Boom & Bust: EZB auf schiefer Bahn

kolumneBoom & Bust: EZB auf schiefer Bahn

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Aus Angst vor einem Staatsbankrott Griechenlands will die EZB ihre Refinanzierungspolitik lockern. Damit verspielt sie ihre Glaubwürdigkeit - und das Vertrauen der Bürger.

Der Sündenfall geschah am Donnerstag. Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) kündigte an, die EZB werde die wegen der Finanzkrise gelockerten Sicherheitsstandards für Wertpapiere im Rahmen ihrer Refinanzierungsgeschäfte mit Banken über 2010 hinaus beibehalten. Was wie eine technische Petitesse klingt, ist Teil eines groß angelegten Bail-outs von Regierungen und EZB zugunsten Griechenlands. So kündigten die Euro-Regierungschefs an, Griechenland mit einer Kombination aus bilateralen Krediten und Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu helfen, sollte es dem Land nicht gelingen, sich in den nächsten Wochen bis zu 30 Milliarden Euro neue Kredite an den Kapitalmärkten zu beschaffen. Für die EZB sind IWF-Hilfen eine Horrorvision. Denn die Währungshüter fürchten – zu Unrecht! – der IWF könnte bei seinen Reformauflagen für Griechenland der EZB Vorschriften bei der Geldpolitik machen.

180-Grad-Wende der EZB

Deshalb will die EZB nun über das Jahr 2010 hinaus Staatsanleihen mit einem Rating bis zu BBB- im Austausch gegen Zentralbankgeld entgegennehmen. Die durch die Annahme von forderungsbesicherten Wertpapieren ohnehin schon gesunkene Qualität ihrer Aktiva würde sich dadurch weiter verschlechtern. Vor wenigen Wochen hatte Trichet noch getönt, die EZB werde die Qualitätsanforderungen an Repo-Papiere Ende 2010 wieder verschärfen und nur noch Papiere mit mindestens einem A-Rating akzeptieren. Das hätte bedeutet, dass die Banken nach einer möglichen Bonitätsherabstufung Griechenlands auf BBB- für Hellas-Anleihen kein Zentralbankgeld mehr bekommen würden. Ihre Bereitschaft, der Regierung in Athen Anleihen abzukaufen, würde gen null sinken – und die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts mit anschließendem Einmarsch des IWF steigen.

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Die 180-Grad-Wende der EZB hat diesen Fall unwahrscheinlicher gemacht. Doch die Glaubwürdigkeit der Notenbank ist bei dem Manöver auf der Strecke geblieben. Wer soll einer Zentralbank, die sich binnen weniger Wochen vom Gegner zum Büttel eines staatlich orchestrierten Bail-outs wandelt, noch das Versprechen abnehmen, sie werde in den nächsten Jahren die Preise in der Währungsunion stabil halten?

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