen wäre, sagt Rahman. „Es geschah völlig unerwartet.“ (...). „Meine persönliche Meinung ist, dass das hier nichts mit dem IS zu tun hat“, sagt er.

Die Ex-Frau des mutmaßlichen Täters, Sitora Yusufiy, zeichnet ein völlig anderes Bild: Ihr zufolge war Omar Mateen manisch-depressiv. „Er war labil und psychisch krank“, sagt sie. Er habe Polizist werden wollen und sich bei der Polizeiakademie beworben. Bei der Sicherheitsfirma G4S sei er als Wachmann angestellt gewesen.

Laut offiziellen Dokumenten hat sich das Paar in den zwei Jahren nach der Hochzeit nicht scheiden lassen, aber Yusufiy versichert, nur vier Monate lang mit Mateen zusammengewesen zu sein, weil er während der Beziehung übergriffig geworden sei. In den wenigen Monaten ihres Zusammenlebens habe er sie von ihren Verwandten getrennt und sie regelmäßig geschlagen. Ihre Familie habe sie einmal besucht und dabei bemerkt, dass es ihr nicht gut gehe. Daraufhin hätten ihre Angehörigen sie aus der Situation befreit.

Dagegen gingen die Behörden nach dem schlimmsten Schusswaffenmassaker der jüngeren US-Geschichte sofort dem Terrorverdacht nach. Aus Ermittlerkreisen hieß es, der Schütze habe aus dem Nachtclub den Notruf gewählt und in dem Telefonat dem IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi seine Treue geschworen, sich auf die Terrormiliz IS berufen. US-Präsident Barack Obama sprach einerseits von einem „Akt des Terrors“, andererseits aber auch von einem „Akt des Hasses“.


Der Vater wollte Präsident in Afghanistan werden

Das FBI hatte Omar Mateen schon zweimal im Visier: 2013 wegen aufhetzerischer Aussagen, im Jahr darauf prüften Beamte mögliche Verbindungen von Mateen zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien, wie Agent Ronald Hopper sagte. Der Kontakt sei jedoch minimal gewesen, weshalb er zu diesem Zeitpunkt nicht als Bedrohung eingestuft worden sei. Ein Vorstrafenregister hatte Mateen nicht. Kurz vor der Tat legte er sich offenbar Waffen zu: Trevor Velinor vom Büro für Alkohol, Tabak und Schusswaffen sagte, Mateen habe in den vergangenen Tagen mindestens zwei Schusswaffen erworben.

Der Vater des mutmaßlichen Täters, Seddique Mir Mateen, moderiert in den USA eine Talkshow. Er entschuldigte sich auf MSNBC im Namen seiner Familie öffentlich für die Tat seines Sohnes. Und deutete an, dass Mateen homophob, also schwulenfeindlich gewesen sei. Wütend sei er geworden, als er vor kurzem zwei küssende Männer gesehen habe, sagte Seddique Mir Mateen, der nach Angaben eines Geschäftspartners Lebensversicherungen verkauft und im Jahr 2010 eine Gruppe namens Durand Jirga gründete. Der Name Durand Jirga bezieht sich auf die sogenannte Durand-Linie, die lange Zeit umstrittene Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan.

Der Geschäftspartner, Qasim Tarin, berichtet von der Fernsehshow, in der sich Seddique Mir Mateen mit Themen rund um sein Heimatland befasst hat. Der Vater des mutmaßlichen Attentäters habe die USA geliebt. Einige Folgen der Sendung sind auf Youtube zu sehen. Auf einem Schild im Hintergrund ist einmal zu lesen: „Lang leben die USA! Lang lebe Afghanistan. (...) Afghanen sind die besten Freunde der USA.“

Ein afghanischer Ex-Beamter allerdings sieht die Show kritischer. Sie sei von einem kalifornischen Sender ausgestrahlt worden, der den radikalislamischen Taliban solidarisch gegenüber gestanden habe, sagt er. Die Sendung habe einen antipakistanischen Schlag gehabt und die USA für ihre Taten in Afghanistan kritisiert. Zuletzt habe Vater Mateen auch Kritik an der afghanischen Regierung geübt - und angekündigt, sich bei der afghanischen Präsidentschaftswahl aufstellen zu lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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