Bonität der Schuldenländer: EU erhöht Druck auf Ratingagenturen

Bonität der Schuldenländer: EU erhöht Druck auf Ratingagenturen

Bild vergrößern

Fitch Ratings

Die EU will Ratingagenturen verbieten, in Europa Bonitätsnoten zu vergeben, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Die Rating-Häuser reagieren beleidigt. Leidtragende des Streits sind andere.

Der Streit zwischen den internationalen Rating-Agenturen und der Europäischen Union verschärft sich. Die EU will erreichen, dass die Agenturen haften, wenn sie die Zahlungsfähigkeit von Ländern falsch einschätzen. Im Gegenzug drohen die Agenturen damit, hochverschuldete Staaten nicht mehr zu bewerten. Die Folge: Investoren würden diese Länder meiden, sagten Experten.

Nach einem Bericht des Handelsblatts will die EU zudem in den USA erstellte Bonitätsnoten für Wertpapiere in Europa verbieten. Alle Ratings müssten von vergleichbarer Qualität sein, und dies sei bei Ratings aus den USA und anderen Drittstaaten nicht garantiert, hieß es in Kreisen der EU-Kommission.

Anzeige

Eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2009 zwingt die europäischen Rating-Agenturen dazu, eine Lizenz zu beantragen, ihre Bewertungskriterien offenzulegen und Interessenskonflikte zu beseitigen. Für Ratings aus Drittstaaten gilt die Verordnung erst vom 7. Juni an. Dann will die EU Bonitätsnoten nur aus jenen Herkunftsländern akzeptieren, die vergleichbar strikte Vorschriften für Ratingagenturen erlassen haben wie die EU. Entsprechende Ausführungsbestimmungen bereitet die neue EU-Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA derzeit in Absprache mit der EU-Kommission vor.

Rating lieber aus Europa

Nach Auffassung der EU-Kommission ist der US-Rechtsrahmen für Ratingagenturen nicht mit dem EU-Rechtsrahmen vergleichbar. Das gilt auch für die gesetzlichen Regelungen der großen Schwellenländer wie China, Indien, Russland und Brasilien. In diesen Ländern erstellte Ratings wären also in Europa nicht mehr verwendbar.

Die EU-Kommission hofft offenbar, dass die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poors, Moody's und Fitch Personal nach Europa verlagern, um die Ratings künftig hier anzufertigen. Fitch hat dieses Ansinnen aber bereits ausdrücklich zurückgewiesen.

Ratingagenturen sind Zinsmacher

Hintergrund des Streits sind die jüngsten Herabstufungen von Staaten wie Portugal und Griechenland durch Agenturen wie Moody's, S&P oder Fitch. Das Rating spielt eine entscheidende Rolle für den Zins, den die Länder bei Anleihen auf den internationalen Märkten zahlen müssen. Die EU-Kommission hat die jüngsten Herabstufungen massiv kritisiert.

Die Rating-Agenturen hätten in der Vergangenheit schlampig gearbeitet, sagte Sony Kapoor von der Denkfabrik Re-Define: „Ihre Einstufungen waren vor der Krise zu hoch und jetzt sind sie zu niedrig“, sagte er. Allerdings führe an den Agenturen kein Weg vorbei, weil alle Beteiligten - von der Europäischen Zentralbank bis zu den Banken - auf die Noten zurückgriffen. Die EU müsse vorsichtig vorgehen. „Wenn ein Land kein Rating erhält, verschwindet es für Investoren von der Landkarte“, warnte Kapoor.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%