Börse: Crack-up-Boom nach der Griechen-Rettung?

KommentarBörse: Crack-up-Boom nach der Griechen-Rettung?

von Hauke Reimer

Nach der vermeintlich glorreichen Rettungsnacht für Griechenland starteten die Börsen ein Kursfeuerwerk. Warum die Börse weiter läuft – und ob Griechen-Bonds für Private eine Wette wert sein könnten.

Die Börse ist eine Diva, die sich denen an den Hals wirft, die Stärke zeigen. Diesmal waren das die EU-Politiker – und sei es nur für eine Nacht. Sie trieben die Märkte in eine fulminante Rally. Aktien und Öl profitierten, Griechen-Anleihen machten 15 Prozent gut. Dass Strategen danach Wasser in den Retsina kippten – „die Probleme sind nur vertagt, viele Details noch nicht geklärt“ –, konnte die Rally zunächst nicht stoppen. Trotzdem haben sie natürlich recht. Die Bekämpfung der Schuldenkrise mit Billionen weist den Weg Richtung Gelddrucken und Inflation. Was bedeutet das für Aktien?

An der Börse gibt es drei Fraktionen. Optimisten betonen, dass Unternehmen weiter glänzend verdienen und die Auftragseingänge gut seien. China rette uns vor der Weltrezession, und Staatsschulden seien schon immer ein Problem – doch immer sei es Politikern gelungen, sie teils wegzuinflationieren, teils in die Zukunft zu schieben.

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Gold und Cash

Die zweite Gruppe weist darauf hin, dass in einem längeren Aktiencrash starke Erholungen die Regel seien. Ihre Sicht dominieren die Frühindikatoren, die ein Abflauen der Weltkonjunktur signalisieren, und die künftig eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Banken, die auch die Realwirtschaft drosseln könnte.

Fraktion Nummer drei sind die Super-Pessimisten. Sie sagen, das Weltfinanzsystem laufe unaufhaltsam in Richtung Hyperinflation und Crash des Finanzsystems. Zuvor aber komme es, weil alle noch Papiergeld gegen Sachwerte tauschen wollten, zu einer Katastrophen-Hausse. Dieser „Crack-up- Boom“ wäre dennoch kein Grund zur Freude, weil der folgende Zusammenbruch flankiert würde von staatlicher Repression und Unruhen. Die ließen keine Luft, Gewinne zu genießen.

Zählt man zusammen, sprechen Szenario eins und drei für Aktien. Weiter auf Aktien zu setzen, aber mit angezogener Handbremse, also Absicherung durch Gold und Cash, scheint mir die beste Wahl.

Heisse Griechen-Bonds

Die EU-Politiker haben den Schuldenschnitt für Griechenland mit den Banken ausgehandelt. Zwei Drittel der Schulden werden über eine Umtauschaktion halbiert. Allen Großen, die nicht am Tisch saßen, will die Politik Druck machen: Anleihebedingungen könne man ändern oder Bonds eben ausfallen lassen, so die unterschwellige Drohung. Investoren seien herzlich eingeladen, Griechenland in Athen zu verklagen.

Privatanleger dürften, heißt es aus Berlin, über ihre Bank ein Umtauschangebot bekommen. Sie könnten das Thema auf zwei Wegen spielen. Entweder: langlaufende Bonds, zuletzt für 40 Prozent gehandelt, kaufen und zu 50 Prozent andienen. Oder: Kurzläufer zu 50 bis 60 Prozent kaufen, sich tot stellen und abwarten, ob Athen 2012 nicht doch zu 100 zurückzahlt. Heiße Wetten sind beide Alternativen. Damit sie aufgehen, muss der Umtausch wie angekündigt laufen. Und weitere Unwägbarkeiten, etwa schwarze Löcher in Athens Staatskasse, sind in der Rechnung auch noch nicht drin. Dann doch lieber Aktien kaufen.

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